Don Giovanni

Bewertung und Kritik zu

DON GIOVANNI 
von Wolfgang Amadeus Mozart
Regie: Romeo Castellucci  
Premiere: 26. Juli 2021 
Salzburger Festspiele

Zum Inhalt: Sich Don Giovanni anzunähern bedeutet für Romeo Castellucci, sich der Mehrdeutigkeit und Komplexität sowie dem inneren Ungleichgewicht zu stellen, die Mozart dem Protagonisten seiner Oper verleiht. Vitalität und Zerstörung: In dieser essenziellen Ambivalenz sieht Castellucci eine Faszination der Figur. Deren ganz dem Augenblick verhaftete Lebenskraft verkörpert sich mit symbolischer Prägnanz in der wie besessen dahinjagenden „Champagner-Arie“ „Fin ch’han dal vino“. Sie bildet den frenetischen Auftakt zu einem Fest, das allen offenstehen wird und dessen eigentlichen Zweck Don Giovanni unverblümt ausspricht: Leporello, sein Diener und antithetisches Alter Ego, soll die Liste von Giovannis weiblichen Eroberungen danach um zehn Namen erweitern können. Seine dem Lustprinzip verschriebene Existenz, die weder Ruhe noch Reflexion kennt, drängt Don Giovanni zu pausenloser Verführung — ein verzweifelter Zwang, in dem sich jenseits des Genusses das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit, des Todes widerspiegelt.

Musikalische Leitung: Teodor Currentzis
Regie, Bühne, Kostüme und Licht: Romeo Castellucci
Choreografie: Cindy Van Acker
Dramaturgie: Piersandra Di Matteo

 


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2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Verkopft und vernebelt
  · 09.08.21
„Es geht in der größten Oper Mozarts einzig und allein nur darum, dass der Titelheld nicht seinen Schwanz unter Kontrolle halten kann und (positive Quintessenz des Ganzen!) eineindeutig dazu steht. Die freiheitliche Auslebung des maskulinen sexuellen Drangs gerät ihm unter ritterlichster Vollachtung des anderen Geschlechts, kurzum: er war und ist und bleibt ein echter Kavalier. Das sahen dann auch sicherlich - in dieser etwas wirren Inszenierung - die grandios mitspielenden 150 (in Worten: einhundertfünfzig) Salzburgerinnen so, obwohl ihr Regisseur sie zum Finale hin als schwarztuchige Friedhofmasse aufstellte; doch wenigstens legten sie nicht persönlich Hand an unsern schönen Opernliebling, der - wofür dann eigentlich? - von oben aus bestraft wurde; Davide Luciano sang und spielter ihn und musste sich zuletzt ganz ausziehen, um sich gleichsam in so 'nem dickflüssigen Milchbad hin und her zu wälzen; und was das nun wieder sollte? 

Richtig schlimm fanden wir, wie der Regisseur den Don Ottavio (Michael Spyres sang die beiden traumhaft schöne Arien derart traumschön, dass man hätte vor ihm niederknien wollen) optisch vorführte, nämlich als völlig überzeichnete Homosexuellen-Karikatur. Nadezhda Pavlova (als Donna Anna) erwies sich unumstritten, nicht nur sängerisch, als absolute Nummer 1 der Aufführung! Auch gut und schön: Anna Lucia Richter (als Zerlina). 

Die überhetzte und zumeist sehr kantige Stückauffassung von Teodor Currentzis, die man mittlerweile aus zig andern Darreichungen durch ihn kennt, nervte doch irgendwie - obgleich dann seine beiden Formationen musicAeterna Choir & Orchestra, die das alles, was und wie er's haben will, im 1:1-Verfahren hochprofessionellermaßen umsetzen, natürlich nicht zu toppen sind.“ schreibt Andre Sokolowski am 8. August 2021 auf KULTURA-EXTRA
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