Der flie­gen­de Hol­län­der

Bewertung und Kritik zu

DER FLIE­GEN­DE HOL­LÄN­DER 
von Richard Wagner
Regie: Herbert Fritsch 
Premiere: 27. November 2022 
Komische Oper Berlin 

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Zum Inhalt: Blutrote Segel, eine untote Besatzung und ein verfluchter Kapitän – der fliegende Holländer versetzt jeden gestandenen Seemann in Angst und Schrecken. Richard Wagner fängt den Geist des sagenumwobenen Holländers in einer ebenso geheimnisvollen wie monumentalen Partitur ein. Wagners erste Oper zu seinem Lebensthema: der Erlösung im Tod durch die Liebe, inszeniert von Herbert Fritsch.

Der fliegende Holländer ist dazu verdammt auf ewig die Weltmeere zu kreuzen. Um die Liebe einer bis in den Tod treuen Frau zu gewinnen und so seinem Fluch zu entgehen, kehrt er alle sieben Jahre an Land zurück. Doch seine Hoffnung schwindet, er wünscht sich den Tod. Da trifft er auf Daland und seine Besatzung, die in einer Bucht Unterschlupf vor dem wütenden Sturm gefunden haben. Der Holländer schöpft neue Kraft, denn tief beeindruckt von den Reichtümern an Bord des geisterhaften Schiffs des Holländers, lädt Daland ihn ein, seine Tochter Senta kennenzulernen. Herbert Fritsch, das unartige Kind der Regiezunft, der mit seinem hochmusikalischen und ultrakörperlichen Regiestil seit einigen Jahren nicht nur die Schauspiel-, sondern auch die Opernbühnen des Landes aufmischt, inszenierte an der Komischen Oper Berlin zuletzt Mozarts Don Giovanni. Mit Wagners Frühwerk Der fliegende Holländer, in dem folkloristische Chöre, dramatische Balladen und die furiose Wucht der Naturgewalten durchs Orchester brausen, nimmt Fritsch sich eines weiteren Repertoire-Klassikers an und zeigt so dessen enge Verwandtschaft mit anderen geisterhaften Piratengeschichten à la Fluch der Karibik.

Musikalische Leitung: Dirk Kaftan
Inszenierung und Bühnenbild: Herbert Fritsch
Bühnenbild-Mitarbeit: Andrej Rutar
Kostüme: Bettina Helmi
Dramaturgie: Julia Jordà Stoppelhaar
Chöre: David Cavelius
Licht: Carsten Sander


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Komische Gespenstergeschichte
  · 29.11.22
''Herbert Fritsch, Andrej Rutar und Bettina Helmi haben eine fantasievolle Bühne und eine treffsichere Ausstattung geschaffen. Das Segel an dem von 8 Komparsen in Lumpen- und Gespensterlook hin- und herschaukelnden Minischiff ist blutrot. Die Matrosen von Kapitän Daland, hervorragend gesungen und gespielt von Jens Larsen, sind in leuchtendes Weiß getaucht. Sie strahlen und grinsen perfekt die ganze Vorstellung. Überhaupt sind alle Darsteller hervorragend präpariert und fokussiert. Präzises Spiel und Slapstick ersetzen schon mal eine fehelende Schiffsreling, und die pantomimischen Einlagen sind sehr unterhaltend. Günter Papendell als Holländer erinnert an Jonny Depp in Fluch der Karibik. Ja, das ist komisch, und das ist in einer Komischen Oper auch erlaubt. Nicht alle Zuschauer sehen das so, und einige verlassen kopfschüttelnd die Vorstellung. Aber gerade hier liegt der Unterschied zu den vielen „ernsten Häusern“. Zu viel Ernsthaftigkeit und Vorsicht kann schnell langweilig sein, was man in der Fidelio-Premiere an der Deutschen Oper vor zwei Tagen live erleben konnte.

Herbert Fritsch hat damit überhaupt kein Problem, er nimmt das Stück, den Kontext, das Publikum und auch Ende auch sich selbst - lässt er sich doch im Schlussapplaus auf dem Regiestuhl sitzend in den Bühnenhimmel schweben - mit viel Humor gewaltig auf den Arm. Und das gesamte Team folgt ihm: der Chor ausgelassen und Fratzen ziehend, die Solisten um den wunderbar komischen Günter Papendell, die damenhafte Daniela Köhler als Senta, den schon erwähnten Jens Larsen und das ausgelassene Ensemble. Dirigent Dirk Kaftan folgt mit Orchester, Chor und Solisten der klaren Inszenierungsidee mit einer schwelgerischen und kraftvollen Interpretation der Partitur. Die angeblich furchterregenden Erlebnisse der stürmischen Seefahrt Wagners, hört man so als ausgelassene Rufe der Matrosen. Ein sehr intensiver Opernabend!!'' schreibt Steffen Kühn am 29. November 2022 auf KULTURA-EXTRA
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Expressionistischer als gewohnt
  · 28.11.22
''Schwierig am "Fliegenden Holländer" sind vor allem die beiden Killer-Titelpartien. Daniela Köhler – sie singt im kommenden Jahr Brünnhilde in Bayreuth – hat für die Senta damenhafte Belcanto-Schreie im Revers. Wahre Herzstich-Töne, wie ich sie noch bei keiner Sängerin der Senta je erlebt habe. Günter Papendell als Holländer: aasig, moritatenhaft deklamierend, ein Mackie Messer auf See. Sie machen das ganz toll. Auch etliche im Ensemble, darunter Jens Larsen (Daland) und Caspar Singh (Steuermann), habe ich nie besser gehört oder gesehen als hier. Alles klingt eine Ecke expressionistischer als gewohnt. Und rechtfertigt sich durch eben diese Differenz.

Also: vielleicht Fritschs beste Opernarbeit bislang. (Sein "Don Giovanni" vor acht Jahren dagegen war für diese Art des Klapparatismus-Theaters ein zu langes und zu kompliziertes Stück ...). Übrigens ist der Mann einer der besten Chor-Regisseure, die ich überhaupt kenne, und kann damit hier prunken. Der Chor ist darstellerisch überragend. Ein Abend wie ein Faustschlag.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
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