Deutsches Nationaltheater Weimar



Bewertung und Kritik zu

Und alle Tiere rufen

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UND ALLE TIERE RUFEN: DIESER TITEL RETTET DIE WELT AUCH NICHT MEHR 
von Thomas Köck
Regie: Marie Bues 
Premiere: 28. August 2021 (Kunstfest Weimar) 
Deutsches Nationaltheater Weimar - E-Werk

Zum Inhalt: Die verschwundenen Tiere dieser Welt melden sich zu Wort. Es erklingt ein vielstimmiger Abgesang an die Fauna und die Menschheit: ein Requiem-Manifesto. Sie sprechen vom Aussterben und von Erinnerungen »an zukünfte, die noch überhaupt nicht existiert haben — erinnerungen an leben und existenzen, die nie werden gelebt worden sein«.
Das Manifest versucht, sich loszulösen von den tagesaktuellen Diskursen, vom bloßen Ist-Zustand, es versucht, das Wirtschaftssystem hinter sich zu lassen und wieder aufs große Ganze zu schauen — denn ist nicht auch die Menschheit nur eine Art auf dieser Welt? Thomas Köck, der zweifache Gewinner des MÜLHEIMER DRAMA­TIKERPREISES, reflektiert in seinem neuen Stück einen anderen Begriff von Zeit(lichkeit), von Verantwortlich­keit. Denn gerade europäische Kolonialinteressen waren wesentliche Faktoren in der Geschichte des Artensterbens.Vielleicht könnte die Frage wie wir eine Zukunft für Generationen nach uns gestalten zu einem anderen Umgang mit Ressourcen führen, als die bloße Orientierung am Hier und Jetzt. Oder steht die Erde letzten Endes besser da, wenn die Art Mensch auch ausgestorben sein wird?

Draußen vor der Tür

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DRAUSSEN VOR DER TÜR 
nach Wolfgang Borchert
Regie: Marcel Kohler 
Online-Premiere: 25. März 2021 
Deutsches Nationaltheater Weimar

Zum Inhalt: Beckmann kann nicht schlafen. Denn Beckmann hat den Krieg überlebt. Seine Müdigkeit ist groß wie die Welt. Aber schlafen kann Beckmann nicht. Weder Soldat, noch Zivilmensch ist er nun. Verzweifelt beschließt er, ins Wasser zu gehen. Doch selbst der Fluss verweigert ihm die letzte Ruhe. Zurück an Land versucht Beckmann sein vorheriges Leben wiederzufinden. Allein, wohin sich wenden? Seine Rückkehr in die Gesellschaft ist Provokation. Er verkörpert die ungebetene Erinnerung. Die neue Zeit aber stellt sich in den Dienst der Verdrängung: Der Oberst, Beckmanns früherer Vorgesetzter, weist jede Verantwortung für die einstige Befehlsgewalt von sich. Das Elternhaus ist neu bewohnt. Gott weiß keine Antwort und trauert. Einzig ein namenloses Mädchen bietet Beckmann vorübergehend Obhut.

Die Verwandlung

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DIE VERWANDLUNG 
nach Motiven von Franz Kafka
Regie: Juliane Kann 
Online-Premiere: 4. Februar 2021 
Deutsches Nationaltheater Weimar

Zum Inhalt: »Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Zimmer zu einem schrecklichen Ungeziefer verwandelt.« Mit dieser Feststellung beginnt der Tuchhändler Samsa einen Tag unter völlig veränderten Bedingungen: Er hat einen gepanzerten Rücken, sechs Beine und seine Stimme hat sich in ein Piepsen verwandelt. Der gewissenhafte Angestellte versucht die unheimliche Metamorphose als vorübergehendes Unglück zu begreifen. Gregor glaubt zunächst an die Empathie seiner Familie, für die er alleiniger Versorger ist und hofft, dass ihm der Vater, die Mutter und seine Schwester Grete in dieser vertrackten Situation beistehen werden. Doch seine gut gemeinten Kommunikationsversuche verstehen sie nicht. Zwar versucht Grete noch ihren Bruder zu versorgen, doch lösen die neuen Umstände auch bei ihr bald Verunsicherung, Angst und Ekel aus.

