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    Der Sandmann



    Bewertung und Kritik zu

    DER SANDMANN
    nach E.T.A. Hoffmann
    Regie: Robert Gerloff 
    Premiere: 31. März 2019 
    Residenztheater München 
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    Zum Inhalt: E.T.A. Hoffmanns Erzählung von 1815 "Der Sandmann" ist ein Paradies für Deutungsjäger. Das Bravourstück der schwarzen Romantik verbindet Mythen wie die vom Sandmann, der den Kindern die Augen blutig aus dem Kopfe reißt, den (Alp-)Traum vom menschenähnlichen Automaten und eine psychopathologische Fallstudie miteiner literarischen Fingerfertigkeit, die der Postmoderne Tränen in die Augen treibt. Virtuos spielt der Autor auf der Klaviatur des Unheimlichen (von dem Freud wusste,dass es "irgendwie eine Art von heimlich" ist): Es knallt und pufft und brennt in diesem Text, der die Menschen wie Puppen verrenkt und die ärgsten Phantasien in dieWelt stellt, bis sie beinahe zerbricht. 

    Eines der zentralen Motive, die sich durch den "Sandmann" ziehen, ist das des versehrten, entrissenen, in jedem Fall unzuverlässigen Auges. Subkutan durchwirkt die Angst vor dem Verlust des Sehens, des Blickes, des eigenmächtigen Zugriffs auf die Welt (von Freud als Kastrationsangst übersetzt) alle Verästelungen des Textes und ergreift schleichend vom Leser Besitz. Heute, da wir uns zwischen fragmentierten Narrativen, alternativen Fakten und manipulierten Bildern kaum noch einigen können, welche Wahrheit denn unumstößlich, welchen Augen noch zu trauen ist, scheint uns der 200 Jahre alte "Sandmann" von unheimlich-heimlicher Vertrautheit: Wo keine Gewissheiten sind, ist Furcht. Aber auch die Freiheit des Spiels.

    Regie: Robert Gerloff 
    Bühne: Maximilian Lindner 
    Kostüme: Johanna Hlawica 
    Musik: Cornelius Borgolte 
    Licht: Martin Jedryas 
    Video: Marie-Lena Eissing 
    Dramaturgie: Angela Obst 


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    Eine Reise ins Herz der deutschen Finsternis
    3 years ago
    Kritik
    ''Der junge Regisseur Robert Gerloff hat die kaum nachzuerzählende Geschichte in viele kurze Kapitel unterteilt. Sie reißen alle möglichen Themen assoziativ an, die in Hoffmanns vieldeutiger Erzählung stecken und versuchen sie zu aktualisieren, auf unsere Gegenwart zu beziehen – mit witzig eingestreuten Rätseln, Gegenwartstexten, Zitaten. Parallelen liegen in der Tat auf der Hand. (...) Angela Obst (Dramaturgie) und Robert Gerloff haben ein spannend aktuelles Gruselstück um Wahn und Wirklichkeit, die Angst vor dem Verlust von Orientierung, eben des Sehens, nicht ohne Witz umgesetzt.  Leider verliert sich die verzweifelte Dramaturgie der Zentralfigur im zweiten Teil zugunsten der politischen Bezüge. Wenn Nathanael, der bei Hoffmann im Wahnsinn umkommt, am Ende untergehakt mit Clara in so etwas wie Zukunft aufbricht und lediglich vorschlägt, dass man sich ab sofort doch besser siezen solle, dann wirkt das doch ein wenig harmlos – so wie das Schluss Lied vom Sandmann. Oder müssen wir uns nun erst recht fürchten vor deutscher Finsternis? Kriegen wir wieder Sand in die Augen gestreut?'' schreibt Petra Herrmann am 8. April 2019 auf KULTURA-EXTRA
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