Bewertung und Kritik zu

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NIEMAND WARTET AUF DICH
von Lot Vekemans
Regie: Daniela Kranz 
Premiere: 22. Januar 2021 (Online) 
Residenztheater München 

Zum Inhalt: Wer mit einem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selbst: Die vielgespielte holländische Dramatikerin und Autorin Lot Vekemans gibt mit ihrem Stück drei Frauenfiguren eine Bühne, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Frage nach der Eigenverantwortung auseinandersetzen. Die 85-jährige Gerda stößt in einer Bibliothek auf das Buch «Niemand wartet auf dich» und beschließt daraufhin statt sich über den herumliegenden Müll in der Nachbarschaft zu ärgern selbst aktiv etwas dagegen zu tun. Die Politikerin Ida will nicht mehr Spielball der Machtpolitiker*innen und ihrer Interessen sein. Sie findet sich in dem gegenwärtigen Politikstil nicht mehr zurecht und tritt nach einer Niederlage von ihrem Parteivorsitz zurück.  Zuletzt zweifelt auch die Schauspielerin selbst die Bedeutung und die Wirkungskraft ihres Berufs an und formuliert den Wunsch nach mehr Einflussnahme.   

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MARIENPLATZ
von Beniamin M. Bukowski
Regie: András Dömötör 
Online-Premiere: 20. Dezember 2020 
Residenztheater München 

Zum Inhalt: «Marienplatz» kreist um einen realen Vorfall aus dem Jahr 2017: Am 19. Mai gegen drei Uhr früh fuhr ein Mann mit seinem Auto auf den Münchner Marienplatz, übergoss sich mit mehreren Litern Benzin und zündete sich an. Er verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus und bis heute haben sich weder seine Identität noch die Umstände seiner Selbstverbrennung aufgeklärt, wohl aber Anlass zu Spekulationen verschiedenster Couleur gegeben. Die Diskussion führt Bukowski auf der Bühne weiter: Was könnte die rätselhafte Tat bedeuten? Sagen die Interpretationsansätze womöglich mehr über die Zuschauer*innen aus als über den Täter selbst? Und wie erzählt man von einer solchen Tat im Theater? Seine eigenen Erfahrungen während der dreimonatigen Recherche in München gibt der Autor an die Schauspieler*innen weiter und spinnt ein diskursives Netz über den Begriff des Opfers und den ambivalenten Umgang mit Eigen- und Fremdwahrnehmung.

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SUPERSPREADER
von Albert Ostermaier
Regie: Nora Schlocker 
Online-Premiere: 1. Dezember 2020 
Residenztheater München 

Zum Inhalt: Marcel redet sich in Rage, denn seine Geschichte ist die eines beispiellosen Erfolgs. Doch wer kommt in «Superspreader» eigentlich zu Wort? Ein Unternehmensberater? Ein Topmanager auf der Flucht, der Assoziationen an den Ex-Wirecard-Manager Jan Matusek weckt? Der erste Corona-Infizierte, der sogenannte Patient Null? Ein moderner Handlungsreisender, der in Flugzeugen und Hotelzimmern lebt, und nun in Wuhan in sechswöchiger Quarantäne gestrandet ist? Das Coronavirus selbst – als flexibler Verwandlungskünstler und viraler Houdini? Ein unzuverlässiger Zeuge (s)einer traumatischen Kindheit, der sich zwischen Superheldeneskapismus und Selbstbezichtigung in Rache- und Allmachtsfantasien verliert?