Macbeth

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MACBETH
von William Shakespeare
Regie: Christian Weise 
Premiere: 18. August 2018 
Deutsches Nationaltheater Weimar
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Zum Inhalt: Wer etwas darüber erfahren will, wie Macht funktioniert, wie man sie erobert und was es kostet, sie zu erhalten, findet in Shakespeares Macbeth das nach wie vor aktuelle Lehrstück dazu. Drehbuchautoren einer Serie wie »House of Cards«, die uns einen Blick in die Hinterzimmer der Mächtigen verschaffen, haben ihren Shakespeare jedenfalls genau studiert.

Wie man zum Beispiel König wird, fragt sich der Titelheld Macbeth. Indem man denjenigen, der den Thron besetzt hält, beiseite räumt, lautet die eindeutige Antwort. Und so spinnt er mit seiner Gattin einen finsteren Plan. Er tut dies im Vertrauen auf eine Prophezeiung unheimlicher Hexen, die in ihm seine geheimen, noch unausgesprochenen Wünsche nach Ruhm und Macht wachrufen. Einmal angestachelt vom Ehrgeiz, herausgefordert von seiner Lady und gequält von neurotischen Verlustängsten um den einmal erworbenen Thron, entwickelt sich Macbeth zum Serienmörder, der beseitigt, wer ihm, wie er glaubt, im Wege steht. Und das ist ausnahmslos jeder, der sein Treiben hinterfragt - am Ende die ganze Welt. Regisseur Christian Weise verlegt die Tragödie um Willkürherrschaft, Machtmissbrauch und Umsturz in ein fiktives »Weimarer Haus«, das die Künstlerin Julia Oschatz gestaltet hat, in dem sich Glanz und Elend dieser Stadt und damit deutscher Geschichte angehäuft haben, und erzählt den Shakespeare'schen Albtraum als opulente Farce. Neben den Mitgliedern des DNT Schauspielensembles agieren in den Hauptrollen Corinna Harfouch und Susanne Wolff.

Hört, hört! Die Bauhaus-Protokolle

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HÖRT, HÖRT!
Die Bauhaus-Protokolle. Der große Streit von Weimar
Regie: Christian Weise 
Premiere: 18. August 2018 
Deutsches Nationaltheater Weimar
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Zum Inhalt: Das Bauhaus kommt aus Weimar, verkündet die Klassikerstadt heute stolz. Dabei war die Hochschule zur Zeit ihrer Gründung und während ihres kurzen Bestehens in Weimar alles andere als unumstritten. So stellte Walter Gropius resigniert fest: »90% der Anstrengungen der Bauhäusler galten allein der Abwehr von Anfeindungen, nur 10% blieben für die schöpferische Arbeit übrig.« Die schnell wechselnden politischen Stimmungen der frühen Weimarer Republik, wohl kalkulierte Angriffe der zahlreichen Bauhaus-Gegner und hitzige Attacken im Thüringer Landesparlament brachten das Bauhaus immer wieder in den Fokus der politischen Auseinandersetzung und erzwangen 1925 seine Schließung in Weimar. Zugleich zeugen die Debatten um das Bauhaus vom Ringen der jungen Demokratie um ihr Selbstverständnis und von der Radikalisierung der politischen Sprache in den 1920er Jahren.

Nun werden die Protokolle der Thüringer Landtagsdebatten zum Bauhaus zum Ausgangspunkt eines Theaterabends. »Hört, hört!« bringt historische Dokumente wie Protokolle, Zeitungsartikel, Briefe und damit die Kontroversen um das Bauhaus selbst auf die Bühne. Neben Walter Gropius tauchen die politischen Protagonisten der frühen 1920er Jahre, rechte wie linke Parteipolitiker, aber auch andere berühmte Persönlichkeiten auf. »Hört, hört!« ist aber nicht etwa das Remake eines historischen Streits: Mehr und mehr verwandelt sich das Parlament, das hohe Haus der Demokratie, in den Schauplatz für ein verrückt entrücktes Bauhausfest. Im Zentrum der Aufführung stehen die Geschöpfe der Künstlerin und Puppenspielerin Suse Wächter. Mit ihrem Stück »Helden des 20. Jahrhunderts« wurden Wächter und ihre ausdrucksstarken Puppen, zuletzt zu sehen in Julian Rosenfeldts Videoinstallation und Film »Manifesto«, berühmt.


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