November

Bewertung und Kritik zu

NOVEMBER 
von Sascha Hawemann
Premiere: 26. November 2021 
Theater Bonn 

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Zum Inhalt: November, die Anmutung und Empfindung dieses Herbstmonats färbt die Erinnerungen dreier Freunde, zunächst noch Jungen, dann Männer, die in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts in Berlin, Hauptstadt der DDR, erwachsen werden. Sie sind Teil einer Gegenkulturbewegung: Sie sind Punks. Und als solche sind sie den staatlichen Organen des später untergegangenen Landes höchst verdächtig.
Zu Recht: Punk ist auch politischer Widerstand. Der Theatertext lässt uns teilhaben an ihrem Leben als „subversive Elemente“, ihrem Leiden an und in der Schule, ihrer Erfahrung von Demütigungen; dem dauernden Zwang zur Unterordnung; ständige Disziplinierungsmaßnahmen, die aus aufsässigem Schülermaterial willfährige Untertanen formen sollen; Unterwerfungsgesten; Gewalt. Seid bereit. Immer bereit. Er berichtet aber auch vom Glück und der Erfahrung einer ersten großen Liebe im alljährlichen Urlaub einer weit verzweigten Familie in Ex-Jugoslawien, der Heimat der Mutter eines der Freunde. Eine lange Liebesgeschichte beginnt, die durch den beginnenden Bürgerkrieg in dem Balkanstaat keine Fortsetzung findet. Zurück im Nachwende-Deutschland: Der Frontverlauf „zwischen rechts und links“ ist klar, nicht nur in den tätlichen Auseinandersetzungen Berliner Fußballfans.
Aus Stichworten und Klischees werden in diesem Theatertext Figuren mit Schicksalen weit über den Horizont der dokumentierten Tatsachen hinaus. Große Sehnsüchte und kleine Tragödien.

Mit: Ursula Grossenbacher, Christoph Gummert, Holger Kraft und Sören Wunderlich

Inszenierung: Sascha Hawemann
Bühne: Wolf Gutjahr
Kostüme: Ines Burisch
Licht: Ewa Górecki
Dramaturgie: Carmen Wolfram


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Krieg im Kopf
  · 28.11.21
''Die Aufführung bleibt in weiten Teilen schwer zugänglich und kryptisch. Der neben Kraftausdrücken oft gewollt poetische Text ufert in vielerlei Gefilden. Bezüge etwa auf das Schicksal jugoslawischer Gastarbeiter hierzulande oder auf die aktuelle Gesundheitskrise werden angedeutet, politisch ist das Werk jedoch schwer einzuordnen. Verweisen die Anspielungen auf „Heiner“ und „Christa“ etwa auf die heute kanonisierten Autoren Heiner Müller und Christa Wolf, die auch in der DDR lebten? Auch die Zeitsprünge verwirren mitunter. "Punk is not dead“ prangt zu guter Letzt auf der Bühnenrückwand.

Wer Moritz Hellfritzschs Dokumentation Punk in Bonn (2012) gesehen hat, der weiß, dass auch die Bundesstadt zur Zeit der Bonner Republik eine Hochburg des Punk war. Kultige Eventlocations wie das Kult 41 an der Viktoriabrücke zeugen heute noch von einer lebendigen lokalen Punkszene. So hat sich Regisseur Sascha Hawemann für sein Autorendebüt über die Generation Punk wahrscheinlich fruchtbaren Boden ausgesucht. Ein Glücksgriff gelang ihm insbesondere mit den Darstellern, die das über zweistündige Drama trotz der erdrückenden Textlast wenigstens zeitweise zu einem eindrücklichen Erlebnis machen.'' schreibt Ansgar Skoda am 27. November 2021 auf KULTURA-EXTRA
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