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Bewertung und Kritik zu

DIONYSOS STADT
Regie: Christopher Rüping 
Premiere: 6. Oktober 2018 
Münchner Kammerspiele 

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Zum Inhalt: 10 Stunden Theater über die Probleme von Menschen, die vor 2500 Jahren gelebt haben? Die sich an Prometheus, Achill, Kassandra, Elektra und Odysseus abarbeiten? Die Macht der Götter, der Fluch der Atriden, unauflösliche Konflikte, nicht enden wollende Kriege. Doch die nicht ganz so alten Griechen wollen nicht länger Opfer des Schicksals sein, von äußeren Zwängen determiniert werden, die ständig und unausweichlich über sie hineinbrechen. Sie treten in Konflikt mit den Göttern und der Welt der Mythen, beginnen zu hadern, auch wenn jeder Ausweg zunächst der Falsche zu sein scheint, schuldbeladen und fatal. Heute haben die Menschen andere Probleme, oder? Aber die erste Demokratie der Welt, die im 5. Jahrhundert v. Chr. in Athen entstand, verhandelte diese Themen im Theater, das Volksfest und -versammlung zugleich war: ein Kult der kollektiven Emanzipation. Das damalige Publikum in Athen eignete sich in Tragödien, Komödien und Satyrspielen die alten Stoffe an, machte sie erlebbar und überwindbar. Hausregisseur Christopher Rüping und die Schauspielerinnen und Schauspieler der Münchner Kammerspiele vergegenwärtigen nun ihrerseits die Figuren, Texte und politischen Umstände des griechischen Dramas und nähern sich den Fragen und Konflikten der Antike aus zeitgenössischer Perspektive.

Mit Maja Beckmann, Peter Brombacher, Majd Feddah, Nils Kahnwald, Gro Swantje Kohlhof, Wiebke Mollenhauer, Benjamin Radjaipour

Live-Musik: Matze Pröllochs
Inszenierung: Christopher Rüping
Jonathan: Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Video: Susanne Steinmassl
Musik: Jonas Holle, Matze Pröllochs
Licht: Stephan Mariani, Christian Schweig
Dramaturgie: Valerie Göhring, Matthias Pees
Host und Environment: Felix Lübkemann

TRAILER


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Wundertüte und Theater-Marathon
  · 30.12.18
„Dionysos Stadt“ ist eine große Wundertüte. Zu allererst ist es eine ironische Verbeugung vor dem antiken Theater. Wie uns Nils Kahnwald als Conferencier des Abends in Jeans und Pulli erklärt, orientiert sich auch dieser lange Theatertag an der Grundstruktur der dionysischen Festspiele: er besteht aus drei Tragödien und einem Satyrspiel, allerdings ohne die obligatorische Abstimmung über den Sieger des dramatischen Agons, wie es bei den alten Griechen üblich war.

Vor allem ist „Dionysos Stadt“ aber ein wilder Mix verschiedener Formen. „Dionysos Stadt“ ist ein Abend, der seinem Publikum ständig zuruft: „Ich bin etwas Besonderes, ich muss zum Theatertreffen.“In der von Rüping gewohnten Spiel- und Inszenierlust trifft hier von heftigem Wummern unterlegtes Videoflimmern auf ganz stille Momente. Eine glänzend gespielte Farce, die Telenovela-Genremuster parodiert, dreht im dritten Akt die gesamte Atriden-Trilogie respektlos und äußerst komisch durch den Reißwolf: der Höhepunkt dieses Marathons. Scheinbar unmotiviertes Rumkicken mündet in einen langen, melancholischen Schlussmonolog über Zinedine Zidane, eine tragische Figur des Weltfußballs, der sich im WM-Finale 2006 zu einem Kopfstoß provozieren ließ, mit Roter Karte vom Platz gestellt wurde und die Niederlage seines Teams von außen mitansehen musste. Eine Nackt-Performance á la Lars Eidinger steht neben kitschig-versonnenem gemeinsamen Blick in den Sonnenuntergang.

Diese außergewöhnliche Arbeit scheut sich auch nicht vor Längen und bedient sich auch gerne bei der Kleinkunst: der Gag, dass Zuschauer am Bühnenrand mitqualm unden dürfen, war schon bei Rainald Grebe zum Abwinken. Als Kopie wird er nicht lustiger, sondern sorgt nur für Gestank im Haus.

