HADER ON ICE

Bewertung und Kritik zu

HADER ON ICE 
Kabarett mit Josef Hader
Regie: Petra Dobetsberger 
Premiere: 23. November 2021 
Theaterhaus Stuttgart

Zum Inhalt: „Immer is irgendwas. Entweder die Füße schlafen mir ein. Oder sie jucken. Dann krieg ich wieder keine Luft, wenn ich schneller geh. Oder ich hab einen Schweißausbruch. Dann friert mich wieder. Das Essen schmeckt mir nimmer, der Sex ist fad, die Hosen sind zu eng. Was is das bitte? - Des muss alles dieser Klimawandel sein, oder? Temperaturen hat`s im Sommer wie in den Tropen! Dadurch gibt`s auf einmal diese riesigen Insekten! Die hat`s doch früher net geb`n! Wenn die dich stechen, kriegst` eine Schwellung, die geht monatelang net weg! Wahrscheinlich sind die alle gentechnisch verändert. Und die Pflanzen! Die werd’n jetzt auch schon deppert. Die spinnen, die Pflanzen! Die wachsen jetzt alles zu! Seit ich nimmer aus dem Haus geh. Meine Theorie ist, die Pflanzen wollen die Herrschaft über den Planeten zurück. Die sind alle miteinander unterirdisch verbunden über ihre Wurzeln. Weltweit! Die Pflanzen habn einen geheimen Plan. Sie wollen die totale Zerstörung der abendländischen Kultur und des österreichischen Volks-Rock`n Roll. Das soll alles ersetzt werden durch äh, Photosynthese.“

Mit Josef Hader

Regie: Petra Dobetsberger


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Im Kapuzenpullover zur Darmspiegelung
  · 24.11.21
''In Hader on Ice verkörpert er, darin Gerhard Polt vergleichbar, den Typus des Spießers, in dem das Publikum freilich, wenn es hinreichend selbstkritisch ist, auch den Veganer oder den Yoga-Praktizierenden erkennen kann. Er ist bei Hader allerdings komplexer, widersprüchlicher als bei seinem 20 Jahre älteren bayrischen Kollegen. Er outet sich oder vielmehr die Figur, die er darstellt, als „reich“. Ohne Alkohol geht nichts bei dem Mann im schwarzen Anzug und schwarzen Hemd mit gefärbter Brille. Er macht sich lustig über Verschwörungstheorien. Er erzählt vom Krampus, der damit gedroht hatte, was passiert, wenn er nicht brav ist. Da war er fünf. „Das war die erste Verschwörungstheorie in meinem Leben.“ Er verspottet sich als alten Mann mit einer jungen Frau. „Ich fahr Skateboard im Kapuzenpullover zur Darmspiegelung.“ Er simuliert Oskar Werner in Stanley Kramers Film Das Narrenschiff. (Ob die Zuschauer im Theaterhaus den Film und den genialen Schauspieler noch in Erinnerung haben?) Er bekennt: „Die besten Menschen auf der Welt sind für mich die Arbeiter. Ich würde wirklich gern einen treffen." Oder: „Ich glaube an Sachen, die es gibt: Ich glaube an Toleranz und an Solidarität.“ Und einmal mehr darf man raten, ob das ernst oder ironisch gemeint ist. Nicht, dass er daran glaubt, sondern dass es Toleranz und Solidarität wirklich gibt.

Dann kippt der Monolog, der so nah am realen Alltag ist, ins Fantastische. Ein Wolf begleitet Hader in den Supermarkt und erringt den zweiten Preis in einem Kostümwettbewerb. Er schützt den Kabarettisten auch vor seinen „natürlichen Feinden“, den jungen Comedians und den feministischen Filmregisseurinnen. Zum Schluss setzt sich Hader mit dem Rücken zum Publikum ans Klavier und singt Over the Rainbow in einer Weise, die nicht nur Judy Garland, sondern auch Tom Waits als Schönsänger erscheinen lässt. Josef Hader begibt sich heute und morgen noch im Stuttgarter Theaterhaus und danach das ganze Jahr 2022 in diversen deutschen und österreichischen Städten aufs Eis oder zumindest aufs Skateboard, ehe er wieder nach Stuttgart zurückkehrt.'' schreibt Thomas Rothschild am 24. November 2021 auf KULTURA-EXTRA
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