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Bewertung und Kritik zu

FOUNTAINHEAD
von Ayn Rand
Regie: Johan Simons 
Premiere: 28. April 2018 
Thalia Theater Hamburg 

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Zum Inhalt: Wie autonom sind wir – im Denken, in der Kunst, in der Liebe? Mit seiner Vision einer radikal neuen Architektur macht sich Howard Roark nur Feinde. Sein Freund und Kollege Peter Keating dagegen passt sich an, entwirft, was der Markt verlangt – und hat Erfolg. Die Architekturkritikerin Dominique Francon, kompromisslos idealistisch wie Roark und von ihm fasziniert, besteht nicht nur im Kampf der Geschlechter auf Unabhängigkeit. Der Journalist  Toohey dagegen predigt sozialistische Ideen, um die Massen gegen jede Form von Individualismus aufzubringen und gefügig zu machen. Als der lebensmüde Medientycoon Gail Wynand in seinen Zeitungen die öffentliche Meinung lenken will, eskaliert der Kampf der Ideen.

Vor der russischen Revolution in die USA geflohen wurde Ayn Rand mit ihrer Philosophie des Kapitalismus und der strikten Ablehnung des Sozialstaates zur Heldin der amerikanischen Konservativen. In der Gegenüberstellung von Individualismus und Kollektivismus wirkt Fountainhead, 1943 erschienen, wie eine Blaupause aktueller Konflikte. Wie marktkonform ist Individualität in einer eskalierenden Mediengesellschaft? Und können wir in neoliberalen Zeiten tatsächlich auf Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt verzichten?

Regie: Johan Simons 
Bühne: Stéphane Laimé 
Kostüme: Maria Roers 
Video: Simon Janssen 
Dramaturgie: Susanne Meister 

TRAILER


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Wettstreit der Ideologen
  · 18.05.18
Howard Roarck (Jens Harzer) schiebt den eisernen Vorhang mit seinen bloßen Händen hoch. Er steht mit geschlossenen Augen auf einer imaginierten Klippe und träumt von einer neuen Architektur. Die Form solle ausschließlich der Funktion folgen, und etwa wie bisher den Wünschen nach Selbstdarstellung seiner Auftraggeber. Jedes Material sollte entsprechend seiner Eigenschaften verwendet werden. Es sollte ausschließend ehrlich verwendet und nichts vorgaukeln. Sein Freund Peter Keating (Jörg Pohl) steht im akkuraten Anzug und aalglatt gestriegelten Blondhaar kopfschüttelnd neben ihm. Er verfügt zwar nicht über die Genialität und Kreativität seines Studienkollegen aber dafür über massenhaft Ehrgeiz und Anpassungswillen. Während Howard zu einem auftraglosen Altmeister der kompromisslosen Modernismus geht, steigt Peter in das größte New Yorker Architekturbüro ein. Er weiß sich beliebt zu machen, während Howard jedem schonungslos seine Meinung vor den Kopf knallt. 

Genau diese Unbedingtheit erregt das Interesse der unangepassten Dominique(Marina Galic). Sie erkennt in Howard eines Seelenverwandten, dem sie erlaubt, in ihr Gefühle zu entfachen, denen sie sich bisher verweigert hat. Sie hat Peter nur aus einem Anfall von Wunsch nach Bürgerlichkeit geheiratet. Doch Howard und Dominique sind gnadenlose Egoisten, unfähig zum Austausch. Während Dominique ab und zu den Wunsch danach in sich zu verspüren scheint, hat Howard keinerlei tiefgehendes Interesse an anderen Menschen. Er glaubt einzig an seine Schaffenskraft, die sich nur in der Ungestörtheit eines Einzelgängers entfalten kann.

