Ein Volksfeind

Bewertung und Kritik zu

EIN VOLKSFEIND
nach Henrik Ibsen
Regie: Jo Fabian 
Premiere: 25. Mai 2019 
Staatstheater Cottbus 

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Zum Inhalt: Das Brüderpaar Thomas und Peter Stockmann prägt seinen Heimatort. Der eine ist als Badearzt maßgeblich am Auf- und Ausbau der ansässigen Kuranstalt beteiligt, der andere lenkt als oberster Stadtpolitiker die Geschicke. Als der Arzt Krankheitserreger im heilenden Wasser entdeckt, will er dies im Interesse der Allgemeinheit öffentlich machen. Die Stadtgesellschaft hält dabei zunächst zu ihm, doch als sein Bruder den Ruf des Ortes bedroht sieht, dreht der Wind. Plötzlich stehen wirtschaftliche und politische Interessen über der Wahrheit, der Kurstatus über dem Gewissen, Karrieren über Menschlichkeit. Thomas wird vom Freund und Helden der Gemeinschaft zum wütenden Ausgestoßenen, der – weit über den Skandal um vergiftetes Kurwasser hinaus – sich gegen marode, verkrustete Gesellschaftsstrukturen aufzulehnen beginnt.
Jo Fabian nimmt Ibsens Schauspiel zur Grundlage, um gemeinsam mit dem Ensemble nach den Widersprüchen zwischen Wahrhaftigkeit und politischem Kalkül zu forschen. Wie viel Kraft und Wirkmacht hat Idealismus in einer durch und durch von ökonomischen und karrieristischen Interessen dominierten Gesellschaft?

Mit: Gunnar Golkowski, Sigrun Fischer, Sophie Bock, Axel Strothmann, Thomas Harms, Amadeus Gollner, Michael von Bennigsen, Rolf-Jürgen Gebert, Boris Schwiebert, Susann Thiede, Lena Sophie Vix, Josephine Fabian, Lucie Thiede u.a.

Regie/Video/Sound: Jo Fabian
Bühne/Kostüme: Pascale Arndtz
Dramaturgie: Lukas Pohlmann


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Nervtötende Volksfeind-Zertrümmerung
  · 28.05.19
''Die Darsteller können einem ein bisschen Leid tun: Denn außer Gunnar Golkowski, der den Badearzt Thomas Stockmann als irrlichternden Brausekopf und arroganten Nörgler gibt, und Axel Strothmann, der den Bürgermeister Peter Stockmann als machtgeilen Strippenzieher und rhetorischen Trickbetrüger zeichnet, können sich keine anderen Darsteller im vielköpfigen Ensemble herausputzen und auch nur ansatzweise einen eigenen Charakter gewinnen. Sie sind nur Staffage und Stichwortgeber für die beiden Widersacher, die sich mit Worten und Schwestern bekämpfen und denen es weder um die Gesundheit der Bürger noch um das Wohl der Gemeinde geht, sondern nur um die Erhöhung der eignen Person.

Alle Nebenhandlungen in Ibsens Stück sind gestrichen, alle Menschen, die in Neid und Hass, Erschöpfung und Selbstmitleid tief miteinander verstrickt sind, bleiben auf der Strecke. Offensichtlich hat sich in Cottbus herumgesprochen, dass Inszenierungen von Jo Fabian oft schwere Kost sind, dass Fabian gern die Zuschauer verunsichert und belehrt: Bei der Premiere seiner Ibsen-Exkursion blieben jedenfalls erstaunlich viele Plätze leer.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
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Aristophanes, Ibsen
  · 26.05.19
''In der Inszenierung von Jo Fabian am Staatstheater Cottbus wird Ibsens Stück in einem griechischen Tempel verhandelt. Erst ist er eine Art Lustort, bei dem sich die Menschen dionysischen Freuden hingeben, dann wird er zur Pesthölle und zum vergifteten Sumpf kommunaler Macht, die der Bürgermeister selbstherrlich an seiner Büste meißelnd verkörpert, während die Lokalpresse rhetorische Haken schlägt. (...)

Die Inszenierung kulminiert in besagter Volksversammlung, bei der Thomas Stockmann am Reden gehindert wird, erst durch die Wahl eines Versammlungsleiters, wobei die Frauen nur den Posten der Schriftführerin bekommen. Dann darf er nicht über das eigentlich Thema der Wasservergiftung sprechen und ergeht sich dafür in seiner bekannten Rede über den Verfall der gesamten Gesellschaft, bei der er gegen die geschlossene Mehrheit und den Plebs wettert. Die negativen Auswüchse der Demokratie, gegen die sich der freie Mann empören muss. Da steigert sich also Stockmann als verkanntes Genie in die Rolle der vermeintlich rechthabenden Minorität, woraufhin die Volksversammlung im allgemeinen Tohuwabohu eines aufgehetzten Lynchmobs untergeht. Jo Fabian liefert mit diesem eingekürzten Ibsenfragment, bei dem ganz zum Schluss noch ein paar verlorene Handlungsenden nachgeliefert werden, doch einen eher etwas zerfasernden Abend, der neben seiner recht pessimistischen Sicht auf die Demokratie das eigentlich ernste Thema etwas zu ironisch verjuxt.'' schreibt Stefan Bock am 26. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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