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Bewertung und Kritik zu

MEISTER UND MARGARITA
nach  Michail Bulgakow
Regie: Ene-liis Semper, Tiit Ojasoo 
Premiere: 17. Oktober 2019 
Akademietheater Wien 

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Zum Inhalt: Was tun, wenn Satan in die Stadt kommt? Sich auf den Boden werfen? Um Gnade bitten? Beten? All das versuchen die Menschen in Bulgakows Roman erst gar nicht, sondern gieren auf ihren nächsten Vorteil, einen Respektbeweis, die nächste Beförderung oder die nächstgrößere Wohnung. Einander gegenseitig misstrauend, schmierig, in vollendetem Opportunismus und — zugleich sehr menschlich. Die kleinen Spielchen im Büro. Alle leben endgültig ohne Glauben; nur, dass es keinen Gott gibt, das wissen sie sehr genau. Der neuangekommene Satan verwirrt die Städtebewohner*innen mit seiner Transzendenz, erweckt die Toten zum Leben und veranstaltet einen Ball. Erst auf Seite 165 tritt der Meister auf.

Sein Lebenswerk, ein Roman, erzählt von den Leiden des Pontius Pilatus’ in Jerusalem am Tage der Kreuzigung. Der zart depressive, von Kopfschmerzen geplagte römische Prokurator begeht den größten Fehler der Menschheit, denn eigentlich will er diesen freundlichen und witzigen Jeshua nicht hinrichten lassen, aber die Verhältnisse lassen ihm keine Wahl. Den Roman lehnt der Schriftstellerverband zur Veröffentlichung ab, trotzdem erscheinen vernichtende Kritiken und den Meister trifft der Spott der kulturellen Öffentlichkeit. Margarita, seine Geliebte, glaubt er verloren, doch sie, „in deren Augen ständig ein rätselhaftes Flämmchen brannte“, lässt sich vom Satan als Ballkönigin anwerben und weil sie ihre Rolle so exzellent ausführt, darf sie mit dem Meister, ihrer großen Liebe, sterben. Auf dem Weg in die ewige Ruhe führt Satan sie an Jerusalem vorbei, wo sie Pilatus erlösen und mit seinem einzigen Freund Jeshua gemeinsam in die Ewigkeit entlassen wird. Am Ende siegen Freundschaft und Liebe über alles Totalitäre. Allerdings nur im Tod.

Regie, Bühne, Kostüme, Video: Ene-liis Semper, Tiit Ojasoo
Musik: Jakob Juhkam
Körperarbeit: Jüri Nael
Licht: Marcus Loran
Dramaturgie: Götz Leineweber


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Zähe Roman-Adaption
  · 28.10.19
Die zentralen Figuren aus Michail Bulgakows opus magnum „Meister und Margarita“, das erst posthum nach der Stalin-Ära veröffentlicht werden konnte, sind klar erkennbar. Das Regie-Duo bekommt den facettenreichen, auf mehreren Zeit- und Handlungsebenen spielenden Roman jedoch überhaupt nicht in den Griff.

Diese „Meister und Margarita“-Inszenierung ist ein Musterbeispiel, wie quälend langweilig Adaptionen großartiger Romane werden können, wenn die zündende Idee für eine Dramatisierung fehlt. Die ersten beiden Stunden bis zur Pause ziehen sich wie Kaugummi. Der in manchen Kritiken als Lichtblick gelobte Norman Hacker bleibt als diabolischer Magier Woland im roten Anzug fast genauso blass wie das Titel-Liebespaar Rainer Galke und Annamária Láng, die mit ihrem starken Akzent nur schwer zu verstehen war.

Allzu beliebig werden Szenen aneinandergereiht. Ins Spielen kommt dieses Ensemble aus vielen Burgtheater-Neuzugängen, die andernorts ihre Klasse beweisen konnten, an diesem viel zu langen Abend leider nie.

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