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Bewertung und Kritik zu

DON JUAN 
von Molière
Regie: Frank Castorf
Premiere: 29. Juni 2018 
Residenztheater München
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Zum Inhalt: Ein spanischer Adliger, gleichermaßen mit sexuellem Appetit, intellektueller Finesse und moralischer Un­bekümmertheit gesegnet, streunt mit seinem geistig etwas schwerfälligen Diener durch Sizilien und reißt Frauen auf. Das ist manchmal mühseliger, manchmal ein Fingerschnippen, doch wirklich unangenehm wird es, wenn die Frauen ihn nicht ziehen lassen wollen oder  bewaffnete Brüder haben. Noch unangenehmer kann es werden, die Statue eines Toten zum Essen einzuladen. Dabei ist sein Credo doch offenkundig: "Ich habe einen natürlichen Hang, mir bei allem, was mich anzieht, kei­ne Schranken zu setzen."

Mit: Bibiana Beglau (Elvira), Nora Buzalka (Charlotte), Julien Feuillet (La Ramée), Marcel Heuperman (Pierot), Aurel Manthei und Franz Pätzold (Don Juan´s), Farah O'Bryant (Mathurine) und Jürgen Stössinger (Don Louis) 

Regie: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Soundtrack: William Minke
Licht: Gerrit Jurda
Video + Live-Schnitt: Marie-lena Eissing
Live-Kamera: Josef Motzet + Jaromir Zezula
Dramaturgie: Angela Obst


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2.5/5 Insgesamt 2 Bewertungen (2 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Boys are back in Town
  · 15.07.18
''Von alldem ist der Inszenierung herzlich wenig anzusehen. Sie verliert sich vor der Pause der mit 4:15 Stunden ungewöhnlich kurzen Aufführung zunehmend in einem düsteren Gelage von dekadenten, mit Pestbeulen befallenen Adligen (aus Puschkins Gelage während der Pest), die sich in Selbstmitleid und Langeweile suhlen. Die Sehnsucht nach Lust und Abenteuern wird mit Völlerei bekämpft, als Zeitvertreib bis zum nahen Tod. Bibiana Beglau bringt dazu den passenden Fremdtext von Blaise Pascal über die Sucht nach Zerstreuung. Ein wenig Schweinkram gibt’s von Georges Bataille oben drauf. All das erinnert auch an die als Memento Mori angelegte Moliére-Trilogie an der Volksbühne. 

So dreht sich das Bühnen-Karussell gewohnt routiniert, dürfen sich die Männer, respektive beide Don Juans, nackt dem Publikum präsentieren und ihr bestes Teil schwingen, wobei der Soundtrack (mit viel David Lynch) von Rock über Blues bis coolen Jazz changiert. Als Buffo-Teil spielen Marcel Heuperman als Pierrot und Nora Buzalka als Charlotte das berlinernde Bauernpaar im Ziegenstall mit echten Tieren und viel Theaterkotze und -scheiße, in der sich ausgiebig lüstern gesuhlt wird. Anschließend geht's zum flotten Dreier in den großen hölzernen Badezuber. Heupermann gibt nicht nur den hitzig eifersüchtigen Bauerntrottel, dem von Don Juan die Verlobte ausgespannt wird, sondern nach der Pause auch noch dessen Diener Sganarelle, der ihn auf der Flucht vor der Rache der Brüder Donna Elviras bis nach Madrid begleitet. Ein Sündenbabel, das sich als Treff vor einer 24-Stunden-Open-Bar entpuppt. Hier lungern übernächtigte Liebeshungrige, die sich in Zynismus ergehen und einem gläubigen Bettler bei einer Pest-Prozession einen Louisdor für das Fluchen auf Gott anbieten. (...)

Auf der Videoleinwand überschneiden sich die Bilder aus dem Inneren des Bühnenbaus mit Szenen des jugendlicher Marcello Mastroianni aus Fellinis Film La dolce vita. In Fellinis Stadt der Frauen hat man Henry Hübchen einst als dessen Alter Ego an der Volksbühne gesehen. Eine schwache Reminiszenz an alte Tage. Davon ist diese zuweilen doch etwas zähe Inszenierung jedoch weit entfernt. Wo sind die guten alten Zeiten hin, oder sind sie nun gottlob endgültig passé? Den Don Juan holt hier am Ende der Geist des alten Komturs in der Gestalt von Jürgen Stössinger im silbern glitzernden Leichenhemd. Zurück bleibt die schlechte Don-Juan-Kopie Sganarelle, und Jay Jay Johanson singt soft vom Band: „So tell the Girls that I am back in Town“. Ein selbstironischer Abgesang, der hoffentlich noch nicht das Ende des Regisseurs Frank Castorf bedeutet.'' schreibt Stefan Bock am 15. Juli 2018 auf KULTURA-EXTRA
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Zäher Abgesang auf das Patriarchat
  · 04.01.19
Von der funkeinsprühenden Energie und der hochtourigen Hysterie seiner stärksten Volksbühnen-Abende ist Frank Castorfs „Don Juan“ im Exil am Münchner Residenztheater weit entfernt. Obwohl die Aufführung schon nach weniger als vier Stunden zu Ende ist und damit auch wesentlich kürzer als seine meisten Inszenierungen, schleppt sich die Molière-Bearbeitung besonders zäh dahin.

Als Abgesang auf das Patriarchat ist der Abend angelegt, Franz Pätzold und Aurel Mantel treten als doppelter „Don Juan“ wie traurige Clowns im barocken Bühnenbild von Aleksandar Denić auf. Bis zur finalen Höllenfahrt ist der Abend mit obligatorischem Fremdtext-Material angereichert. Warum Heiner Müllers antikolonalistisches Lehrstück „Der Auftrag“ wie in so vielen aktuellen Theateraufführungen auch hier wieder kurz vor Schluss herbeizitiert wird, erschließt sich nicht. Besser fügen sich Georges Bataille und Blaise Pascal in den Castorf-Abend ein.

Sichtlich unterfordert wirken die Castorf-erfahrenen Spieler*innen, neben den beiden Hauptdarstellern sind vor allem Bibiana Beglau aus Don Juans Ehefrau Elvira, Nora Buzalka als Charlotte und Marcel Heupermann als Pierrot zu nennen.

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SPIELPLAN & KARTEN
3.5
Durchschnittsnote aller Stücke
5 15
4 28
3 29
2 11
1 2
Kritiken: 60

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