Harry Potter und das verwunschene Kind

Bewertung und Kritik zu

HARRY POTTER UND DAS VERWUNSCHENE KIND 
von J.K. Rowling
 
Regie: John Tiffany 
Premiere: 5. Dezember 2021 
Mehr! Theater am Großmarkt Hamburg

Zum Inhalt: Die Abenteuer von Harry, Ron und Hermine gehen weiter und Magie wird auf der Bühne Wirklichkeit. Neunzehn Jahre sind vergangen, seit die Freunde die Welt der Zauberer gerettet haben. Doch die Schlacht ist noch nicht gewonnen: Denn das Dunkle kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet…

Im Dezember 2021 feiert Harry Potter und das verwunschene Kind im Mehr! Theater am Großmarkt in Hamburg seine exklusive Deutschlandpremiere. Erstmals in deutscher Sprache bringt das spektakuläre Theaterabenteuer den Zauber live auf die Bühne. Das zweiteilige Theaterstück von J.K. Rowling und Jack Thorne wird in der Regie von John Tiffany aufgeführt.

Das Hamburger Mehr! Theater wurde für dieses spektakuläre Theatererlebnis aufwendig umgebaut und nimmt den Zuschauer mit auf eine einzigartige magische Reise. „Sobald ein Besucher seinen Fuß über die Schwelle des Theatereingangs setzt, wird er in die Welt von Harry Potter und das verwunschene Kind eintauchen“, verspricht Maik Klokow, Produzent der deutschsprachigen Erstaufführung und CEO der Mehr-BB-Entertainment.


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
„Nach all den Jahren?“ (Albus Dumbledore) - „Immer.“ (Severus Snape)

Für mich ist das nicht nur eine der schönsten und herzzereißendsten Textstellen in der Literaturgeschichte, sondern sagt auch auch viel über meine Liebe zu den Harry Potter-Büchern und Filmen aus, die schon seit sehr vielen Jahren besteht. Schließlich bin ich mit den Büchern und den Filmen aufgewachsen, kenne jede Figurenbiografie auswendig und habe auch die Harry Potter-Ausstellung in Potsdam besucht. Und nun lädt uns J.K. Rowling endlich wieder nach einer gefühlten Ewigkeit zurück nach Hogwarts ein.

Rowlings Theaterstück „Harry Potter and the Cursed Child" (Originaltitel) wurde im Sommer 2016 in London uraufgeführt. Zeitgleich erschien das 8. Buch als Theaterskript. Seit seiner Uraufführung in London spielt das Theaterstück vor ausverkauftem Haus und ist die am meisten prämierte Produktion der britischen Theatergeschichte. Die Produktion wurde unter anderem mit neun Olivier Awards und sechs Tony Awards ausgezeichnet. Auch am Broadway, in Melbourne und San Francisco feierte „Harry Potter and the Cursed Child“ große Erfolge.
Nun ist endlich das fantastische Theatererlebnis „Harry Potter und das verwunschene Kind“ (deutschsprachiger Titel) in deutscher Sprache in Hamburg, live auf der Bühne des Mehr! Theaters am Großmarkt, zu erleben. Das aus zwei Theaterstücken bestehende Theaterevent von J.K. Rowling und Jack Thorne wird unter der Regie von John Tiffany mit viel Liebe aufgeführt.

Schon beim Betreten des Theaters taucht man in die magische Harry Potter-Welt ein: Viele Glühbirnen hängen an der Decke im Theaterfoyer und erinnern an die zahlreichen Kerzen in Hogwarts großer Halle. An den Wänden im Foyer erblickt man geheimnisvolle Patronus-Figuren. Im Eingangsbereich kann man Fotos mit den Bannern der vier Hogwarts-Häuser Griffendor, Slytherin, Hufflepuff und Ravenclaw machen. Und im Theatersaal sind mystische Drachen-Lampen angebracht. Also die Reise von dem 9 ¾-Gleis nach Hogwarts kann hier endlich beginnen.

