Nora

Bewertung und Kritik zu

NORA 
Ein Thriller von Sivan Ben Yishai, Henrik Ibsen, Gerhild Steinbuch, Ivna Žic
Regie: Felicitas Brucker 
Premiere: 7. Oktober 2022 
Münchner Kammerspiele 

Zum Inhalt: Nora hat es geschafft. Nur noch die letzte Rate des Darlehens, das sie unter einem Vorwand ohne Wissen ihres Mannes Torvald aufgenommen hatte, um diesem eine lebenswichtige Auszeit zu finanzieren, muss sie bezahlen. Kurz vor dem Ziel, 72 Stunden vor Weihnachten, gerät Nora in Bedrängnis, und alle Annahmen über ihre Beziehung kommen auf den Prüfstand. Bald steht sie vor einschneidenden Lebensentscheidungen. Ibsens Theaterthriller regte immer wieder große Künstler*innen wie Elfriede Jelinek oder Rainer Werner Fassbinder zu einer Auseinandersetzung an. Mit Sivan Ben Yishai, Gerhild Steinbuch und Ivna Žic intervenieren nun drei wichtige Dramatikerinnen der Gegenwart in das Stück und befragen die Ikone Nora für unsere Zeit neu.

Mit: Katharina Bach, Svetlana Belesova, Vincent Redetzki, Thomas Schmauser, Edmund Telgenkämper

Regie: Felicitas Brucker
Bühne & Kostüme: Viva Schudt
Musik: Markus Steinkellner
Licht: Christian Schweig
Video: Florian Seufert
Dramaturgie: Tobias Schuster


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
''Katharina Bach beherrscht darin die Szene als vom entlassenen Buchhalter Krokstad (windig: Thomas Schmauser) in die Enge getriebene Frau, die um ihr Glück mit Ehemann Torvald regelrecht körperlich kämpft und alle Höhen und Tiefen des Bühnenbilds und Gefühlslebens erklimmt, oder auch mal als düstere Rockröhre brilliert. Zur Seite hat sie nur ihre alte Freundin Christine (Svetlana Belesova). Edmund Telgenkämper gibt den künftigen Bankdirektor als gönnerhaften Ehrenmann, der seine Frau nicht wirklich ernst nimmt. Vincent Redetzki spielt den todkranken Doktor Rank als großen schwärmerischen Gefühlsmenschen. In einer letzten Szene tritt er vor dem nach oben geklappten Bühnenbild als Eishockeyspieler in schwarz auf und lässt sich selbst vom kräftigen Telgenkämper nicht von der Bühne zerren. Schließlich müssen aber beide ihre Besitzansprüche aufgeben.

Das beengende Haus löst sich am Ende hinter feurig leuchtendem Gazevorhang auf und gibt Raum für Nora und ihre Befreiungsrede. Das in die Jahre gekommene Drama um kompromittierende Briefe und eine Frau zwischen drei sie bedrängenden Männern würde hier auch ganz ohne die sie begleitenden Texte überzeugen können. Das Gesamtbild eines den alten Text befragenden Dramen-Refreshs kommt aber vor allem spielerisch wesentlich positiver zur Geltung als im Münchner Volkstheater.'' schreibt Stefan Bock am 30. Oktober 2022 auf KULTURA-EXTRA
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