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    Residenztheater München
    www.residenztheater.de
    Max-Joseph-Platz 1 - 80539 München
    Telefon: 089 2185 01
    SPIELPLAN & KARTEN

    Das Vermächtnis (The Inheritance)

    Bewertung und Kritik zu

    DAS VERMÄCHTNIS (THE INHERITANCE) 
    von Matthew Lopez
    Regie: Philipp Stölzl 
    Premiere: 30. Januar 2022 
    Residenztheater München 

    Eingeladen zum 60. Berliner Theatertreffen (2023)  

    Zum Inhalt: New York City in den letzten Monaten der Präsidentschaft Barack Obamas. Während der Autor Toby Darling der Premiere seines Theaterstücks entgegenfiebert, verbringt sein Partner Eric Glass Zeit mit seinem Bekannten Walter. Die Gespräche mit dem 55-jährigen führen Eric in eine Vergangenheit, die er als schwuler Mann Anfang dreißig nur vom Hörensagen kennt: die verheerende Aidsepidemie, welche die LGBTQ-Community von Beginn der 1980er-Jahre an erschütterte. Dabei ist in Walters Erzählungen immer wieder von einem alten malerischen Landhaus die Rede. Welche Rolle dieser Ort für Walter und seinen Partner Henry Wilcox gespielt hat, kann Eric nicht ahnen. Im Herbst 2016 verfolgt Erics Freundeskreis fassungslos die Wahlniederlage Hillary Clintons gegen den Republikaner Donald Trump. Amerika wandelt sich. Plötzlich scheinen Freiheiten, für welche die vorangegangene Generation von Aktivist*innen gekämpft hat, nicht mehr selbstverständlich. Eric muss sich fragen, wer er ist und sein will.

    Mit seinem mehrfach ausgezeichneten Theaterstück «Das Vermächtnis» gelingt dem international gefeierten amerikanischen Dramatiker Matthew Lopez ein Meisterwerk des Storytelling: ein Bühnenepos in zwei Teilen, Beziehungs- und Gesellschaftsdrama, überreich an Figuren, ein Sittenbild, so komisch wie tragisch. Er übernimmt darin Motive aus E. M. Forsters 1910 erschienenem Roman «Howards End», transferiert diese ins New York der 2010er-Jahre und erzählt temporeich die berührende Geschichte einer Wahlfamilie und schwulen Community, die vor der Frage steht, ob sie bereit ist, das Vermächtnis der jüngeren Geschichte anzunehmen. Lopez' Stück verneigt sich vor den Schicksalen der Vergangenheit und entwirft ein utopisches Bild gemeinsamer Verantwortung und gegenseitigen Respekts. Dabei steht es in der Tradition von Tony Kushners «Engel in Amerika», das in dieser Spielzeit ebenfalls am Residenztheater zu sehen sein wird.

    Inszenierung und Bühne: Philipp Stölzl
    Kostüme: Kathi Maurer
    Komposition: Ingo Ludwig Frenzel
    Licht: Gerrit Jurda
    Mitarbeit Bühne: Franziska Harm
    Dramaturgie: Ewald Palmetshofer

    TRAILER

    4.0 von 5 Sterne
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    Opulente Saga
    2 Jahre her.
    Kritik

    In seinen besten Momenten macht dieser lange Theaterabend sehr anschaulich deutlich, was für eine Katastrophe die AIDS-Krise der 1980er und frühen 1990er Jahre war: fast eine ganze Generation junger Homosexueller starb viel zu früh, ganze Freundeskreise wurden ausgelöscht, Nachgeborene müssen auf Vorbilder und Mentoren verzichten.

    Plastisch wird auch das New Yorker liberale Establishment gezeichnet, das auf Hillary Clinton setzte und vom Wahlsieg von Donald Trump kalt erwischt wurde. Der schnöselige „Toby Darling“ (Moritz von Treuenfels) ist ein besonders unsympathisches Exemplar dieser Spezies. Seine Beziehung zu Eric (Thiemo Strutzenberger) und seinen Toy-Boys (Vincent zur Linden bei seinem eindrucksvollen Debüt im Resi-Ensemble in einer Doppelrolle als Schauspiel-Jungstar-Beau Adam und depressiver Sexworker Leo) ist ein roter Faden dieser Saga.

    In seinen schwächeren Momenten hängt der Abend durch oder balanciert gefährlich nah am Kitsch. Dank des bis in die Nebenrollen mit Vincent Glander, Michael Goldberg, Oliver Stokowski oder Noah Saavedra glänzend besetzten Ensembles stürzt der Abend nie ab.

    Auch Nicole Heesters, einzige Frau im Männer-Ensemble, sorgt mit ihrem Gastauftritt dafür, dass das Finale zwar in gewohnter West End- oder Broadway-Dramaturgie tränenreich und kathartisch ist, aber vor Indian Summer-Laub und naturalistischer Klinkerbaukulisse auf Kathi Maurers Bühne nicht in einer billigen Schmonzette versinkt. Weiterlesen

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    1 von 1 Person(en) gefiel diese Kritik
    Liebe im Zeichen von Aids
    1 Jahr her.
    Kritik

    ''Lopez installiert eine ebenso komplexe wie rasante Langzeitstudie über schwule Männer, die drei verschiedenen Generationen angehören. Im Mittelpunkt der homosexuellen community steht zunächst das Paar Eric und Toby, zwei Mittdreissiger in einer schicken Wohnung. Sie führen mit ihren Freunden ein angenehmes Leben im intellektuellen und queeren New York, wo man als Schwuler inzwischen auch heiraten und Kinder adoptieren kann. Doch im Klima des erstarkenden Populismus der Trump-­ Ära verändert sich ihre soziale, politische und private Situation. Toby, bisher eher ein Loser, macht Broadway-Karriere mit einem verlogenen Schwulen-Stück. Vor seinen eigenen Wahrheiten aber läuft er davon und verlässt seinen Freund, der ihn unangenehm daran erinnert: „Mein Herz ist rein, es ist nur dummerweise immer umgeben vom Rest von mir.“ Eric dagegen freundet sich mit dem älteren Walter an, einem „Überlebenden“ der HIV-Epidemie der 80er Jahre. Immer tiefer dringt er ein in eine Vergangenheit, die geprägt ist von ständiger Todesangst, Verlust und Trauer. Walter vermacht Eric schließlich sein Landhaus (ein Ort, den Lopez bei Forsters Howards End entlehnt hat), wo er vielen Aidskranken ein würdiges Sterben ermöglichte. Eric wird diese versöhnliche, heilende Tradition des Hauses erst ganz am Schluss weiterführen können, weil Walters Lebensgefährte dieses ganz konkrete „Vermächtnis“ vorerst nicht anerkennen will. Er - ein reicher Republikaner - hat sich von Walter distanziert aus Angst, er hole ihm mit seiner Fürsorge die Krankheit ins Haus. Traumatisiert und verpanzert in seinen Gefühlen bringt er Sex und Liebe nicht mehr zusammen. Die Beziehungskrisen der vielen Figuren spiegeln die Krise eines ge­ spaltenen, unversöhnten Landes.'' schreibt Petra Herrmann am 7. Januar 2023 auf KULTURA-EXTRA

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