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Bewertung und Kritik zu

INDIEN
von Josef Hader & Alfred Dorfer
Regie: Lars Georg Vogel 
Premiere: 26. Februar 2019 
Vaganten Bühne Berlin 

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Zum Inhalt: Der kleinbürgerliche Heinz Bösel und der unermüdliche Besserwisser Kurt Fellner finden sich unbeabsichtigt auf einer gemeinsamen Tour durch die Lande wieder. Nein, es geht nicht ans Meer und schon gar nicht nach Indien. Die beiden Kontrolleure sind auf Dienstreise in der Provinz unterwegs und prüfen die Einhaltung von Hygienevorschriften in den Gasthäusern.
Das ungleiche Paar entdeckt mal im Alkohol, mal im Schikanieren der Wirtsleute und immer in der Vorliebe für deren Bestechungsgeschenke seine Gemeinsamkeiten. Darüber hinaus sehen sie sich bei ihren Trips durch die Gasthäuser auf engstem Raum mit dem jeweils Anderen konfrontiert. Zwei Lebenswelten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, prallen aufeinander. Aus der erzwungenen Nähe entsteht bald eine freundschaftliche und aus den Wirtshausdialogen entwachsen unversehens lebensbestimmende Fragen: Woher kommen wir und wo gehen wir hin? Woran soll man glauben? Und was ist überhaupt der Sinn des Ganzen?

mit Jürgen Haug, Senita Huskić und Urs Stämpfli

Regie & Ausstattung: Lars Georg Vogel
Regieassistenz: Oskar Levis
Technische Leitung: Benjamin Laber

TRAILER


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4.3/5 Insgesamt 3 Bewertungen (3 mit Rezension)
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Schnitzel bringt uns zusammen.
  · 28.02.19
In den ersten fünf Minuten von "Indien" in der Vaganten Bühne Berlin sagt Kurt Fellner (Urs Stämpfli) ungefähr sechstausend Worte. Und Heinz Bösel (Jürgen Haug) vielleicht sechs. Ich denke, da kann man schon sehr schön sehen, wie unterschiedlich die beiden vom Schicksal aneinandergeketteten Männer sind. Sie sind Kollegen, Gasthoftester in der Provinz. Während der jüngere, der hipstereske, gesundessende und sehr gern (und viel) redende Fellner die Zimmer und die Hotelanlage prüft, isst Bösel im Restaurant. Schnitzel, immer.
Sie sind wie Tag und Nacht, äußerlich wie innerlich. Am Anfang können sie sich auch nicht sonderlich gut leiden. Fellner ist ein wenig selbstverliebt, zum Abendessen holt er gern Trivial Pursuit-Karten hervor, um Bösel mit Allgemeinwissen zu brüskieren. Bösel ist sehr viel bodenständiger, er mag Schnitzel, er mag Bier und er gärtnert gern. Es dauert eine Weile, bis die beiden erste Gemeinsamkeiten entdecken und es sind auch recht ungewöhnliche Punkte, an denen sie endlich Schnittstellen finden, aber was solls. Aus Herr Fellner und Herr Bösel werden Kurti und Heinzi. Während sie durch die Lande ziehen, von unterschiedlichen Wirten (immer Senita Huskic) die immer gleichen Schnitzel und die immer besser schmeckenden Obstler serviert bekommen, werden Freunde aus den so unterschiedlichen Männern. Fellner spricht gern darüber, was in anderen Ländern, vor allem in Indien oder in Japan, so gesagt, getan und gegessen wird. Bösel ist meist skeptisch. Aber eine lange blühende Männerfreundschaft ist den beiden Schnitzelfans nicht vergönnt. Ehe sie sichs versehen, platzt ganz plötzlich der Tod mitten hinein in ihre Vergnügungsreise. Aus Arbeitskumpeln werden nun sogar so enge Freunde, dass man am Krankenbett Tiefsinniges austauscht.
"Indien" ist eine krachendkomische Komödie mit zwei grandiosen Widersachern, die sich nichts schenken. Da fliegen die Fetzen und es klatschen die Schmalzbrote. Es macht einen Heidenspaß, den beiden grantelnden und zickenden Männern zuzusehen, wie sie eine gemeinsame Sprache finden, trotz ihrer unterschiedlichen Dialekte. Und wenn die Komödie tragisch wird, dann hat man sie schon ins Herz geschlossen. Urs Stämpfli und Jürgen Haug geben ein tolles Paar ab und Senita als immer wieder andere Wirtin (oder Wirt) und als sehr gestrenge Frau Doktorist das i-Tüpfelchen auf einer sehr sehenswerten Geschichte einer Freundschaft bis in den Tod.
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Schnaps, Schnitzel und Indien
  · 27.02.19
Einigen oder sogar nicht wenigen Zuschauern dürfte bei der gestrigen Premiere von Indien der gleichnamige Roadmovie im Hinterkopf geschwebt haben, der 1993 in die Kinos kam und für gewisse Aufmerksamkeit sorgte, daneben zahlreiche Preise einheimste. Seine Vorlage, die Theaterfassung von Josef Hader und Alfred Dorfer, war schon auf vielen deutschsprachigen Bühnen zu Gast, derzeit spielt sie in der Vagantenbühne, dem kleinen  Privattheater im Souterrain des Delphi Filmpalastes, das vor kurzem sein 70-jähriges Jubiläum feierte und sich somit zu den ältesten Berliner Theatern zählen darf.
Das Stück ist schnell erzählt: Zwei auf den ersten Blick eher gegensätzlich anmutende Herren haben die Aufgabe, gemeinsam durch die österreichische Provinz zu touren und dabei diverse Gasthäuser auf die Einhaltung unterschiedlichster Vorgaben zu überprüfen, dabei auch Schnitzel und Schnaps nicht außen vor zu lassen. Während Bösel ein eher ruhiger Kandidat ist, der sich zwar schon mal in Rage reden kann, generell aber eher wortkarg ist, nervt sein ehrgeiziger Partner Fellner in feinstem Schweizerdeutsch mit irgendwelchen Lebenshalbweisheiten, auch über Indien, und Trivial-Persuit-Fragen. Dieser Umstand allein sorgt für viel Komik, harmonieren die beiden grundverschiedenen Typen Jürgen Haug als Bösel und Urs Stämpfli als Fellner doch perfekt miteinander. Die beiden reden herrlich aneinander vorbei, bis sie irgendwann über fremdländische Bräuche doch ein wenig in‘s Gespräch kommen und schließlich zusammen Karten spielen und mit indianischen Liebesbräuchen, Faschingskostümen, schlüpfrigen Geschenkideen und der Schikane der Wirtsleute eine Ebene gefunden haben, die sie einander überzeugend näher kommen lässt. Was auch die notwendige Basis für die Beziehung schafft, die sie am Ende unbedingt freundschaftlich miteinander umgehen lässt, wenn Fellner lebensbedrohlich erkrankt und Bösel nicht mehr von seiner Seite weicht.
Damit ist aber nicht alles erzählt, Regisseur Lars Georg Vogel lässt alle weiteren Rollen von einer Person spielen, Senita Huskić übernimmt sämtliche Wirtsleute, eine Ärztin und am Ende auch den Pfarrer. Sie spielt ebenfalls mit großer Intensität, allen ihren Rollen gemeinsam ist eine Sprachlosigkeit, die sie über Körperlichkeit wettmacht.
Ein sehr überzeugender und unterhaltsamer Theaterabend, das Publikum applaudiert lange...
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Ein seltsames Paar
  · 27.02.19
Am Anfang war es ein Theaterstück der österreichischen Kabarettisten Josef Hader und Alfred Dorfer. Daraus wurde ein Film, der 1993 großen Erfolg hatte. Nun kommt die Bühnenversion in der Berliner Vagantenbühne unter der Regie von Lars Georg Vogel heraus. 

