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Bewertung und Kritik zu

MÖRDER UND MÖRDERINNEN
von Hartmann Schmige
Regie: Thomas Schendel 
Premiere: 9. Februar 2019 
Schlosspark Theater, Berlin 

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Zum Inhalt: Berlin, rauschhafte Nacht, früher Morgen, Katerstimmung.
Dr. Rudolf Wagner entdeckt neben sich im Ehebett einen schrägen Typen. Der heißt Paul. Offensichtlich sind sie in der Nacht um die Häuser gezogen und haben womöglich sogar jemanden umgebracht. Aber erinnern können sie sich nicht so richtig.
Rudis Frau bringt die beiden auf Trab. Spuren suchen, Spuren vernichten. Zwecks Vertuschung wird ein zweiter Mord geplant. Eine Odyssee durch Kneipen, Bars, Galerien und Polizeiwachen beginnt.
Penner, Bardamen, Künstler, Genderbeauftragte und immer wieder Kommissar Knorr. Der hat Ischias, träumt von Frühverrentung, sitzt im maroden Polizeigebäude und sieht dem unvermeidlichen Zusammensturz entgegen.
Das Ganze ein Berlin-Comic, bei dem es scheppert und kracht. - Schepper! Dong! Bang! Bumm!

mit Philipp Sonntag, Irene Christ, Anne Rathsfeld, Oliver Nitsche, Mario Ramos, Karsten Kramer & Raimond Knoll

Regie: Thomas Schendel
Bühne & Kostüm: Stephan von Wedel
Musik & Sounds: Philippe Roth


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4.0/5 Insgesamt 2 Bewertungen (2 mit Rezension)
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Im Schicksal gefangen
  · 11.02.19
''Die Musikeinlagen werden nur eigestreut, weil sie Spaß machen, sie sind dramaturgisch vollkommen sinnlos, aber werden umso inbrünstiger dargeboten. Rosi (Anne Rathsfeld) ist z. B. nicht nur eine klischeehaft aufgeplusterte, karikierend aufgedonnerte und herrlich verruchte Bar-Dame, sie wildert auch - einfach, weil sie es kann - in Brechts "Dreigroschenoper" und singt mal eben nebenbei beim Gläserspülen ihre eigene Balladen-Version der "Seeräuber Jenny", und wenn Kommissar Knorr (Philipp Sonntag) melancholisch in seinem Büro sitzt und zuhört, wie durchs kaputte Dach die Regentropfen in die extra aufgestellten Zinkeimer tröpfeln, dann nimmt er den sanft dahinplätschernden Rhythmus auf, zückt seine Mundharmonika und intoniert eine lässige Blues-Melodie als wäre er Bruder von Blues-Papst John Mayall.

Die Zinkeimer dürften eine ironische Hommage an Bühnen-Berserker Frank Castorf sein, der es ja irgendwie schafft, diese Eimer in fast jede seiner Inszenierung unterzubringen. Aber das muss man als Zuschauer nicht wissen, so wie man auch nicht wissen muss, was es mit der angeblichen "Idee" von Eugène Labiche auf sich hat. Vielleicht ist es sogar besser, möglichst wenig zu wissen und von des Gedankens Blässe in keiner Weise angekränkelt zu sein, dann kann man das turbulente Treiben wahrscheinlich umso besser genießen.'' schreibt Frank Dietschreit auf kulturradio.de
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Mordsspaß aus der Hauptstadt
  · 10.02.19
Vor dem Hintergrund einer Idee von Eugène Labiche hat der erfahrene Drehbuchautor Hartmann Schmige hier einen Berlin-Comic vorgelegt, den Thomas Schendel auf der Bühne des Schlosspark Theaters inszeniert hat. Den Machern ist eine kurzweilige Handlung mit Lokalkolorit gelungen, die jede Menge aktueller Seitenhiebe serviert.

Nach durchzechter Nacht findet sich Rudi (Mario Ramos) im häuslichen Ehebett an der Seite von Paul (Oliver Nitsche) wieder. Nach dem ersten Schreck über das Zusammentreffen an dieser Stelle können sich beide nur noch erinnern, nach einem Galeriebesuch eine Bar aufgesucht zu haben. Außerdem ist da aber auch noch die dumpfe Erinnerung, einen Mord erlebt zu haben, von dem sie nicht wissen, ob sie ihn womöglich auch begangen haben. Rudi ist Jurist und Vertreter für Berufsunfähigkeitsversicherungen, Paul hatte das Catering für die Vernissage in der Galerie übernommen. 

Dann nimmt Rudis Frau Hanna (Irene Christ) die Sache in die Hand. Es werden Spuren verwischt und neue gelegt, und einen Augenblick lang wird sogar versucht, den Hergang des einen Mordes durch einen zweiten zu vertuschen. Natürlich kommt auch der Kriminalkommissar Herr Knorr  (Philipp Sonntag) ins Spiel, der eigentlich nur noch von seiner Frühpensionierung träumt und samt seinem Assistenten, Herrn Möller (Raimund Knoll) sich ohne große Begeisterung an die Lösung des Falles begibt. Im baufälligen Polizeigebäude, durch dessen Decke es ständig in aufgestellte Eimer tropft, ist aber die Genderbeauftragte Frau Mühle (Irene Christ) die heimliche Regentin, die mit Akribie darüber wacht, dass in sämtlichen Akten geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen verwendet werden - ein Zeit-Zeichen besonderer Art, das für amüsante Dialoge genutzt wird, die den partiellen Widersinn dieser Vorschrift bloßlegen.

Die Spurensuche vor Ort führt auch in die Bar von Rosi, die herrlich aufgedonnert von Anne Rathsfeld verkörpert wird. Sie spielt auch Frau Rauschenbach, die Galeristin, bei der René (Karsten Kramer) seine Skulpturen ausstellt. Kramer seinerseits ist auch auch der Penner Hotte, der seine Habseligkeiten in einem Einkaufswagen transportiert und sich als "Wohnungssuchender" titulieren lassen muss, auch wenn er keine Wohnung sucht, nur weil der Begriff "Obdachloser" inzwischen in Verruf geraten ist.

Am Ende stellt sich heraus, daß alles ganz anders war, wobei die Details hier nicht verraten werden sollen. Klar ist lediglich, dass dieses Finale etwas abrupt eintritt und keineswegs als Zusammenfassung mit Gesang gestaltet ist. 

Das Bühnenbild mit seinen suggestiven Projektionen, die sich blitzschnell verwandeln lassen, stammt von Stephan von Wedel. Die präzise Musik-und Soundregie ist Philippe Roth zu danken.

Der Reiz der Aufführung liegt im geschickt eingesetzten Zeitbezug und in vielen kleinen schauspielerischen Sonderleistungen, die dem Premierenpublikum hörbar artikuliertes Vergnügen bereiten. Besonders die aalglatte Intensität von Mario Ramos und sein Slapstick-Kampf mit der Hose in der Ankleideszene zu Beginn bleiben ebenso in Erinnerung wie Philipp Sonntags ambivalentes Schwanken zwischen Berufsethos und Ruhestandssehnsucht. Aber auch die kumpelhafte Präsenz von Oliver Nitsche und die versierten Rollenwechsel von Irene Christ, Anne Rathsfeld und Karsten Kramer verdienen eine Hervorhebung. 

Am Schluß Blumen und viel Beifall vom Premierenpublikum für alle Beteiligten. 

Horst Rödiger
http://roedigeronline.de
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