Solitude

Bewertung und Kritik zu

SOLITUDE 
Ballett von Mario Schröder
Premiere: 16. Oktober 2020 
Leipziger Ballett in der Oper Leipzig 

Zum Inhalt: Jede Entscheidung ist letztlich eine einsame und genau diese Entscheidungsmomente sind es, die Mario Schröder in den Mittelpunkt der Kreation »Solitude« stellt. In Zeiten von freiwilliger und auferlegter Isolation entsteht Einsamkeit in vielfältigen Facetten, denen sich die Tänzerinnen und Tänzer des Leipziger Ballett stellen. Denn es bleibt unklar wer entscheiden darf, ab wann allein sein zur Einsamkeit wird. Kann in einer Gesellschaft der dauerhaften Erreichbarkeit nicht auch die Einsamkeit ein Sehnsuchtsort werden?

Das Gemeinsame wird als Goldstandard des menschlichen Gehirns gesehen, es sehnt sich nach Nähe und Zugehörigkeit. Gesellschaftliches Zusammenleben, Innovation, Glaube – es ist schwer möglich sich eine Welt, ohne das Gemeinsame vorzustellen. Einsamkeit ist gefährlich, sie birgt den Anschein von menschlichem Versagen. Einsamkeit bedroht uns auf physischer und psychischer Ebene gleichermaßen. Solitude beschreibt einen freiwilligen Zustand des Seins, der die physische Anwesenheit eines anderen ausschließt und den Blick auf die eigene innere Landschaft legt. Momente von tiefer Reflexion, Selbsterkenntnis und Kreativität werden erst dann möglich, wenn äußere Einflüsse verschwinden und Raum bleibt für Einsamkeit.

Musikalische Leitung: Felix Bender
Choreografie: Mario Schröder
Bühne und Kostüme: Paul Zoller
Licht: Michael Röger
Dramaturgie: Anna Diepold


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Einsamkeiten
  · 16.05.21
''Die traumhaft schöne Arie "Schlummert ein, ihr matten Augen" aus der Bach-Kantate Ich habe genug gibt Raum für alle andern, sich mit ihrem Tanzen nach und nach dann einzubringen. 

Zum Finale registrieren wir das "Amen" aus der fünften Sinfonie von Galina Ustwolskaja - hierzu sind Klänge einer Geige, einer Oboe, einer Trompete, einer Tuba, eines Schlagwerks und ein baritonaler Sprechgesang vom Bühnenhintergrund zu hören und zu sehen - das Ballett formiert sich, und man sieht "nur" dunkle und noch dunklere Gestalten und Konturen in und aus der absichtsreichen Dunkelheit.

Vielleicht um eine Winzigkeit hin doch zu depressiv; aber das kann auch daran liegen, dass einem das allzu dunkle Streambild (noch dazu auf einem viel zu kleinen Notebook-Schirm gesehen) stimmungsmäßig niederdrückt. Wird allerhöchste Zeit, dass man die Angelegenheiten endlich wieder richtig live sieht, hört und riecht!!!'' schreibt Andre Sokolowski am 16. Mai 2021 auf KULTURA-EXTRA
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