Eugen Onegin

Bewertung und Kritik zu

EUGEN ONEGIN
von Peter I. Tschaikowsky
Regie: Ben Baur 
Premiere: 8. Oktober 2020 
Staatstheater am Gärtnerplatz München

Zum Inhalt: In St. Petersburg hat sich Eugen Onegin mit Müßiggang und exzessiven Ausschweifungen die Zeit vertrieben. Auf dem Land macht er Bekanntschaft mit dem Poeten Lenski, dessen Braut Olga und deren verträumter Schwester Tatjana, die sich zu dem weltgewandten Dandy hingezogen fühlt. Doch Onegin zeigt ihr die kalte Schulter, worüber er einen Streit mit Lenski vom Zaun bricht, auf dessen Höhepunkt ein todbringender Schuss fällt. Rastlose Jahre später versucht Onegin, Tatjana zurückzugewinnen. Aber die Verhältnisse haben sich inzwischen radikal verändert...

Alexander Puschkins Versroman »Eugen Onegin«, entstanden 1823 –1830, gilt als russisches Nationalepos, das das Leben der zeitgenössischen Gesellschaft des Zarenreichs in seiner ganzen Vielfalt abbildet und den Typus des »überflüssigen Menschen« in der russischen Literatur erfindet. Ein halbes Jahrhundert nach Erscheinen schrieb Peter I. Tschaikowsky zutiefst einfühlsame »Lyrische Szenen« über das Werk, die, 1879 in Moskau uraufgeführt, schnell zu einem Standardwerk auf den internationalen Bühnen wurden.

Musikalische Leitung: Anthony Bramall
Regie und Bühne: Ben Baur
Choreografie: Lillian Stillwell
Kostüme: Uta Meenen
Licht: Michael Heidinger
Dramaturgie: Michael Alexander Rinz


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Liebe und Ehe - das geht nicht zusammen
  · 09.10.20
'Eugen Onegin ist eine lyrische Oper, ein Kammerspiel geworden. Um es in Zeiten von Corona aufführen zu können, ließ das Gärtnerplatztheater eigens eine reduzierte Orchesterfassung erstellen. Dieser schlanke "Onegin light" ist sehr gelungen. Das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz - dynamisch und psychologisch einfühlsam dirigiert von Antony Bramall - präsententiert einen Klang, der nichts vermissen lässt, geradezu geschaffen scheint füe dieses Werk. Passend dazu das einfache, sparsam möblierte Bühnenbild (Regie und Bühne: Ben Baur), ein großes portierengesäumtes Halbrund, gebaut aus riesigen Fensterläden. Sie lassen nur hin und wieder Licht (Michael Heidinger) ins Halbdunkel eines Innenraumes, dem keine der handelnden Figuren entkommt. Die Gesellschaft ist ihr Schicksal. Die Konvention trägt denn auch schwarz. Nur die junge Tatjana schwärmt in unschuldigem Weiß (Kostüme: Uta Meenen). Als Frau in Rot überstrahlt sie später eindrucksvoll alle Anwesenden.

Gesungen wurde auf russisch, in der höchst melodischen Originalsprache. Auch dies ein Verdienst dieser Inszenierung. Wie steif hätte das Deutsche gewirkt! Der Bariton Mathias Hausmann beeindruckt in der Titelrolle nicht nur durch den virilen Schmelz seiner Stimme und Gestaltung, sondern auch durch die schauspielerische Leistung der Wandlung vom arroganten Verführer zum geradezu lächerlichen Liebhaber. Großer Szenenbeifall für Camille Schnoor als Tatjana: ein dunkel gefärbter, kraftvoller Sopran voller Inbrunst und Leidenschaft. Großartig jugendlich und herrlich verdruckst: Lucian Krasnec als Lenski. Spontane Begeisterung auch für den Bass Sava Vemić, der als Ehemann Tatjanas nur einen einzigen Auftritt hat. Doch was für eine Arie!'' schreibt Petra Herrmann am 9. Oktober 2020 auf KULTURA-EXTRA
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