Nederlands Dans Theater - NDT1

Bewertung und Kritik zu

Nederlands Dans Theater - NDT1 
Forsythe/Goecke/Sharon Eyal & Gai Behar
Deutschland-Premiere: 9. Juli 2022 
Theaterhaus Stuttgart

Zum Inhalt: Mit einem brandneuen Stück und zwei Klassikern kehrt die Legende nach Stuttgart zurück. Vor zwei Jahren feierte das Nederlands Dans Theater sein 60-jähriges Bestehen, auch unter der neuen Direktorin Emily Molnar geht diese berühmteste aller modernen Ballettkompanien unbeirrbar weiter ihren Weg: Sie zeigt so viele Uraufführungen wie nur möglich, entdeckt Choreographen und macht viele von ihnen zu Klassikern. William Forsythe, den radikalsten unter den Balletterneuerern, ehrt das NDT in dieser Spielzeit mit einem dreiteiligen Abend.

Zwanzig Metalltische rasen in One Flat Thing, reproduced donnernd aufs Publikum zu – inspiriert von treibenden Eisbergen lässt Forsythe die Tänzer gefährlich über die Kanten schwingen, setzt wilde und riskante Bewegung gegen die geometrisch-starre Ordnung. Unendlich traurige Geister treffen wir in Marco Goeckes neuestem Werk fürs NDT: In I love you, ghosts erinnern sie sich an vergangene Ballette, früheres Leid. Grotesk, manchmal maschinenhaft pulsieren die schrillen Stücke der israelischen Choreographin Sharon Eyal. Bedroom Folk, entstanden in Zusammenarbeit mit Eyals Partner Gai Behar, bricht hypnotische Faszination durch ironisches Lachen – bei COLOURS zu erleben in einer Version, die so noch nie in Deutschland zu sehen war.

Choreographie: William Forsythe, Marco Goecke, Sharon Eyal & Gai Behar


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Begeisternder Klassiker von Sharon Eyal
  · 16.07.22
Besonders gefeiert wurde bei diesem Stuttgarter Festival das Nederlands Dans Theater mit Sharon Eyals hochenergetischem Bedroom Folk. Dies war 2015 bei der Premiere in Den Haag einer der ersten großen Erfolge der israelischen Choreographin. Das 27 Minuten kurze Stück hat bereits alles, was eine Eyal-Produktion ausmacht: mitreißende, vorwärtstreibende Beats, ein zur Phalanx aufgereihtes Ensemble und Tänzer*innen, die sich mit schnellen, ruckartigen, an Androiden erinnernden Bewegungen in einen Beschleunigungsrausch tanzen.

Erwartungsgemäß ganz anders war die Stimmung im Mittelteil des Nederlands Dans Theater-Triptychons: Marco Goecke lud mit I love you Ghosts, seiner mittlerweile 11. Arbeit für die Cpmpagnie, die im Februar 2022 nach dem Omicron-Lockdown in unserem Nachbarland uraufgeführt wurde, zu einer traumverloren-slapstick-artigen Zombie-Clownerie, die von Harry Belafonte-Klängen und weiteren melodramatischen Musikstücken begleitet wird.

Mit einem zweiten modernen Klassiker endete dieses Promi-Gastspiel: in One flat thing, reproduced ließ William Forsythe seine legendäre Frankfurter Comapagnie zur Jahrtausendwende im Bockenheimer Depot über einen Parcours aus zwanzig eng nebeneinander aufgestellten Tische springen und toben. Dieses „Feuerwerk von springenden, kugelnden und einander stützenden oder anmutenden Tänzern, die virtuos auf, über oder unter den in exakten Abständen aufgestellten Tischen balancierten„, wie es Michael Klier auf Bachtrack.com beschrieb, wird von Thom Willems und seinem Electro-Sound vorangetrieben.

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