Die Walküre

Bewertung und Kritik zu

DIE WALKÜRE 
von Richard Wagner
Premiere: 10. April 2022 
Staatsoper Stuttgart

Zum Inhalt: „Jetzt geht es doch erst los!“, versprach Richard Wagner, als er sich nach Beendigung des Rheingolds der Walküre und den familiärinzestuösen Untiefen seines Weltendramas widmete, die schließlich zur Götterdämmerung führen werden. Von allen Teilen des Rings geht es in der Walküre am wenigsten um äußere Handlung, dafür umso mehr um innere Prozesse, um das Ausbrüten von Ideen und Sehnsüchten. Grundsätzliche Überlegungen zur gesamten Tetralogie lassen sich hier auf engstem Raume veranschaulichen. Genau wie die Handlung des gesamten Rings, ist auch die der Walküre aus heterogenen Elementen zusammengesetzt: der Liebesgeschichte des Zwillingspaares Sieglinde und Siegmund sowie Wotans Suche nach einem Ausweg aus den Verstrickungen der eingegangenen Verträge. Anstatt die Heterogenität dieser Elemente in eine Einheit zu zwingen, sollen die verschiedenen Welten verschiedene Welten bleiben.

„Das Wesen der Wirklichkeit“, so Wagner, liege in „unendlicher Vielheit“. Dementsprechend wechseln im neuen Ring der Staatsoper Stuttgart die Regieteams nicht nur stückweise, sondern in der Walküre sogar aktweise, um die vielschichtigen Vorgänge, Verweise und Vorausdeutungen nicht auf eine Lesart zu verengen, sondern sie in ihrem Facettenreichtum auszustellen. Drei Übersetzungen statt einer Interpretation. Das niederländische Theaterkollektiv Hotel Modern wird mit Miniaturlandschaften und Figuren auf der Bühne einen Live-Film erstellen und von der Menschenwelt des ersten Aufzugs erzählen. Der Lichtkünstler Urs Schönebaum beschäftigt sich in der Tradition Wieland Wagners mit der Sichtbarmachung zugrundeliegender Strukturen, während die Installationskünstlerin Ulla von Brandenburg Walkürenritt und Feuerzauber des dritten Aufzugs als Choreografie für die Bühnentechnik umsetzen wird. In diesem Sinne: Hojotoho! Heia-Ha!

Musikalische Leitung: Cornelius Meister
Regie, Bühne, Kostüme, Licht, Live-Animation-Film (1. Aufzug): Hotel Modern
Licht (1./3. Aufzug): Reinhard Traub
Regie, Raum, Licht (2. Aufzug): Urs Schönebaum
Kostüme (2. Aufzug): Yashi
Dramaturgie (2. Aufzug): Yvonne Gebauer
Mitarbeit Raum (2. Aufzug): Thomas Boudewijn
Bewegungsstatisterie: Janine Grellscheid
Regie, Bühne, Kostüme (3. Aufzug): Ulla von Brandenburg
Mitarbeit Regie (3. Aufzug): Benoȋt Résillot
Mitarbeit Bühne und Kostüme (3. Aufzug): Julia Mossé
Dramaturgie: Ingo Gerlach und Julia Schmitt

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Prima la musica?
  · 19.04.22
''Die aktuelle Brünnhilde sieht aus wie eine Brünnhilde. Wotan aber gleicht eher dem Professor Unrat eines Emil Jannings, dem Marlene Dietrich abhanden gekommen ist. Und die Walküren tänzeln aufgeregt und ziemlich läppisch über sehr bunte abstrahierte Hügel.

Die Zuständigen fürs Licht machen nichts anderes, als was sie immer machen. Immerhin lenkt die Konzeption die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der gemeinhin allzu wenig beachtete und in Kritiken kaum erwähnte Lichtregie. Dennoch: manches Arrangement wirft Fragen auf. Wenn Brünnhilde hinter Siegmund zwischen Säulen und Fackeln erscheint, ist die Inszenierung ganz nah an einer faschistischen Ästhetik. Eine Kritik daran ist nicht zu erkennen. Eher schon ist der Effekt affirmativ.

Und dann die Übergänge. Zwischen dem ersten und dem zweiten Akt ist das leitmotivschwangere Schwert Nothung arg geschrumpft. Und zwischen dem zweiten und dem dritten Akt ist aus dem bürgerlichen Wotan eine Art Sarastro mit mehrfarbigem Kittel geworden. Er verkörpert den menschlichen, also auch unmenschlichen germanischen Gott anstelle des christlichen Gottes, dessen unendliche Güte man sich gerade zu Ostern vom Vatikan bis zum Deutschlandfunk auch noch angesichts des Schlachtens in der Ukraine zurechtlügt.'' schreibt Thomas Rothschild am 19. April 2022 auf KULTURA-EXTRA
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