Doch wovon handelt dieses magische Theaterevent „Harry Potter und das verwunschene Kind“?
Die Geschichte spielt neunzehn Jahre nach dem Sieg über Voldemort und seine dunkle Armee. Harry Potter arbeitet im Zaubereiministerium, ist mit Ginny verheiratet und hat mit ihr drei Kinder. Auch Ron und Hermine sind glücklich verheiratet und sind ebenfalls Eltern.
Harrys und Ginnys elfjähriger Sohn Albus Severus Potter beginnt mit seinem ersten Schuljahr in Hogwarts, wird aber vom sprechenden Hut nicht nach Gryffindor, sondern ins Haus Slytherin geschickt. Im Haus Slytherin freundet sich Albus mit Scorpius, dem Sohn von Draco Malfoy, an. Um den beim Trimagischen Turnier ermordeten Cedric zurückzuholen, stehlen die besten Freunde einen vom Ministerium beschlagnahmten Zeitumkehrer und reisen in die Vergangenheit zurück.
Aber natürlich hat diese Reise Auswirkungen auf die Gegenwart. So schmerzt Harry Potters Narbe wieder nach 19 Jahren. Kehrt die dunkle Macht wieder zurück? Wird damit der so mühsam hergestellte Frieden wieder bedroht?

„Harry Potter und das verwunschene Kind“ handelt auch von der komplexen Vater-Sohn-Beziehung zwischen Harry und Albus Potter. Es ist Fluch und Segen zugleich, der Sohn des berühmten Harry Potters zu sein. Alle erwarten von dem Sohn ein heroisierendes Verhalten und vergleichen ihn mit dem Auserwählten. Vincent Lang verkörpert hingebungsvoll Albus' Verzweiflung und Wut, die Last der Erwartungen, die durch den berühmten Vater auf ihm ruhen, seine Einsamkeit und seinen Kampf um Anerkennung. Dieses Gefühl der Einsamkeit und Zerrissenheit, die Vincent Lang auf der Bühne lebt, wird in Hogwarts verstärkt, denn Albus wird nach Slytherin geschickt. Doch dort findet er einen wahren Freund und die einzige Person, die ihn versteht: Scorpius Malfoy.

Mathias Reiser ist die ideale Besetzung für die Figur Scorpius Malfoy. Auch Scorpius ist unsicher, einsam und innerlich zerrissen, da ihn viele in Hogwarts für den Sohn Voldemorts halten. Mit aufgedrehtem Verhalten und unschuldiger Begeisterungsfähigkeit zeigt Scorpius, dass es auch in dem Haus Slytherin wahre und loyale Freunde mit einem guten Herzen gibt. Mathias Reiser mimt perfekt die gleichzeitige Verletzlichkeit und Stärke der neuen Figur in der Hogwarts-Welt und sorgt dafür, dass Scorpius Malfoy zum neuen Fanliebling wird.

Wenn ich vor dem Theaterevent angegeben hätte, wie ich mir den erwachsenen Harry Potter vorstelle, dann wäre es Markus Schöttl geworden. Markus Schöttl ist für mich der perfekte Darsteller des erwachsenen Harry Potters. Er überzeugt vollkommen in der sich widersprüchlichen Rolle, die einen inneren Kampf auf der Bühne austrägt: Als Leiter der Abteilung für magische Strafverfolgung tritt er erfolgreich und selbstbewusst auf, als Vater scheitert er oft, da er seinem Sohn die Luft zum Atmen nimmt und ihn nicht so akzeptiert, wie er ist. Dabei ist er einfach von Selbstzweifeln geplagt und hat Angst davor, Albus zu verlieren.

Jillian Anthony spielt sehr glaubhaft die erwachsene Hermine. Die neue Zaubereiministerin ist genau so, wie man sich Hermine immer als Erwachsene vorgestellt hat. Sie ist eine mutige und zielstrebige Karrierefrau, die aber auch eine treue Ehefrau und liebende Mutter ist.
Mit der Besetzung der beliebten Ron-Rolle ist der Theaterproduktion ein Coup gelungen. Sebastian Witt interpretiert fabelhaft den oft verpeilten, tollpatschigen, aber auch ehrlichen und treuen Ehemann und Vater Ron Weasley.
Hermines und Rons Tochter Rose Granger-Weasley kommt ganz nach ihrer Mutter: Sie ist intelligent, ehrgeizig und nimmt kein Blatt vor den Mund - authentisch von Madina Frey dargeboten.

