Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Bewertung und Kritik zu

WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? 
von Edward Albee
Regie: Martin Kusej 
Premiere: 15. September 2019 
Burgtheater Wien 

Zum Inhalt: Auf einem Spiegel in einer Bar in Greenwich Village hatte er die Worte entdeckt: „Who’s Afraid of Virginia Woolf?“ Eigentlich sollte der Titel seines neuen Dramas THE EXORCISM heißen. Und um eben eine solche Austreibung ging es Edward Albee bei seiner legendären Afterparty von Martha, George, Nick und Honey, die seit der New Yorker Uraufführung im Jahr 1962 als „Klassiker“ gilt und als Schauspieler*innenfest. Ohne Wissen ihres Ehemannes George hat Martha den neuen Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey nach einem offiziellen Empfang der Universität in ihr Haus eingeladen. George ist Geschichtsdozent und kennt die Gesellschaftsspiele seiner Ehefrau Martha nur zu gut. Als Tochter des Rektors besitzt sie Macht und Einfluss und liebt es, mit den Gefühlen anderer zu spielen. Doch an diesem Abend ist alles anders und das Spiel eskaliert.

Besetzung:
Martha ... Bibiana Beglau
George ... Norman Hacker
Nick ... Johannes Zirner
Honey ... Nora Buzalka

Regie: Martin Kusej
Bühne und Kostüme: Jessica Rockstroh
Licht: Tobias Löffler
Dramaturgie: Andrea Koschwitz


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Ein Fest für Bibiana Beglau
  · 12.10.21
''Kušej erfindet das Stück nicht neu. Diese Inszenierung ist die hartnäckige Behauptung des „traditionellen“ Theaters gegen Performance, Stückentwicklung und Überschreibung, die schlagende Rechtfertigung des virtuosen Rollenspiels. Lediglich Nora Buzalka als Honey bleibt neben Johannes Zirner als Nick blass. Man könnte annehmen, dass das an der Rolle liegt, wäre da nicht die Erinnerung an Andrea Clausen, die sie einst in der Regie von Hans Neuenfels urkomisch neben Elisabeth Trissenaar, Klaus Maria Brandauer und Markus Boysen verkörpert hat. Zwischen Neuenfels und Kušej haben, in der Regie von Jan Bosse, Christiane von Poelnitz, Joachim Meyerhoff, Katharina Lorenz und Markus Meyer am Burgtheater nach der Angst vor dem großen, bösen Wolf – pardon: vor Virginia Woolf – gefragt.

Martin Kušej inszeniert nicht so sehr das Ehedrama wie Marthas Tragödie. Er ist näher an Eugene O'Neill, an Eines langen Tages Reise in die Nacht, als an Strindberg oder auch an Ingmar Bergman. Und gibt vielleicht damit eine Antwort auf die Frage, warum Albees Drama häufiger aufgeführt wird als die kurzlebigen, aber eindimensionalen Nachfahren.'' schreibt Thomas Rothschild am 12. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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