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Bewertung und Kritik zu

GUT GEGEN NORDWIND 
nach dem Roman von Daniel Glattauer
Regie: Dominik Paetzholdt 
Premiere: 9. November 2018 (Gastspiel) 
Schlosspark Theater, Berlin

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Die WahrheitZum Inhalt: Eigentlich wollte Emmi Rothner nur ein Zeitschriften-Abonnement kündigen. Doch durch einen Buchstabenverdreher kommt ihre E-Mail nicht beim Verlag an, sondern bei Leo Leike. Dieser antwortet ihr, um das Missverständnis aufzuklären. Daraus entspinnt sich ein intensiver E-Mail-Kontakt, der beide nicht unberührt lässt.
Leo kommt die virtuelle E-Mail-Bekanntschaft nicht ungelegen, denn er ist alleinstehender Uni-Assistent für Sprachpsychologie und untersucht den Einfluss von E-Mails als Transportmittel von Emotionen. Doch schon bald lässt er dieses ,,Projekt" fallen, da Emmi nach und nach sein Herz erobert.
Und auch Emmi steigert sich in dieses virtuelle Liebesverhältnis hinein, das ihr Ablenkung von ihrem familiären Alltag verschafft. Es beginnt zu knistern in der Leitung und die Versuchung eines persönlichen Treffens steigt. Doch werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was dann?

mit Alexandra Kamp & Maximilian Laprell

Inszenierung: Dominik Paetzholdt


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4.0/5 Insgesamt 1 Bewertungen (1 mit Rezension)
2 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Liebesbeziehung mal anders
  · 10.11.18
Beeindruckend, was ein einzelner Buchstabe bewirken kann. Emmi Rothner, Website-Designerin, und Leo Leike, Kommunikationswissenschaftler, lernen sich ganz unbeabsichtigt kennen, Emmi vertippt sich bei der Emailadresse, will eigentlich nur ihr Abonnement für eine Frauenzeitschrift per Email kündigen. Leo reagiert erst, als er auch noch eine Weihnachtsrundmail von Emmi bekommt, von da an nimmt der digitale Briefwechsel zwischen den beiden gewaltig an Fahrt auf und entwickelt sich zu einer intensiven Online-Beziehung.
Vor gut 10 Jahren veröffentlichte Daniel Glattauer seinen oft sehr wortwitzigen Roman “Gut gegen Nordwind”, inzwischen ist er in 28 Sprachen übersetzt und in seiner Bühnenadaptation von vielen deutschsprachigen Theatern inszeniert. So hat auch Dieter Hallervorden das Stück im Frühjahr 2017 zu einem Gastspiel auf seine Bühne geholt, nun ist das Duo noch einmal für zwei Tage im Steglitzer Theater eingeladen, am 9. und 10. November. Wohin es auch Schulklassen zieht, findet dieser Roman doch Eingang in den Deutschunterricht. Die Liebesgeschichte läuft ja unter den Bedingungen moderner Kommunikationstechnik ab, dieser Aspekt macht den Roman auch für medienaffine jüngere Generationen lesenswert.
Alexandra Kamp und Maximilian Laprell spielen Emma und Leo, die Bühne ist hälftig geteilt und enthält jeweils Tisch mit Laptop, Stuhl und einen Garderobenständer, beides ein Spiegel der ganz unterschiedlichen Charaktere der beiden Protagonisten. Während Emmi, die zwar glücklich verheiratet ist, aber von ihrer Neugier auf das Leben und die Menschen nichts verloren hat, die treibende Kraft dieser immer mehr zu einer Liebesbeziehung werdenden Geschichte ist, agiert Leo etwas verhaltener und auch vernunftbetonter, kommt aber nicht umhin, sich immer mehr in diese Beziehung ziehen zu lassen. Die beiden leben eigentlich alles, was auch eine sich real entwickelnde Liebesbeziehung ausmacht, sie flirten, streiten, versöhnen sich wieder, verfallen zwischendurch auch mal dem Alkohol und kommen sich sehr nah. Endlich endlich planen sie ein Treffen: zuerst ein anonymes, später ein richtiges, als es schon fast zu spät ist, Leo für zwei Jahre weggehen und auch ihre Beziehung beenden möchte. Und dann, dann kommt ein zweites Mal die Macht der Buchstaben zum Tragen: Ein „a“ wird zu einem „i“ und prompt wird es Emmi unmöglich, Leo noch zu treffen, das Stück hat kein Happy-End. Aber irgendwie passt das auch, dramatisch geht es die ganze Zeit zu, wenn Emmi und Leo sich einander annähern und auch wieder voneinander entfernen.
Dominik Paetzholdt hat eine kurzweilige, temporeiche und spannende Inszenierung geschaffen, mit vielen Musikeinspielungen, lässt seine beiden Darsteller auch mal eine Mail des jeweils anderen lesen und die beiden Schwerverliebten auch räumlich sich hier und da fast unerträglich nah kommen. Alexandra Kamp und Maximilian Laprell funktionieren gut miteinander, auch wenn sie, optisch betrachtet, nicht wirklich miteinander agieren, außer für einen winzigen Augenblick, als sie sich bei ihrem anonymen Treffen kurz mit ihren Blicken streifen. Kamp spielt ihre Emmi sehr quirlig und leicht neurotisch, mit sehr viel Verve, Humor, Temperament und einigen rosa Accessoires, sogar mit einem pinkfarbenen Plüschherz. Laprell agiert als ruhigerer Gegenpol, lässt sich die Butter aber nicht vom Brot nehmen, antwortet aus der Sicht eines vermeintlich typischen Mannes, aber nicht weniger emotional, es macht Spaß, den beiden bei ihrer virtuellen und doch so realistischen Beziehungsentwicklung zuzuschauen.
Das Ende lässt vieles offen, zumindest hat es dem Autor die Möglichkeit gegeben, eine Fortsetzung zu schreiben. Die auch schon inszeniert ist, wieder von Dominik Paetzholdt und mit Alexandra Kamp. Das begeisterte Publikum kann seine Neugier also stillen ... oder sich eine eigene Fortsetzung denken ...
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