Ich wollte schon immer wissen, wie sich Draco Malfoy als Erwachsener entwickelt und habe mir für die Figur eine Entwicklung wie in „Harry Potter und das verwunschene Kind“ gewünscht.
Michael Clauder beeindruckt mit seiner Rolle des einsamen und besorgten Vaters, der gegen Vorurteile kämpft und sich immer mehr der neuen Welt gegenüber öffnet.
Wie die junge Ginny Potter ist auch die erwachsene Ginny ein herzensguter Mensch und liebt ihre Familie über alles. Sie muss ständig zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn vermitteln – eine Rolle, die Sarah Schütz wie auf den Leib geschnitten wurde.

Das Schauspiel von Glenna Weber als die Maulende Myrte hat uns an dem Abend vollkommen von dem Hocker gehauen. Wir dachten die ganze Zeit, dass wir die Film-Myrte auf der Bühne erleben. Glenna Weber lacht und heult, flirtet und kichert wie Myrte und geht vollkommen in ihrer Rolle auf. Ein grandioses Schauspiel, das sich auch in Webers zweiter Rolle widerspiegelt: Sie spielt auch die mysteriöse Delphi Diggory, die Cousine des verstorbenen Cedrics, und verdreht Albus genauso den Kopf wie dem Zuschauer.

Durch den Zeitumkehrer hat das Publikum die Möglichkeit, alle Lieblingscharaktere auf der Bühne wiederzusehen: Mit seiner Gestik, Mimik und der haargenauen Ausdrucksweise erweckt Uwe Serafin die Figuren Severus Snape und Voldemort zum Leben und beweist, was für ein talentierter Schauspieler er ist. Heidi Jürgens übernimmt gleich drei Rollen in dem Theaterevent: Dolores Umbridge, die Imbiss-Hexe und Tante Petunia. Bei jeder der drei Rollen stimmte jedes Detail, besser geht es nicht als Schauspielerin. Aber auch positive Charaktere wie Hagrid und der Sprechende Hut (Hans-Jürgen Helsig), Professor McGonagall (Anita Maria Gramser), Albus Dumbledore und Amos Diggory (Fritz Hille) dürfen in dieser Geschichte nicht fehlen und wurden fabelhaft von dem/der jeweiligen Darsteller/Darstellerin gespielt.

Die 560 Kostüme von Katrina Lindsay unterstreichen auf brillante Art und Weise das Schauspiel der beliebten und bekannten Figuren und lassen den Zuschauer die Filmfiguren vergessen.
Das Bühnenbild von Christine Jones ist eine nostalgische und originalgetreue Augenweide. Der gesamte Zuschauerraum erscheint mit seiner Wandverkleidung aus Holz, seinen bronzefarbenen Skulpturen und Lampen wie eine Fortsetzung der Bühne, die ein Bahnhofsportal darstellt. Die Seiten säumen schwere rechteckige Säulen mit geschwungenen stählernen Streben, die sich auch zu Baumkronen im Verbotenen Wald oder Säulengängen einer Kirche zusammensetzen können. Koffer, Tische und Stühle, hohe Holztreppen und Türen werden in fließenden Szenenwechseln (Movement Director: Steven Hoggett) über den Bühnenboden bewegt. Auf der Bühne sehen wir all die geliebten Plätze unserer Jugend: den Zug nach Hogwarts, die Flure und Zimmer von Hogwarts, die Räume des Zaubereiministeriums, das Haus der Dursleys, die Mädchentoilette mit der Maulenden Myrte oder das Dorf Godric‘s Hollow. Die Bühne verwandelt sich andauernd in andere Orte des Harry Potter-Universums.

Das Lichtdesign von Neil Austin und die Illusionen und Magie von Jamie Harrison sind ein Geniestreich. Vor unseren Augen entstand eine Fantasiewelt. Die Effekte und Magie wirkten unglaublich echt. Sogar in der 5.Reihe und damit nah an der Bühne konnte man nur erahnen, aber nicht sehen, wie diese Zauberei umgesetzt wurde. Wir lachten, als Scorpius der Dampf aus den Ohren kam, staunten bei den zahlreichen Kämpfen, bei denen die Charaktere leicht durch die Luft wirbelten und erschraken bei den Dementoren. Mehr darf ich leider nicht verraten, um Euch die Magie, die Überraschungsmomente und die unerwarteten Wendungen nicht zu nehmen.