Den Zuschauer*innen wird – getreu dem mehrfach zitierten antiken Motto „Tun – Leiden – Lernen“ – auch sonst einiges abverlangt. Wie sehr wünscht man sich da ins Dionysos-Theater am Fuß der Akropolis: die steilen Ränge des klassischen Amphitheaters garantieren den Luxus der Beinfreiheit und gute Sicht ohne Verrenkungen von allen Plätzen, wenn vorne die Spieler*innen als (ziemlich alberne) Schafherde durch die Prometheus-Szene des ersten Aktes blöken. Auch die kulinarische Auswahl in den Pausen war bei den antiken Dionysien sicher weniger spartanisch: wer nicht vorab ein teures Menü reservieren wollte oder selbst etwas mitgebracht hatte, durfte sich in der Winterkälte in der langen Schlange vor einem Truck einreihen, der zwei Falafel-Sorten im Angebot hatte.

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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Überschätzung
  · 13.05.19
''Zum Theatertreffen kommt inzwischen ein deutlich verjüngtes Publikum, bei dem man keine Vorkenntnisse zur antiken Mythengeschichte erwarten kann. Anders kann man sich das Gelächter während der Telenovela und die Standing Ovations am Ende kaum erklären. Da grölen die Zuschauer selbst dann, wenn Aigisthos ein Gericht vorgesetzt bekommt, das aus dem Fleisch seiner Kinder besteht. Und kriegen sich kaum ein, wenn Schauspieler in Schafsfell über die Bühne robben.

Doch auch die Kritiker bei der Premiere an den Münchner Kammerspielen waren insgesamt begeistert – das scheint damit zusammenzuhängen, dass dieses groß angelegte Theaterfest sich abhebt vom politischen Diskurs- und Projekt-Theater, das der Intendant Matthias Lilienthal dort auf den Spielplan setzt. So kam es vermutlich zur Überschätzung dieser groß entworfenen, aber arg flachen Aufführung. Am Deutschen Theater in Berlin hat Rüping zuletzt schon deutlich klüger inszeniert.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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MÜNCHNER KAMMERSPIELE
  · 13.05.19
''Nach der ersten Pause zieht die Inszenierung nicht nur in der Lautstärke an. In einer sehr intensiven Spoken-Words-Performance mit Schlagzeugverstärkung (Matze Pröllochs) und Videoprojektionen auf ein die Stadt Troja darstellendes Bühnengerüst trägt zunächst Jochen Noch minutenlang eine Aufzählung des griechischen Flottengeschwaders aus Homers Ilias vor, bis die anderen SchauspielerInnen mit Schlachtpassagen, die sich um den Tod des von Hektor erschlagenen Patroklos und Achills Rache am trojanischen Prinzen drehen, einstimmen. Pathetischer Heldenmythos kontra Klage der Troerinnen, die im Anschluss von Rüpings Interpretation die siegreichen Griechen, die sie als Sklavinnen fortführen wollen, ziemlich jämmerlich aussehen lassen, aber auch wie die Furien um die „Hure Helena“ kreisen. Ein starker Auftritt, der gut auch als separate Aufführung funktionieren würde. 

Danach folgt dann die Orestie tatsächlich als TV-Soap, die die ganze Atriden-Saga um den Mord am heimkehrenden Agamemnon und die Rache von Elektra und Orest an Klytaimnetra und Aigisthos bis zum Urschleim des Fluchs zu Atreus und seinem Bruder Thyestes zurückführt und mit viel Livekamera und Kunstblut als fast schon küchenpsychologisches Familiendrama in einem Küche-, Bad-, Esszimmerambiente aufdröselt. Das mündet schließlich in eine griechische Hochzeit mit Tanz und Ouzo für alle aus dem Publikum, die es zur Party auf die freigegebene Bühne schaffen, und neben einem Nacktauftritt von Nils Kahnwald als Orest am Ende auch noch Matze Pröllochs als heilsstiftenden Apollon ex machina vom Bühnenhimmel schweben lässt. 

Nach gut 8 Stunden fragt man sich dann schon, wie das nun enden soll. Gescheitert oder in Schönheit glänzend? Als Satyrspiel gibt’s am Ende Fußball und den von Nils Kahnwald vorgetragenen Essay La Mélancolie de Zidane des belgischen Autors Jean-Philipp Toussaint über dessen Gedanken zum Kopfstoßfaul von Zinédine Zidane im WM-Endspiel 2006, was man durchaus auch als Reflexion des nach einem würdigen Ende suchenden Regisseurs auffassen kann. Die Chuzpe, mit der Christopher Rüping dieses fast 10stündige Vorhaben hier durchzieht, ist dann bei aller Kritik doch auch recht bemerkenswert. Ein Spielen mit den Theatermitteln, das im Orestie-Teil (gewollt oder nicht) auch Events wie das gerade im Festspielhaus abgefeierte Hotel Strindberg von Simon Stone parodiert.'' schreibt Stefan Bock am 12. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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