Angst

Bewertung und Kritik zu

ANGST
von Stefan Zweig
Regie: Lisa Wildman 
Premiere: 30. September 2022 
Altes Schauspielhaus Stuttgart

Zum Inhalt: Irene Wagner betrügt ihren Mann. Nach einem Besuch bei ihrem Liebhaber wird sie von einer Frau erpresst. Sie fürchtet die Entdeckung ihrer Affäre und ihres Doppellebens, sie hat Angst vor gesellschaftlicher Ächtung und dem Verlust ihres sozialen Status. Dadurch gerät sie in einen Strudel, der sie beinahe bis zum Selbstmord treibt.

Als Frau der gehobenen Schicht ist Zweigs Figur Irene Wagner finanziell und gesellschaftlich von ihrem Mann abhängig. Für Frauen in Mitteleuropa hat sich seither sehr viel geändert. Dennoch bleibt häufig eine Diskrepanz zwischen unseren intimen Bedürfnissen und unserem Verhalten, indem wir uns den Erwartungen und Normen der Gesellschaft anpassen. Diese Diskrepanz kann furchteinflößend sein.

 Regie und Spiel: Lisa Wildmann


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Menschenexperiment
  · 01.10.22
''Übergangslos wechselt Lisa Wildmann zwischen der Erzählung in der dritten Person und dem Rollenspiel. Sie vermeidet die Übertreibung, nüchtert die oft geschwollene Sprache Zweigs eher aus. Die wenigen Figuren der Handlung charakterisiert sie nicht nur durch ihre Dialektfärbungen, sondern, vortrefflich, durch ihre sozial determinierte Mimik und Körperhaltungen. Eine Schauspielerin spielt, im Gewand einer Symbiose aus psychologischer Studie und spannendem Krimi, den Gegensatz zwischen der Frau „aus besserem Hause“ und einer Erpresserin aus dem Prekariat, genauer: einer Schauspielerin, die einer Erpresserin spielt.

Die ganze Grausamkeit des Stoffes reizt Lisa Wildmann nicht aus. Dass Fritz Wagner gut gemeint haben könnte, was fast zu einem bösen Ende führte, kommt nicht in Betracht. Dieser Mann, in der Stuttgarter Fassung nur als Zitat anwesend, ist, bis zur Grenze der Karikatur, der Bösewicht, der einen anderen Menschen instrumentalisiert. Wie Madame de La Pommeraye in Diderots Jacques der Fatalist und sein Herr, wie die Marquise de Merteuil in den Gefährlichen Liebschaften, wie der Doktor gegenüber Woyzeck, wie letzten Endes die Ärzte in deutschen Konzentrationslagern gegenüber den Insassen, hat Fritz keine Hemmungen, ein Menschenexperiment mit seiner eigenen Frau durchzuführen.'' schreibt Thomas Rothschild am 1. Oktober 2022 auf KULTURA-EXTRA
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