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    Münchner Kammerspiele
    www.muenchner-kammerspiele.de
    Falckenbergstraße 2 - 80539 München
    Telefon: 089 / 233 371 00
    SPIELPLAN

    Green Corridors / Зелені коридори

    Bewertung und Kritik zu

    GREEN CORRIDORS / ЗЕЛЕНІ КОРИДОРИ 
    von von Natalia Vorozhbyt
    Regie: Jan-Christoph Gockel 
    Premiere: 14. April 2023
    Münchner Kammerspiele 

    Zum Inhalt: Als „grüne Korridore“ wurden seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zivile Fluchtkorridore für Menschen bezeichnet, um umkämpfte Gebiete zu verlassen. In ihrem Auftragswerk für die Münchner Kammerspiele, das die ukrainische Autorin Natalia Vorozhbyt inspiriert von eigenen Erlebnissen auf der Flucht geschrieben hat, machen sich 4 Frauen aus Charkiw, Tschernihiw, Butscha und Kyjiw auf den Weg nach Europa. Sie alle sind Zeuginnen von Vergewaltigung und Tod, bis auf eine der Frauen, die ist Schauspielerin und hat nichts Schreckliches erlebt, – kann aber alles spielen. Genau dafür muss sie büßen und wird als Sündenbock sieben Mal im Laufe des Stückes von ihren Mitreisenden zur Strecke gebracht. Mit unnachahmlich schwarzem Humor portraitiert Vorozhbyt die Menschen im Transit, zeigt ihre Nöte und Kämpfe, wo sie lügen, etwas verstecken oder von guten und bösen Geistern der Vergangenheit heimgesucht werden. In der Wartezone zu einem neuen Leben in Europa brechen zwischen den Figuren Konflikte auf, die tief hinein in die Geschichte der Ukraine und Europas reichen. Wer hat hier wen verraten oder einfach übersehen? Wer hat mit wem kollaboriert und profitiert? Eine Lady namens Europa will Gutes tun, macht aber keine gute Figur.

    Mit: Svetlana Belesova, André Benndorff, Johanna Eiworth, Tanya Kargaeva, Maryna Klimova, Julia Slepneva
    Live-Musik: Anton Berman
    Live-Zeichnungen: Sofiia Melnyk

    Regie: Jan-Christoph Gockel
    Bühne: Julia Kurzweg
    Kostüm: Sophie du Vinage
    Musik: Anton Berman
    Licht: Christian Schweig
    Dramaturgie: Viola Hasselberg
    Text: Natalia Vorozhbyt

    2.0 von 5 Sterne
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    Schwarz-humorige Kriegs-Szenen mit Fragezeichen
    1 Jahr her.
    Kritik

    Düsterer Realismus prägte „Bad Roads“ von Natalka Vorozhbyt. Grausamkeit reihte sich an Grausamkeit in diesem Gastspiel des Left Bank Theatere, Kiew, in dem die Autorin von der ersten Phase des Kriegs in der Ukraine erzählte. Der Westen schaute nach kurzer Empörung über die russische Annexion der Krim im Frühjahr 2014 teilnahmslos zu, wie der Krieg an der ostukrainischen Front viele Jahre weiterging und die Versuche, ihn mit dem Minsker Abkommen einzufrieren, scheiterten.

    Überraschend schlägt Vorozhbyt in ihrem Münchner Auftragswerk einen ganz anderen Ton an: „Green Corridors“ wird zur gallig-schwarzhumorigen, schnell geschnittenen Szenenfolge über die Geschichte der Ukraine als Kette von Leid, Krieg und Gewalt. Als Konstante dieser Szenen, die recht unvermittelt zwischen dem russischen Angriff der Gegenwart und biographischen Skizzen aus dem 20. Jahrhundert wechseln, wird Swetlana Belesowa regelmäßig eingekreist, gegen die Betonwand gedrängt und slapstickhaft ermordet. Für bewusste Irritation sorgen Autorin Vorozhbyt und Regisseur Jan-Christoph Gockel, wenn sie die aktuellen, oft drastischen Beschreibungen der Verbrechen wie z.B. der Vergewaltigungen in Butscha in skurrile, geradezu deplatziert wirkende Pointen münden lassen.

    Fragezeichen hinterlässt es auch, wenn die Inszenierung so umstrittene Figuren wie den ukrainischen Nationalistenführer Stepan Bandera, der 1959 im Münchner Exil vom KGB ermordert wurde, als eine weitere Wimmelbild-Figur in die Kriegsgroteske einführt. Einordnungen oder Erklärungen, die für ein westliches Publikum notwendig wären, passen nicht ins Konzept dieser galligen Kriegs-Revue. So taucht Bandera so schnell auf wie er verschwindet, ebenso wie Olena Teliha, eine 1942 von den Nazis ermordete Dichterin, oder der Komponist Mykola Leontowytsch, der 1921 vom Geheimdienst ermordet wurde.

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