Richard II.

Bewertung und Kritik zu

RICHARD II. 
von William Shakespeare
Regie: Johan Simons 
Premiere: 4. Mai 2021 
Burgtheater Wien 

Zum Inhalt: Elf Jahre ist Richard alt, als man ihn auf den Thron setzt, Isabel von Valois, seine Frau, ist mit sechs Jahren Königin geworden. Ein seltsam flirrendes Paar auf dem Thron, zwischen hypertrophen Höhenflügen und düsteren Ahnungen schwankend. Shakespeares “schlechtester König” hat das, was man Politik nennt, nie gelernt. Er hat wohl den Mord an einem seiner Onkel angeordnet, was ihm dieses Verbrechen aber für Vorteile gebracht haben könnte, bleibt unersichtlich.

Vielmehr rührt es die Opposition in der weitverzweigten Königsfamilie auf. Er hat Steuern und Abgaben erhöht, um einen prächtigen Hof zu führen, und damit große Teile des Adels gegen sich aufgebracht. Und er konfisziert das Vermögen eines anderen Onkels, kaum, dass der gestorben ist, und schickt den einzigen Erben in die Verbannung, um einen Feldzug gegen irische Rebellen zu finanzieren. Seine Regierung, ein Amtsmissbrauch.

Regie: Johan Simons
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Greta Goiris
Musik: Mieko Suzuki
Licht: Friedrich Rom
Dramaturgie: Sebastian Huber / Koen Tachelet


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Statisch abgefilmtes Theater
  · 04.05.21
Kurz vor der Wieder-Eröffnung der Theater in Österreich setzt auch das Burgtheater nach dem kleinen Experiment von Michael Maertens/Dead Centre auf den Live-Stream einer Inszenierung. Der Shakespeare-Abend "Richard II." hat  mit einigen technischen Problemen zu kämpfen und kommt nicht über abgefilmtes Theater hinaus. Sehr statisch und langweilig umgesetzt bleibt diese Gast-Inszenierung des Bochumer Intendanten Johan Simons weit hinter den Maßstäben zurück, die andere Bühnen in den vergangenen Lockdown-Monaten gesetzt haben.
Trotz eines hochkarätigen Ensembles um Martin Schwab, Jan Bülow und Sarah Viktoria Frick bleibt die Tragödie über den Sturz eines Königs blass und hinter den Erwartungen zurück.
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Richard und die Heinrich Bolingbroke
  · 15.10.21
''Ergibt sich die Frage, warum Simons Richards Gegenspieler Heinrich Bolingbroke mit einer Frau – Sarah Viktoria Frick – besetzt hat. Ja, wir wissen schon, dass Rolle und Darsteller nicht übereinstimmen müssen, aber ist ihre Relation beliebig? Ist alles egal? Hat die Beschaffenheit der Figur keinerlei hermeneutische Bedeutung? Und müssen wir uns das wirklich immer wieder erklären lassen?

Hinzu kommt: Die Ansprüche an eine gerechte Herrschaft lassen sich nicht ohne weiteres von der monarchistischen auf die mehr oder weniger demokratische republikanische Gesellschaft übertragen. Zwar relativiert Simons die Machtvollkommenheit des Herrschers, wenn er – eine der schönsten Szenen – überdeutlich zeigt, wie sich alle am Hof beim Geschwätz des zum Rücktritt gezwungenen Richard langweilen, aber immerhin: wer die Monarchie akzeptiert, mag den Fall eines Königs als Tragödie empfinden. Verglichen damit ist der Fall (in der doppelten Wortbedeutung) eines Sebastian Kurz nur eine Farce.'' schreibt Thomas Rothschild am 16. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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