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DANTONS TOD
von Georg Büchner
Regie: Sebastian Baumgarten 
Premiere: 30. Oktober 2020 
Residenztheater München 

Zum Inhalt: «Dantons Tod», 1835 vom erst zweiundzwanzigjährigen Georg Büchner nach umfangreichen Studien in nur fünf Wochen niedergeschrieben, basiert auf historischen Quellen und Dokumenten der Französischen Revolution, deren Maxime der «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» unser aller Verständnis moderner europäischer Demokratien geformt hat. Büchner erzählt aber nicht vom triumphalen Anfang, dem bis heute gefeierten Sturm auf die Bastille, als der Kampf dem Volk galt, sondern fokussiert auf wenige Tage gegen Ende der sogenannten Schreckensherrschaft der Jakobiner im Frühjahr 1794. Die ehemaligen Weggefährten Danton, Epikureer und Melancholiker, und Robespierre, Tugendterrorist und Dogmatiker, stehen einander als ideologische Gegner gegenüber. Die Revolution bedeutet nur noch Terror der Guillotine, dem die Revolutionäre selbst zum Opfer fallen. In einem Brief notiert Büchner: «Ich studiere die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem grässlichen Fatalismus der Geschichte.»

«Dantons Tod», das einzige Werk des Dichters, Mediziners und Revolutionärs, das zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde, kreist um immer gültige Fragen: nach der Notwendigkeit und Legitimität von Gewalt zur Verfolgung politischer Ziele, nach der individuellen Gestaltungsmöglichkeit im Räderwerk des Daseins, nach der (Nicht-)Existenz Gottes, nach der (Un-)Möglichkeit von Liebe, nach der Einsamkeit des Menschen (angesichts des Todes) – und ist nichts weniger als eine poetische Untersuchung der Conditio humana.

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DER PREIS DES MENSCHEN
von Thiemo Strutzenberger
Regie: Miloš Lolić 
Premiere: 11. Oktober 2020 
Residenztheater München 

Zum Inhalt: Frankreich zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Die Gräfin Angela de Lima flieht vor ihrem gewalttätigen Mann ins Kloster, wo sie auf die Novizin Francisca trifft, die am uneingelösten Liebesversprechen des Klerikers Dinis zerbricht. Die verarmte Herzogin Elisa de Montfort begegnet einem Sklavenhändler, mit dem sie einen Liebeshandel eingeht, um seine Weltanschauung am Beispiel ihrer selbst ad absurdum zu führen, während der Diener Pedro da Silva von der aristokratischen Herrschaft nach Belieben als Liebespfand oder Eigentum reklamiert wird.

Der Roman «Mistérios de Lisboa» des portugiesischen Schriftstellers Camilo Castelo Branco diente Thiemo Strutzenberger als Assoziationsquelle. Anhand der Liebesbeziehungen und zwischenmenschlichen Tragödien seines Personals formuliert er eine Ökonomie der Machtverhältnisse und Ausbeutungsprinzipien. Er beschreibt eine Welt, deren Ordnung nach wie vor auf den Ansprüchen der Kolonialmacht basiert und wo der Ruf nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nur dort widerhallt, wo es der Rang erlaubt. Die Spuren dieser Wertelogik, die Menschenleben in Zahlen rechnet, verfolgt Strutzenberger bis in unsere Gegenwart: Unter welchen Bedingungen wird der Mensch zur Ware? Was ist der Preis, den wir bereit sind, für den Erhalt des Eigenen zu zahlen – und auf wessen Kosten?

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BORDERLINE
Dokufiktion von Jürgen Berger
Regie: Kyungsung Lee 
Premiere: 3. Oktober 2020 
Residenztheater München 

Zum Inhalt: Deutsche blicken nach Südkorea und erinnern sich an die Zeit, als Deutschland in Ost und West geteilt war. Die Südkoreaner*innen, seit langem von den Nordkoreaner*innen getrennt, blicken nach Deutschland und fragen: Wie habt ihr das gemacht mit der Wiedervereinigung? In Südkorea leben knapp 30.000 nordkoreanische Geflüchtete. Wie schafft man es, die Neubürger*innen in deren neuer Hightech-Turboheimat zu integrieren – und was ist unter Integration überhaupt zu verstehen? Wie mit den Ängsten der Altbürger*innen umgehen, und wie mit all den mehr oder weniger offenen Diskriminierungen, denen sich die «Neuen» ausgesetzt sehen? Nach gemeinsamen Recherchen mit dem Journalisten Jürgen Berger in Deutschland und Südkorea erzählen südkoreanische Schauspieler*innen und Ensemblemitglied Florian Jahr Geschichten aus beiden Ländern. Genau 30 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands wird «Borderline» für fünf Vorstellungen in München zu sehen sein und im Anschluss in Seoul gezeigt werden.

