Written on Skin

Bewertung und Kritik zu

WRITTEN ON SKIN
von George Benjamin
Regie: Benjamin Lazar 
Online-Premiere: 1. Dezember 2020 
Oper Köln 

Zum Inhalt: Die Oper »Written on Skin« von George Benjamin, 2012 beim Festival d’Aix-en-Provence uraufgeführt, geht in wesentlichen Teilen der Handlung auf eine mittelalterliche Sage aus der Provence zurück. Ihr Titel ruft eine Zeit in Erinnerung, in der es sich bei jedem Buch noch um eine höchst seltene, aus Pergament gefertigte Kostbarkeit handelte – im wahrsten Sinne des Wortes »auf Haut geschrieben«. Die Komposition George Benjamins lässt die HörerInnen jedoch keinen Moment darüber im Zweifel, dass es sich hier in keiner Weise um ein historisierendes Werk, sondern um eine kompositorisch und inhaltlich moderne Setzung handelt.

Als eine ›brennend heiße Geschichte in einem eiskalten Rahmen‹ bezeichnete denn auch der moderne Dramatiker Martin Crimp, auf dessen Text diese Oper zurückgeht, diese in eine textlich moderne Rahmenhandlung eingebettete Dreiecksgeschichte aus dem okzitanischen Mittelalter: Das fatale Beziehungskonstrukt zwischen einem mächtigen Großgrundbesitzer (Bassbariton), seiner jungen Ehefrau (Sopran) und ihrem androgynen Liebhaber, einem Buchillustrator (Countertenor), endet mit der Ermordung des Liebhabers durch den Ehemann und – nachdem sie, verleitet durch seinen Mörder, unabsichtlich vom Herz des Geliebten gekostet hat – mit dem freiwilligen Sturz der Frau in den Tod. Drei Engel, die als Repräsentanten der Neuzeit in Erscheinung treten, kommentieren – vergleichbar dem Chor des antiken Dramas – das grausame Geschehen aus kühler Distanz.

Musikalische Leitung: Francois-Xavier Roth
Inszenierung: Benjamin Lazar
Bühne und Kostüme: Adeline Caron
Licht: Nicol Hungsberg
Dramaturgie: Georg Kehren


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Liebe, Eifersucht und Tod
  · 05.12.20
''Francois-Xavier Roth, der sich in nahezu allen musikalischen Stilen auskennende Kölner Generalmusikdirektor, hat den Benjamin-Zweiakter einstudiert und dirigiert. Diese Musik, die irgendwie dann auch auf ihre anonyme literarische Vorlage aus dem 13. Jahrhundert querverweist - so gibt es beispielsweise ein paar wunderschöne rezitative Momente, die die Gambistin Margaux Blanchard exemplarisch vorführt - , hat einen wundersamen langen Atem, und so lassen sich in ihr ausschweifend-ausatmende vokalise Linien nachvollziehen; das zum Einsatz kommende Instrumentarium ist beträchtlich, doch dem Gürzenich-Orchester kann man gottlob keinen ehrgeizige Sinn zum etwaigen Zukleistern des zarten als wie zornigen Gesanges attestieren.

Der kanadische Countertenor Cameron Shahbazi (so schon mit einer bestürzenden Schönheit gesegnet) ist die sängerische Attraktion dieser wegen der Pandemie leider "nur" als Premieren-Livestream in die weite Welt hinaus gesandten Aufführung von gestern Abend. Seine Jungen-Rolle scheint ihm auf den Leib geschrieben, seine stimmtechnische Akkuratesse und sein schauspielerndes Selbstbewusstsein sind dann schon entwaffnend!'' schreibt Andre Sokolowski am 2. Dezember 2020 auf KULTURA-EXTRA
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