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Bewertung und Kritik zu

LEHMAN BROTHERS
von Stefano Massini
Regie: Lars Georg Vogel 
Premiere: 7. Januar 2020
Vaganten Bühne Berlin 

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Zum Inhalt: Der größte Unternehmenscrash der US-Geschichte beginnt 1844 mit einer Reise von Bayern nach Alabama: Aus Rimpar in Bayern setzt Heyum Lehmann, Sohn eines jüdischen Viehhändlers, erstmals einen Fuß in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Seinen Namen lässt er, wie die Heimat, hinter sich. In der Neuen Welt wird er zu Henry Lehman, der ein kleines Stoffgeschäft in Montgomery eröffnet. Ihm folgen zwei seiner Brüder. Dies ist der Anfang eines atemberaubenden Aufstiegs über drei Generationen und 150 Jahre hinweg: Vom Tuchwarenhandel über die Gründung der eigenen Bank bis hin zum Weg an die Spitze der New Yorker Finanzwelt.
Die Expansion des Familienunternehmens wirft zugleich Schlaglichter auf einschneidende Ereignisse der amerikanischen Geschichte. Der Sezessionskrieg, der Siegeszug von Eisenbahn und Automobilindustrie, die Große Depression, der Vietnamkrieg sowie der Beginn des Computerzeitalters – sie alle sind mit den Schachzügen und Entscheidungen des Lehman-Imperiums untrennbar verknüpft.
2008 bricht die Investmentbank „Lehman Brothers“ zusammen und läutet den Beginn einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ein, deren Folgen die Welt bis heute nicht verwunden hat.
Mit Spannung und klugem Witz erzählt Stefano Massini, einer der wichtigsten Gegenwartsdramatiker Italiens, von 150 Jahren Weltgeschichte und vom Mythos einer mächtigen Familie.

mit Andreas Klopp, Urs Stämpfli, Joachim Villegas

Regie & Ausstattung: Lars Georg Vogel
Video: Stella Schimmele

TRAILER


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Unterhaltsam
  · 08.01.20
''Der Inszenierung wird die grundlegende Zeitlosigkeit zum Problem, denn das Stück lebt davon, dass die Lehmans selbst darüber staunen, wie rasant sich die Welt und die Atmosphäre in ihr verändert. Und als Leser staunt man mit ihnen, wie schnell die Entwicklung vom tüchtigen Unternehmer zum skrupellosen Turbokapitalisten vonstatten geht. Wie rasch die Menschen ihre Wurzeln, ihre Werte verlieren.

Es geht also um Geschichte – doch hier ist alles Gegenwart. Die Brüder sehen schon 1844 aus wie unsere heutigen Nachbarn. Nicht, dass sie im historischen Kostüm auftreten müssten – aber das langsame Vergehen der Zeit damals, hin zur rasanten Beschleunigung im Heute, geht somit unter. Die Inszenierung tritt deshalb bei allem Tempo, auf das Vogel setzt, auf der Stelle. Welches Jahrzehnt gerade verhandelt wird, welcher Cousin welche Geschäftsstrategie fährt – es wird über die Dauer des Abends fast ununterscheidbar.

