Apeiron

Bewertung und Kritik zu

APEIRON
von Anja Hilling
Regie: Ludger Engels 
Premiere: 24. Januar 2020 
Theater Bonn 

eventimTICKETS ONLINE KAUFEN

Zum Inhalt: Die Verführungskraft des medialen Machtapparats ist eine ewige Bewegung, durch die alles entsteht und wieder vergeht. Sie ist das Apeiron, wörtlich ‚das Unbegrenzte‘, ‚das Unbestimmte‘, der Urstoff allen Seins. Aus diesem Urstoff sind drei exemplarische Figuren erwachsen: ein Schauspieler, eine Unternehmerin und ein Politiker. Sie befinden sich im Zenit ihrer Karriere, am höchsten Punkt ihres Lebenswegs, und damit unmittelbar vor dem Fall. Ein Höher und Weiter ist nicht mehr möglich. Für einen Augenblick hält die Zeit an, ist alles in der Schwebe. APEIRON entwirft Bilder von der Sehnsucht des Menschen nach Größe und Bedeutung; wie er sich beim Streben nach Erfüllung über sich selbst zu erheben versucht und an seiner Hybris scheitert, stürzt und zurückschrumpft auf seine eigentliche Größe, die eine Kleinheit ist, der er nicht entkommen kann.

In verdichteten Königsdramen erzählt der Text von der Begegnung mit dem Kind, das man einmal war und das einen wieder einholt und anblickt wie ein Spiegel, in dem man die eigene Niederlage erkennen muss. Er erzählt von der Leere, die einen von innen her aufzehrt, während man mehr und mehr zur Projektionsfläche anderer wird. Er beschreibt die Schicksalshaftigkeit der Herkunft und des Namens, der zu einem Versteck und einer Marke wird, Wohl und Bürde zugleich. Und er handelt von Einsamkeit und Übermaß, das in einem Moment alles zerstört und in Schmerz auflöst.

Regie: Ludger Engels
Bühne: Volker Thiele
Kostüme: Sibylle Wallum
Musik: Tilman Kanitz
Dramaturgie: Male Günther
Licht: Ewa Górecki


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Stürzen durch viele Spiegel
  · 05.02.20
''Regisseur Ludger Engels verortet das Geschehen in einem modernen, kalt anmutenden Loft mit beweglichen Raumelementen (Bühne: Volker Thiele). Ein im Vordergrund hin und herfahrendes Gestell wirft wiederholt Theaterrauch und Lichtprojektionen auf die Bühne. Die Darsteller tragen schlichte, unförmige, asiatisch erscheinende Kostüme. Sie wirken mit rot bemalten Schläfen wie aus einer anderen Zeit oder Gesellschaft. Zu Beginn stieren alle mit leerem Blick stur, ausdruckslos und unbeweglich geradeaus. Sie gehen steif und gerade in unterschiedliche Richtungen. Bald kristallisiert sich aus dem auftretenden Ensemble ein dreiköpfiger Chor (Elias Konradi, Leona Holzki, Sulamith Hartmann) heraus. Der Chor nimmt – im Hintergrund bleibend – eine Beobachterrolle gegenüber den übrigen Figuren ein. Bald eröffnet Jan Viethen im übergroßen Strickpullover und in der Rolle eines Schauspielers einen Monolog. (...)

Das Gesprochene erscheint so unzusammenhängend. Es gibt einige interessante Gedanken, etwa wenn der Schauspieler der Frage nachgeht, wer er denn nun eigentlich selbst ist, wenn er immer andere Figuren spielt. Doch Sinnzusammenhänge bleiben assoziativ und im Ungefähren. Gegen Ende verbirgt das Gros der Figuren unbewegt hinter aufgesetzten Masken ihr Gesicht. Gesehen werden sie nun nicht mehr; sie dürften in der Isolation verschwinden. Und das Publikum bleibt ratlos zurück.'' schreibt Ansgar Skoda am 5. Februar 2020 auf KULTURA-EXTRA
War die Kritik hilfreich?
Um eine Kritik zu schreiben musst du dich einloggen.