Die Musik von Imogen Heap rundete das Gesamtkunstwerk ab und schuf viele Gänsehautmomente. Das Theaterstück hat vier Teile, die Musik teilt sich auch in vier sogenannte Suiten. Im Zauberministerium klingt die Musik enthusiastisch, dann wird sie etwas dunkler. Die dritte Suite ist elektronisch und das Finale orchestral.


Mein Fazit: Die Fortsetzung „Harry Potter und das verwunschene Kind“ erzählt wie die Vorgänger von essentiellen Werten im Leben: Familie, Freundschaft, Liebe, Loyalität, Suche nach der eigenen Identität und Akzeptanz dieser und natürlich von dem Kampf gegen die dunklen Mächte, die es immer wieder schaffen, zurückzukommen – wenn auch diesmal sehr unerwartet.
Die beiden Teile sind spektakulär und magisch. Eine solche Magie authentisch wirken zu lassen, ist eine grandiose Kunst. Auf keiner Bühne haben wir bis jetzt Vergleichbares gesehen. Das Bühnenbild und die Effekte erscheinen so unglaublich echt und transportieren das Publikum an alle bekannten Plätze unserer geliebten Harry Potter-Welt. Zusammen mit der Musik entsteht ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk – Nostalgie und Gänsehaut garantiert! Dass wir ein Teil dieser magischen Welt werden durften, haben wir aber auch dem unglaublichen Cast zu verdanken! Wir sehen auf der Bühne alle Fan-Lieblinge noch einmal und schließen auch die neuen Charaktere sofort ins Herz. Die einzelnen Charaktere werden in ihrer Mimik und Gestik bis ins kleinste Detail perfekt und liebevoll von den Darstellern verkörpert. Genau so habe ich mir immer Harry Potter, Hermine, Ron und die anderen als Erwachsene vorgestellt. Und so habe ich mir die Kinder von Ron und Hermine und Harry und Ginny ausgemalt.
„Harry Potter und das verwunschene Kind“ ist für jeden Harry Potter-Fan und Liebhaber der großen Kunst ein Must-See! Die Umsetzung des Theaterstücks auf der Bühne ist genial, originell und bezaubernd. Also nehmt so schnell wie möglich einen Zug und fahrt endlich ins Mehr! Theater am Großmarkt in Hamburg, wo sowohl Zauberer als auch Muggles in eine zauberhafte Welt eintauchen.

Praktische Hinweise: Die Fortsetzung wird in zwei Teilen gezeigt. Das erste Theaterstück läuft von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr (inkl. Pause) und das zweite Theaterstück beginnt um 19:30 Uhr und endet um 22:30 Uhr (inkl. Pause). Gegenüber von dem Theater liegt gleich ein kleines Gebäude, in dem man vor dem Theaterstück oder in der großen Pause etwas Leckeres essen kann (Burger, Pizza, Suppen, Kuchen etc.). Man kann aber auch den 1. Teil an einem Tag und den 2. Teil am darauffolgenden Tag besuchen. Allerdings kann man nicht nur ein Theaterstück besuchen, sondern muss die beiden Teile zusammen buchen und sehen.
Wir nächtigten in dem Hotel Mercure Hamburg City, das nur 300 min. von dem Theaterhaus liegt und über maritime Zimmer und ein reichhaltiges Frühstück verfügt.
Man darf keine Fotos und Filmaufnahmen von dem Theaterstück machen – auch nicht am Ende! In dem Theater gibt es einen wunderbaren Fanshop, der jedes Harry Potter-Herz schneller schlagen lässt. Ich habe mir gleich einen Harry Potter-Schal gekauft, was auch aus praktischen Gründen sinnvoll war, da in dem Theatersaal eine wirklich sehr gute Klimaanlage läuft.

Text © E. Günther (Blogseite "Mein Event-Tipp")
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