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DAS ERDBEBEN IN CHILI (15+) 
nach Heinrich von Kleist
Regie: Ulrich Rasche 
Premiere: 25. September 2020 
Residenztheater München 

Zum Inhalt: Heinrich von Kleists Novelle, die auf das Erdbeben von Santiago de Chile im August 1647 Bezug nimmt, ist von kristallener Schönheit und irritiert als poetisch verdichtete, verstörende Vision aktueller Debatten in Zeiten der Pandemie. Schon mit dem ersten Satz versetzt Kleist die Leser*innen ins Epizentrum der Katastrophe. Verstörte Überlebende sind mit der Deutung des Erdbebens beschäftigt, doch die perspektivischen, interessensabhängigen Schilderungen von Ohnmacht, Schutzlosigkeit und Tod münden in keiner sinnstiftenden Narration. Der Erzähler weiß von Plünderungen im rechtslosen Raum zu berichten, aber auch von Opferbereitschaft, Mut und Selbstlosigkeit. Und dem trügerischen Idyll des verloren geglaubten Paradieses, in das sich Überlebende flüchten und das keine gesellschaftlichen Schranken kennt, folgen Diffamierung, Verfolgung und Lynchjustiz.

Weiterlesen: Das Erdbeben in Chili

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DER EINGEBILDETE KRANKE ODER DAS KLISTIER DER REINEN VERNUNFT
von PeterLicht nach Molière
Regie: Claudia Bauer 
Premiere: 20. Dezember  2019 
Residenztheater München 

Zum Inhalt: «Der eingebildete Kranke», Molières fünfte Komödie, die sich mit der Ärzteschaft und den von ihr praktizierten Heilmethoden beschäftigt, besitzt eine in der Theatergeschichte einzigartige makabre Komponente: Molière, in der Uraufführungsinszenierung 1673 selbst der eingebildete Kranke und bereits von schwerer Krankheit gezeichnet, erlitt auf offener Bühne einen Blutsturz und starb wenige Stunden später.
Im Zentrum steht Argan, der sich nicht nur einbildet, krank zu sein, sondern es tatsächlich ist: Er leidet an Hypochondrie. So kann und will er sich nicht anders zu seinem sozialen Umfeld ins Verhältnis setzen als über sein Leid, um das er in tyrannischer Selbstbespiegelung kreist. Der Kölner Autor und Musiker PeterLicht schreibt mit «Der eingebildete Kranke» seine vierte Molière-Neudichtung: Gewohnt sprachverspielt seziert er sowohl den Individual- als auch den Gesellschaftskörper und bricht das letzte Tabu neoliberaler Selbstoptimierer – das der Sterblichkeit.
«Argan ist ein Hyperperformer der Empfindsamkeit. Er neigt der Unsterblichkeit zu, das heißt, er will immer weiter das tun, was ihm als Lebewesen vorgegeben ist zu tun, nämlich LEBEN, wie sollte es auch anders sein? Er ist ein LEBEwesen, bei ihm gibt es keinen Tod, sondern nur die ANGST vor dem Tod. Der Tod ist abgeschafft. Aber leider ist es nicht klar, ob sie wirklich gelang, die Abschaffung. Argan hat den Tod ersetzt durch Strategien zur Vermeidung des Todes. Also zur Aufrechterhaltung der Gesundheit, was ja das Gleiche. Es gibt eine einfache Gleichung: Solange man gesund ist, ist man noch nicht tot. So viel immerhin wissen wir. Obwohl … » PeterLicht

Weiterlesen: Der eingebildete Kranke

 

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