Bin Nebenan - Monologe für Zuhause

Bewertung und Kritik zu

BIN NEBENAN - MONOLOGE FÜR ZUHAUSE 
von Ingrid Lausund
Regie: Bea Banca 
Premiere: 9. Oktober 2021 
Theater Bonn 

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Zum Inhalt: Eine unternimmt beim Möbelkauf den Beweis ihrer Individualität, wird aber noch vor der Kasse eingeholt von den Algorithmen der Einrichtungshäuser. Einer zweiten dient ihr Badezimmer als Wellness-Oase und düfteumnebelte Traumfabrik. Wäre da nur nicht das Wissen um die Welt da draußen, das sie im Schaumbad mehr und mehr bedrängt. Für die dritte wird die eigene Grabstelle zum Fixpunkt inmitten von Rastlosigkeit. Damit gäbe es endlich eine Aussicht auf ultimative Ruhe und ersehnte Erlösung von der Unfähigkeit zum Ankommen. Oder doch nicht?
Drei skurril-durchschnittliche Frauenfiguren sind hier auf der Flucht vor sich selbst und einer Welt voller Klischees, Konsum und Vorurteile und verfangen sich im Unbehaustsein unserer Zeit.

Mit: Lydia Stäubli

Regie, Abendspielleitung und Soufflage: Beatrice Banca
Bühne für "Die Glasmenagerie": Ran Chai Bar-zvi
Bühnenbildassistenz und Kostüme : Annika Garling
Licht: Johanna Salz, Ewa Górecki
Ton: Lena Weckerling und Dimitrij Uvagin
Dramaturgie: Male Günther


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Ein bisschen daneben
  · 29.10.21
''Eine Figur möchte beim Möbelkauf nicht dem Mittelmaß entsprechen. Sie kauft jedoch ihr Sofa ausgerechnet in der auf Kundentypen genau abgestimmten Ikea-Welt. Gelingt es ihr, die Marktstrategen des Konzerns in die Irre zu führen? Eine andere Frau strandet in ihrem goldenen Bälle-Bad. Sie gibt sich sichtlich bewegt Tagträumen von exotischen Stränden mit afrikanischen Männern hin. Mal imaginiert sie einen kräftigen, farbigen Handtuch-Ständer; dann windet sie sich bei Gedanken an Flüchtlingselend. Die dritte und letzte Szene wird etwas zusammenhanglos durch die Klänge von Edith Piafs „Non, je ne regrette rien“ eingeleitet. Hier liegt Stäubli unbeweglich mit einem Koffer auf einer Umrisszeichnung. Ihre Figur machte es sich zur Lebensaufgabe, eine schöne letzte Ruhestätte zu finden. Doch leider sind die pittoreskesten Begräbnisstätten bereits lange im Voraus ausgebucht. Nun liegt sie geplättet (verfrüht) im Jenseits und trauert dem einstigen Wunschfriedhof hinterher. Dabei überlegt sie, ob das Kind an ihrer Grabstätte möglicherweise das eigene ist.

Es gibt keine Verbindung zwischen den unterschiedlich originellen Porträts, weshalb sich ein dramatischer Spannungsbogen schwerlich eröffnet. Die Übergänge von Bin nebenan erscheinen so auch ein bisschen holprig. Insbesondere die zweite und dritte Monologszene sind eher auf Sketch-Niveau und schaffen es kaum, den Theaterabend in Gänze unterhaltsam zu füllen.'' schreibt Ansgar Skoda am 29. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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