Warten auf Sturm

Bewertung und Kritik zu

WARTEN AUF STURM
von Peter Thiers
Regie: Volker Metzler 
Premiere: 28. September 2019 
Staatstheater Cottbus 

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Zum Inhalt: „Alles kommt vom Bergwerk her“, lässt Peter Thiers seinen „Chor der Cleaner“ immer wieder sagen. Also: Alles kommt aus dem Schmutz, der Dunkelheit, der harten, kräfteverschleißenden Arbeit. Wie namenlose Sisyphose placken sie sich ab, um denen über Tage zu Wohlstand zu verhelfen. Die meisten von denen da oben jedoch leben in Warten auf Sturm auch längst nicht mehr in gleißendem Reichtum. Vielmehr erzeugt das Stück eine düstere Atmosphäre. Der Autor benennt Zeit und Ort als weder vergangen noch zukünftig. Sie seien Ausdruck einer dystopischen Gegenwart, die sein könnte oder bereits ist.

Zwischen den an der Oberfläche wandelnden degenerierten, verrohten Persönlichkeiten entsteht ein harter Kampf um Ressourcen und Zuneigungen im Angesicht des nahenden Untergangs der Welt, wie sie sie kennen.

Regie: Volker Metzler
Bühne/Kostüme: Claudia Charlotte Burchard
Choreografie: Annegret Thiemann
Dramaturgie: Lukas Pohlmann
Regieassistenz/Sound: Marian Joel Küster
Leitung BürgerSprechChor: Wiebke Rüter und Michael von Bennigsen


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Im Schacht versenkt
  · 30.09.19
''In der immer wieder wechselnder Phantasie-Kostümierung von Claudia Charlotte Burchard, die recht schräg und queer daherkommt, sind die Rollen der SchauspielerInnen kaum zu erkennen. Die Handlung, was sicher auch am kompliziert gebauten Stück des Autors liegt, entwickelt sich dabei nur mühsam. Immer wieder sind lyrische Zwischenchöre der Cleaner eingebaut. Dem Messias-Thema frönt Metzler schon zu Beginn, wenn Winter (Boris Schwiebert) seinen Untergebenen bei einer Art Abendmahl Brot und Wein darbietet. Alles, was das Theater an Mittel zu bieten hat, fährt die Regie hier gnadenlos auf. Von choreografierten Bewegungen über kleine Tanzeinlagen eines sterbenden Kanarienvogels (Annegret Thiemann), von den Cleanern als Gaswarn-Pieper eingesetzt, bis zu einem alles erschlagenden Soundtrack, der mit Rock, Pop und klassischem Verdi wie eine auf Zufall eingestellte Soundcloud wirkt. Selbst vor einem Gangnam Style wird hier nicht zurückgeschreckt.

Das Stück hängt in der Regiefalle. Am ehesten beeindruckt noch die Bühne (ebenfalls von Claudia Charlotte Burchard). Verschiebbare Kästen mit Folienwänden, hinter denen der Chor in Schattenrissen wahrzunehmen ist. Schauspielerisch überzeugen hier vor allem Ariadne Pabst als Lara, Lisa Schützenberger als Winters Sohn und Amadeus Gollner als Zlatan. Lucie Thiede und Michael von Bennigsen müssen aber immer wieder als Cleaner mit unerklärlichen Requisiten auftauchen. So binden sie Winters Sohn auch mal einen Bombengürtel um, wohl als Zeichen der Gefahr beim Sprengen eines Schachtdurchbruchs. Irgendwann drängt dann der Bürgerchor mit Regenumhängen auf die Bühne. Ein kleiner Beitrag zum Flüchtlingsthema, das im Stück durchaus anklingt. Dazu schwenkt Lucie Thiede die EU-Flagge. Da hat sich die Regie aber schon vom Stück verabschiedet und bricht die letzten pathetischen Sätze mit Ironie und aus der Rolle steigend. Seht her: Das ist Theater. "Rettet die Wale" von Gustav klingt als sarkastischer Abgesang. Sollte der Text doch einen tieferen Sinn haben und ein Aufruf zu mehr Solidarität sein, dann hat die Regie das alles gut im Schacht versenkt.'' schreibt Stefan Bock am 30. September 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Viele Fragen bleiben offen
  · 30.09.19
''Als am Ende der Sturm aufzieht und im Bergwerk die Schächte einstürzen, inszeniert er ein beeindruckendes Untergangschaos, aber auch da wird nicht klar, wo die Inszenierung hinwill. Eine Windmaschine bläst Nebelschwaden über die Bühne, ein paar Cleaner tragen eine Europafahne durch den Sturm, aber dieser Verweis aufs Hier und Jetzt, erzählt nichts, weil der Kontext verwaschen bleibt. Ein Vorarbeiter und Winters Sohn liefern sich ein Rededuell. Der erste versucht, die Cleaner zu überzeugen, vor dem Sturm zu fliehen, der andere will, dass sie bleiben, auch wenn es Opfer kostet. Lisa Schützenberger als Winters Sohn keift ins Mikrofon und versucht, die Emotionen aufzupeitschen – eigentlich ein starker Auftritt, doch dann folgt ein großes Kuddelmuddel und am Ende steht eine ganz andere Figur als Gewinnerin da – Lara, die Tochter des Metallschmelzers Noon. Volker Metzler lässt sie in einer Szene, die arrangiert ist, wie das biblische Abendmahl, Äpfel und Wasser an die Überlebenden des Sturms verteilen. Ist sie ein neuer Jesus oder wird sie in die Rolle des Oberkapitalisten Winter schlüpfen? Am Ende der Inszenierung bleiben viele Fragen offen.'' schreibt Oliver Kranz auf rbbKultur
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