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Bewertung und Kritik zu

MARAT/SADE
von Peter Weiss
Regie: Tina Lanik
Premiere: 27. September 2018 
Residenztheater München
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Zum Inhalt: Als Autor und Regisseur lädt Marquis de Sade zum grotesken Revolutionstheater und ruft die Geister der Französischen Revolution herauf. Deren Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind bereits wenige Jahre nach der Revolution für immer verloren. Radikaler Individualismus steht auf der Tagesordnung. Die Freiheit des Einzelnen geht auf Kosten anderer und die Brüderlichkeit scheint zum Nationalismus verkommen. Die Darstellung der Ermordung des wichtigsten Wortführers für die Rechte des einfachen Volkes, Jean Paul Marat, kommentiert de Sade mit seiner eigenen Erfahrung gegenüber einer Revolution, die "zu Ende geführt" wurde "von Kaiser Napoleon". Während der extreme Sozialist Marat und der skeptische Individualist de Sade noch über die Notwendigkeit sozialer Umwälzung debattieren, lässt de Sade dreimal die Mörderin Marats, Charlotte Corday, auftreten. Die ehemalige Landadlige und ihr Liebhaber, der girondistische Abgeordnete Duperret, eröffnen als konservative Patrioten den Totentanz der Restauration. Denn längst will auch das Volk sein Stück vom Kuchen und fordert: "Marat wir wollen keine Tüten kleben/ Marat wir wollen im Wohlstand leben."

Mehr als fünf Jahrzehnte nach der Uraufführung, die Peter Weiss am 29. April 1964 über Nacht als Theaterautor weltberühmt gemacht hat, stellen sich die Fragen nach Freiheit, Gerechtigkeit und politischem Bewusstsein immer wieder neu. Peter Weiss’ Drama, von Tina Lanik inszeniert, ist geschichtsphilosophische Reflexion und Theaterspektakel zugleich und dank seiner radikalen Offenheit bis heute kontrovers.Regie: Tina Lanik

Regie: Tina Lanik
Bühne + Kostüme: Stefan Hageneier
Licht: Gerrit Jurda
Musik: Cornelius Borgolte
Choreinstudierung: Cornelia Melián
Dramaturgie: Andrea Koschwitz


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Athletisch-trainiert vs. Fatsuit
  · 23.12.18
Ein eindrucksvolles Gegensatzpaar stellte Tina Lanik ins Zentrum ihrer Spielzeiteröffnungs-Inszenierung am Münchner Residenztheater: Hier der apathisch in der Ecke dösende, mit einem hässlichen Fatsuit aufgeschwemmte Marquis de Sade (Charlotte Schwab), der nur selten zum Leben erwacht und dann zynisch-verbitterte Kommentare von sich gibt. Dort ein hibbeliger, ständig zwischen seiner Badewanne und der Bühne hin- und her-springender, athletisch-trainierter Jean Paul Marat (Nils Strunk), der die sozialrevolutionären Ideale der Französischen Revolution hochhält, obwohl die Zeichen der Zeit längst auf Restauration stehen.

Der resignative Grundton aus Notizen und Briefwechseln von Peter Weiss über die Welt als „Irrenhaus“ durchzieht den Abend, der im Halbdunkel beginnt und konsequenterweise ebenso düster nach der Inthronisation Napoleons im Schwarz versinkt. Als zottelige Zombies in Unterhosen deklamiert und rappt sich das Chor-Trio Joachim Nimtz, Wolfram Rupperti und Götz Schulte durch den Abend. Gemeinsam mit dem Ausrufer (Michele Cuciuffo) kommentieren sie das Geschehen.

In Erinnerung bleibt von dieser weniger als zwei Stunden kurzen, wegen ihres schnellen Tempos jedoch hohe Konzentration erfordernden Aufführnung vor allem der Monolog von Marat, mit dem er das Publikum kurz vor Schluss ein letztes Mal zu agitieren versucht, obwohl die Revolution längst auf der Verliererstraße ist. Dieser Monolog wird seit der Premiere, die in der heißen Phase vor der Landtagswahl in Bayern stattfand, tagesaktuell fortgeschrieben: angefeuert von einem Zwischenrufer in der letzten Reihe schlägt Strunk einen kabarettistischen Bogen von den französischen Gelbwesten über Horst Seehofer, um den es nach dem Dauerfeuer gegen Angela Merkel und der Maaten-Affäre stiller geworden ist, und die Papaya-Koalition zwischen CSU und Freien Wählern bis zur Relotius/SPIEGEL-Affäre schlägt.

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