Autorin Ayn Rand spiegelt in ihrem Roman „Fontainhead“ in den Auf- und Absteigen nicht nur dieser beiden Männer das gandenlose Wirtschaftsgebahren in Amerika und seine gesellschaftspolitischen Auswirkungen. Zu den beiden Architekten gesellen sich zwei Medienvertreter, aus dem TV- und Printmedienbereich, die je nach jeweiliger Interessenlage Leute wie Howard zu Fall bringen oder zu pushen versuchen. Durch das freie Spiel der Kräfte, ohne die Verwerfungen eines sozialstaatlichen Regulierung werde stets der Beste gewinnen, so lautet Rands These, und zwar zum Wohle aller.

So tänzelt Howard am Ende siegesgewiss mit Dominique über die Bühne. Sie hat zwar schon lange nicht zugehört, als er ihr seine Vorstellungen, Ideen und Überzeugungen wortreich darlegte, doch auch sie werden ein Teil der großen Partygesellschaft New York sein. Sie hat sogar den zeitweise gestrauchelten Peter, der an der Inhaltslosigkeit seines Lebens und Arbeitens zu verzweifeln drohte. wieder in sich aufgenommen. 

Johan Simons hat nach der Fassung von Koen Tachelet aus dem Roman ein vierstündiges Theaterstück gestaltet. Während die Thesen des russischstämmigen Amerikanerin Rand aus heutiger Sicht zu einseitig und schlicht klingen mögen, sind es ihre Figuren keineswegs. Im Laufe des Abends werden sie mehrfach gebrochen und bleiben damit in ihrem Zusammenspiel bis zum Schluss interessant. Die vielfältigen Fragestellungen, mit denen sie sich in ihrem Leben konfrontiert sehen, scheinen heute in einem Amerika unter Trump höchst aktuell und sorgen für einen spannenden Theaterabend, nicht zuletzt durch das exzellente Spiel des Ensembles, allen voran Harzer als Howard und Garlic als Dominique..

Birgit Schmalmack vom 18.5.18
www.hamburgtheater.de
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Tanz der Exzentriker
  · 30.04.18
''Ayn Rands Weltbild fußt auf der Annahme eines rational begründeten Egoismus, der sich vor allem gegen die sozialen Regulierungsversuche des Staates richtet, der die Menschen in eine dauernde Abhängigkeit bringt, indem er ihnen Angst und Schuldgefühle einredet. Staatlich verordneter Altruismus als Haupthindernis schöpferischen Denkens und Handels. Das will selbst im kapitalistisch ausgerichteten Sozialstaat kaum jemandem einleuchten, außer vielleicht - und das ist besonders auch für Theaterschaffende und andere Künstler wichtig - , dass es um die Verwertung geistigen Eigentums geht. (...)

Gespielt wird am Thalia Theater auf einer fast leeren Bühne, auf der passend zum Thema nur ein aus mehreren Teilen zusammengesetzter Plexiglastisch auf einem Betonsockel steht. Über der Szene hängt ein als Kunstwerk und Projektionsfläche dienender Metallrahmen, in dessen Feldern Eisplatten schmelzen und nach und nach herausfallen, was zumindest eine schöne Bildmetapher ist. Ansonsten wirken die DarstellerInnen sehr stark gekünstelt und überironisieren ihr Spiel oft ins Karikative. Der Regie ist schon anzumerken, dass sie von Rands Thesen nicht viel hält und sie auch entsprechend als Phrasen bloßgestellt sehen möchte. Der durchaus bestehenden Ambivalenz der Vorlage kann das nicht gerecht werden. Besonders Harzer tänzelt das vergeistigte Genie Roak oft wie autistisch abwesend über die Bühne. Seine schier unendliche Hymne des schöpferischen Menschen, bei dem ihm Galic eine Schallplatte als Heiligenschein über den Kopf hält, gerät zur Witznummer. Wie schon Kuttner und Kühnel in Berlin scheitert Simons trotz eines hervorragenden Schauspielensembles an dem Versuch etwas wirklich Brauchbares aus dem Kampf von Ego- gegen Altruismus zu gewinnen.'' schreibt Stefan Bock am 30. April 2018 auf KULTURA-EXTRA
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