Brüste und Eier

Bewertung und Kritik zu

BRÜSTE UND EIER 
von Mieko Kawakami
Regie: Christopher Rüping 
Premiere: 30. April 2022 
Thalia Theater Hamburg 

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Zum Inhalt: Die dreißigjährige Schriftstellerin Natsuko hat jede Menge Fragen und sucht Antworten. Welche Schönheitsideale bestimmen das Leben? Wie lässt sich über Intimes reden? Wie verwirklicht sich der Wunsch ein Kind zu bekommen, bei gleichzeitiger Ablehnung körperlicher sexueller Begegnung? 
Natsukos ältere Schwester Makiko will sich einer Brustvergrößerung unterziehen. Währenddessen ist Makikos zwölfjährige Tochter Midoriko von der einsetzenden Pubertät überfordert. Natsuko hadert mit der Frage, welche Rolle noch bleibt – als unverheiratete Frau, die nicht mehr Tochter ist und vielleicht nie Mutter sein wird.

Mit Ann Ayano, Julian Greis, Saori Hala, Hans Löw, Nils Kahnwald, Maike Knirsch, Oda Thormeyer und Christoph Hart (Live-Musik)

Regie: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Musik: Christoph Hart
Choreografie: Saori Hala
Dramaturgie: Matthias Günther


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Roman-Nacherzählung und Gaststar-Solo
  · 01.05.22
Bis zur Pause erleben wir einen Abend, der mit den typischen Problemen einer Roman-Adaption zu kämpfen hat. Statt des vom Regisseur im DLF versprochenen saftigen Spiels bietet er über weite Strecken eine Roman-Nacherzählung. Immerhin wird diese nicht frontal ins Publikum gesprochen, sondern im Stil des japanischen Bunraku-Puppenspiels inszeniert. Hans Löw, der bei Rüpings „Paradies“-Trilogie kurzfristig ausfiel und nun sein Comeback am Thalia gibt, ist hinter seiner Maske sichtlich unterfordert, während Kolleg*innen aus dem Ensemble den Text von der Seitenlinie einsprechen.

Rüping berichtet im Programmheft, dass er zufällig in einem Gespräch zwischen Alexander Kluge und Heiner Müller auf diese Art des ostasiatischen Theaters aufmerksam wurde. Der Mix aus stummem Spiel und eingesprochenem Text ist aber auch im deutschen Theaterbetrieb nicht neu, gerade versuchte Claudia Bauer in ihrer Jandl-Körperkomik-Revue „humanistää“ am Wiener Volkstheater Ähnliches.

Aufgelockert durch postdramatische Spielereien plätschert die erste Hälfte dahin und als Pausen-Fazit bleibt die Frage festzuhalten, die auch tt-Jurorin Katrin Ullmann in ihrem Deutschlandfunk-Radiogespräch aufwarf: Was an diesem Text so aufregend sein soll, vermittelte sich bisher nicht. Außerdem vermisste die Kritikerin einen klaren Fokus und eine Haltung der Regie zum Stoff.

Viel klarer werden die Konturen auch nach der Pause nicht, aber der Abend wird immerhin unterhaltsamer. Zum ersten Mal Vollgas und Szenenapplaus gibt es bei der Gruppen-Choreographie zum ABBA-Ohrwurm "Lay your love on me", zu der Nils Kahnwald die „Luschen“ im Team mehrfach anspornt. Noch mehr Fahrt nimmt der Abend auf, als der Gast aus Zürich zu einem seiner berüchtigten Soli zwischen Genie und Wahnsinn ansetzt. Er schlüpft in die Rolle eines mansplainenden Samenspenders, der voller Selbstgewissheit all die Vorzüge seines Samens detailliert schildert und für die künstliche Befruchtung anpreist.

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