Dass Vogel die meisten religiösen Motive gestrichen hat, ist nachvollziehbar – das Stück fokussiert gefährlich holzschnittartig und klischiert auf "die Juden", die den amerikanischen Finanzmarkt kontrollieren. Doch Vogel hat eben auch das Parabelhafte, Philosophische, atmosphärisch Zeitgeschichtliche zurückgedrängt, sodass man zuletzt nicht mehr weiß, worauf er in den zwei Stunden der Aufführung eigentlich hinausmöchte. Trotzdem: Die vitalen Schauspieler machen einen unterhaltsamen Abend daraus.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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Herbei all ihr Gläubiger
  · 08.01.20
Es war bestimmt eine reizvolle Aufgabe, die weltumspannende Story vom größten Bankenskandal der jüngeren Geschichte auf die kleine Vagantenbühne in Berlin-Charlottenburg zu hieven. Das Ergebnis ist auf jeden Fall höchst sehenswert, auch wenns einen unterwegs gelegentlich gruselt. 
Das Szenario stammt aus dem Jahre 2013 vom vielfach preisgekrönten italienischen Gegenwartsdramatiker Stefano Massini, der heute Berater am Mailänder Piccolo Teatro ist.  Die Szenenfolge hangelt sich an der Familiengeschichte bayerischer Auswanderer entlang, die einen Neustart im gelobten Land der unbegrenzten Möglichkeiten wagen.  Aus Heyum Lehmann, dem Sohn eines jüdischen Viehhändlers, wird 1844 in Alabama Henry Lehman, der ein kleines Stoffgeschäft in Montgomery eröffnet. Der atemberaubende Aufstieg führt von dort über die Gründung einer eigenen Bank bis in die Gipfellage der New Yorker Finanzwelt - und hinein in einen Absturz, der 2008 nicht nur bei internationalen Finanztrusts den Herzschlag stocken ließ. 
Das Stück ist kein Krimi, kein Finanzkrimi und auch kein gesellschaftskritisches Scherbengericht. Regisseur Lars Georg Vogel, seit neuestem auch Leiter der  Vagantenbühne, der die vorliegende Bühnenfassung selbst bearbeitet hat, bietet stattdessen  eine erzählende Szenenfolge vom Werdegang einer einst renommierten Bankdynastie. Hierzu steht ihm ein virtuos agierendes Ensemble zur Verfügung, dessen individuelle Gestaltungsleistung und fabelhafte Textsicherheit grosses Lob verdienen. Die kleine Bühne ist mit spartanischer Einfachheit gestaltet. Im Geviert abgehängte Papierbahnen grenzen ab und sind zugleich Projektionsflächen für einfallsreiche Videos, die sich einmal sogar auf einem  Anzugsakko abbilden lassen (Stella Schimmele).
Statt akribischer Nachforschungen über das Finanzgebaren von Lehman Brothers wird vielmehr die Familienhistorie aufgeblättert,beginnend mit Henry Lehman (Urs Stämpfli), Emanuel Lehman (Andreas Klopp) und Mayer Lehman(wunderbar wandlungsfähig: Joachim Villegas). Stella Schimmele steuert einfühlsam und gut sichtbar von der Seite die Videoprojektionen bei. 
Vom Erfolgsrezept der Lehmann Brothers erfährt man lediglich, dass sie die boomenden Industrien der USA mit feinem Spürsinn genutzt haben. Am Anfang war's einfach Kaufen und Verkaufen, erst in Baumwolle, dann in Kaffee, schließlich in Verkehrsmitteln und Kriegsgerät. Die unterwegs gegründete Bank floriert in ungeahntem Maße, gibt Kredite für alle möglichen Wachstumsfelder, und die Lehmann-Söhne und Enkel profitieren. Einen ersten Dämpfer bekommt die Erfolgsgeschichte im Börsencrash von 1929. Aber nach erneuter Erholung läßt sich der Depressionsbazillus nicht gänzlich abschütteln. Immer komplexer und abstrakter wird das Geschäft, bis schließlich die ganze Blase in den Strudel des Niedergangs gezogen wird. Die drei Hauptdarsteller demonstrieren diese Schlußphase mit einem wirbelnden Tanz, und im Hinauslaufen rafft jeder noch rasch, was er greifen kann.
Begeisterter Applaus vom Premierenpublikum für einen fantasievollen, fesselnden Abend mit bemerkenswerten schauspielerischen Leistungen.

Horst Rödiger
https://roedigeronline.de
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Die talentierten Mittler
  · 08.01.20
"Kaufen und verkaufen" wird als die sie antreibende mittlerische Losung der drei Lehman Brothers und des nachgebor'nen Clans um sie herum behauptet, festgeschrieben, immer-immer weiter wiederholt; es ist die Endlosschleife, die am Ende ihre feuerfunkensprühende Spirale bis zum urplötzlichen Stillstand (= Lehmanpleite) überdreht.

Andreas Klopp, Urs Stämpfli und Joachim Villegas veräußern "ihre" jeweiligen Stücktextteile (Monologe, Dialoge, Trialoge, Kommentare) mit schier pseudooptimistischer Hyperaktivität; sie wirken allesamt, obgleich sie mehrere Jahrzehnte und Jahrhunderte der Vorgeführten durchzuhandeln haben, anhaltenderweise jugendlich, sportiv und sind sodurch gern anzuhören und (noch viel, viel lieber) anzusehen. Es macht also großen Spaß, diesen von Anfang an vermutbaren Familien-Firmen-Crash durch sie vermittelt zu bekommen. 

Lohnt sich mit dabei zu sein; eine Katharsis braucht es nicht, so funktioniert halt grenzenlose Gier, fast wieder "menschlich".'' schreibt Andre Sokolowski am 8. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA
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