Zwei staatlich autorisierte Kontrolleure von Hygienevorschriften in Hotels und Gaststätten ziehen durch baden-württembergisches Land, um eventuellen Mißständen auf die Spur zu kommen.  Beide sind gänzlich verschiedene Charaktere. Da ist der eher bürgerlich-konservative Heinz Bösel (Jürgen Haug), und ihm zur Seite der jüngere, neugierige und vom fernen Indien träumende Kurt Fellner (Urs Stämpfli). Bösel spricht ein gelegentlich etwas  brummig artikuliertes Schwäbisch, während Fellner ein hellwaches, klar prononciertes Schweizerdeutsch ins Feld führt. 

Die beiden haben anfangs nicht nur überhaupt keine Gemeinsamkeiten, sondern sie geraten gelegentlich auch aus nichtigem Anlaß in verbale Zwistigkeiten. Ihr eher tristes Reise-und Untersuchungsprogramm liefert  kaum aufmunternde Impulse. So nörgeln und kritteln sie sich durch eine lange Reihe eher deprimierender Schnitzeltests. Die von Kurt Fellner rezitierte Reiseplanung mündet in eine imposante Aufzählung württembergisch-badischer Ortsnamen, wodurch auch touristisch weniger renommierte  Orte wie das idyllische Enzklösterle eine Nennung erfahren. Diese Litanei umreißt aber  in drolliger Überhöhung auch das schier endlose, wenig Abwechslung bietende Programm ihrer Inquisitionstour. 

Gleichwohl finden die beiden Kontrolleure in kabarettistisch knappen Dialogen Schritt für Schritt näher zueinander und entwickeln gegenseitig ein wachsendes Verständnis für ihre jeweiligen Marotten. Die Stufen des Zusammenwachsens folgen einander in jeweils unterhaltsamen kurzen Sketch-Szenen. So wird der Wirt einer der besuchten Gaststätten (überaus komödiantisch: Senita Huskić, die sich auch noch in eine etwas hochnäsige Ärztin und später in einen verfrüht auftretenden Priester verwandelt) spottlustig heruntergeputzt und mit Obstschnaps übergossen. 

Die Szene, umrissen durch abgehängte Holzbretter und mit hölzernen Tischen und Stühlen als Gastraum definiert, wird dann für einen zweiten Teil mit  Plastikplanen in eine Krankenhausumgebung verwandelt. Der Grund: Kurt Fellner hat sich mit einem letztlich unheilbaren Leiden in ärztliche Behandlung begeben müssen. Nun bekommt der anfangs unbeschwert fröhliche Dialogton eine eher nachdenkliche Note, die bis zum aufbegehrenden "Warum ausgerechnet ich ?" reicht. Jetzt wird Heinz Bösel zum tröstenden Gesprächspartner für den zunehmend leidenden Kurt Fellner. Selbst das Geschenk eines Computer-Keyboards vermag den Patienten nicht dauerhaft aufzuheitern. Traumbilder und Hoffnungen bestimmen die Endphase einer sehr ungewöhnlichen Freundschaft. Was bleibt, ist lediglich die aus dem fernen Indien stammende versöhnliche Idee einer Wiedergeburt nach dem Tode. 

Das Premierenpublikum nimmt den unterhaltsamen Abend mit lebhaftem Beifall auf und dankt damit sowohl den drei Protagonisten wie dem Regisseur Lars Georg Vogel, dem Arrangeur der gut platzierten Akzente. 

Horst Rödiger
http://roedigeronline.de
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4.1
Durchschnittsnote aller Stücke
5 5
4 12
3 3
2 0
1 0
Kritiken: 20
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