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Bewertung und Kritik zu

WUT 
von Elfriede Jelinek
Regie: Nicolas Stemann
Premiere: 16. April 2016
Münchner Kammerspiele 

Zum Inhalt: Jelinek hat für ihr neues Stück „Wut“ die Anschläge von Paris zum Anlass genommen. Also jene tödlichen Attentate auf acht Redaktionsmitglieder des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, zwei Polizist*innen und vier Kund*innen eines Supermarkts für koschere Lebensmittel im Osten der Stadt. Ihr Text entfesselt die Wut, die zu ihnen geführt haben mag. Jene Wut, die in einer grandiosen narzisstischen Selbstermächtigung alle Zweifel und jede Ohnmacht hinwegfegt zu einem: Das jetzt, das ist unser Moment! Ihr hattet eure Zeit, jetzt ist es unsere! Seht her und sterbt!
Wie stets allerdings schichtet Jelinek Bedeutungsebenen. Sie bleibt nicht stehen bei der blinden Wut islamistischer Terroristen, es ist ein vielstimmiger Wut-Chor. Die Stimmen deutscher Wutbürger sind darin ebenso enthalten wie die anderer „aufrechter“, „erwachender“ Europäer – oder jene des antiken Helden Herakles, der, von der Göttin Hera verwirrt, im Wahn die eigene Familie auslöscht. Auch die Wut der Autorin selbst mischt sich hinein. Ihre Wut auf all die Ohnmächtigen angesichts des Terrors der Wut, die Wut auf die Wut-Dealer, auf die Populisten und Demagogen, die Wut auf die Wut-Hungrigen und -süchtigen, die Wut aber auf die eigene Ohnmacht, dass im Schreiben das Unbeschreibliche wieder nicht zu fassen zu kriegen, nicht verständlich zu machen sein wird. Aber: Ist Wut nur als Motor zur Zerstörung denkbar? Wie sie teilen, wie Ausgeschlossene, Abgehängte darin verbinden, ohne andere auszuschließen? Was könnte dann nach ihr entstehen? „Wut“ ist die inzwischen achte Zusammenarbeit der künstlerischen Wahlgemeinschaft von Elfriede Jelinek und Nicolas Stemann, Hausregisseur an den Kammerspielen. Vor vielen Jahren schon hat sie sich verbunden, in München, wo sie bisher noch nicht gemeinsam in Erscheinung getreten sind, wird sie fortgeführt.

Mit Zeynep Bozbay, Thomas Hauser, Jelena Kuljić, Daniel Lommatzsch, Annette Paulmann, Julia Riedler, Franz Rogowski Sowie Thomas Kürstner, Nicolas Stemann, Sebastian Vogel

Inszenierung: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Licht: Jürgen Tulzer
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Kostüme: Katrin Wolfermann
Dramaturgie: Benjamin Von Blomberg

TRAILER


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Slapstick und Trash
  · 14.04.20
''Auf der Bühne präsentiert er das als bombastische, musikalische Revue. Ins Publikum führt eine breite rote Showtreppe – hier sitzen die Spieler und lesen ihren Text aus dem Textbuch. Die meiste Zeit aber breiten sie sich quer über die Bühne aus – vieles läuft parallel: Ein Schauspieler verkleidet sich etwa als Friedenstaube, ein anderer bekleckst ihn mit roter Farbe, vorne spricht jemand eine Passage, Stemann, der selbst mitspielt, ruft, auf welcher Seite man sich gerade befindet. Auf einer Leinwand werden Schauspieler per Video übertragen, dazu spielt jemand Klavier.

Die meisten Szenen bestehen aus Slapstick und Trash: Jesus feiert eine Party mit Buddha, Zeus, Ganesha, dem Weihnachtsmann und dem fliegenden Spaghetti-Monster. Ein gewisser "Mo" taucht im Goldröcken auf und darf selbstredend auf keinen Fall als Mohammed interpretiert werden: Mache dir kein Bildnis! Alles ist ganz im Geiste der Postdramatik inszeniert: keine Figuren, alle Spieler lesen den Text aus ihren Textbüchern vor. Dreieinhalb Stunden lang.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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