Katja Kabanowa

Bewertung und Kritik zu

KATJA KABANOWA 
von Leoš Janáček
Regie: Jetske Mijnssen
Premiere: 27. November 2021 
Komische Oper Berlin 

Zum Inhalt: Die international erfolgreiche Sopranistin Annette Dasch interpretiert Leoš Janáčeks meisterhaft-beklemmendes Porträt einer jungen Frau, die gegen ihre Lebensumstände aufbegehrt. Ein Shootingstar leitet die Produktion am Dirigentenpult: die litauische Dirigentin Giedrė Šlekytė. Regisseurin Jetske Mijnssen kehrt an ihre einstige Wirkungsstätte zurück und wirft einen neuen Blick auf die Tragödie einer außergewöhnlichen Frauenfigur.

Große Sehnsucht, biedere Moral und hartherzige Zeitgenossen – auf der Suche nach einem erfüllten Leben durchbricht die junge Katja die Ehekonvention. Ihr ganzes Leben schon ringt sie mit sich, ihrer Welt, ihrer Außenwelt. Getrieben und geplagt von unerfüllten Leidenschaften, ist Katjas Kampf gegen alle anderen letztlich ein Aufbegehren gegen die eigene Verbitterung. So endet ihr Sprung ins vermeintliche Glück im tragischen Untergang: Ihrer lebenslangen Flucht vor sich selbst setzt Katja mit ihrem Freitod ein Ende.

Musikalische Leitung: Giedrė Šlekytė
Inszenierung: Jetske Mijnssen
Bühnenbild: Julia Katharina Berndt
Kostüme: Dieuweke van Reij
Dramaturgie; Simon Berger
Chöre: David Cavelius
Licht: Mark van Denesse


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Sehenswert
  · 03.12.21
''Annette Dasch singt die Partie bravourös. Die Stimmungen der Figur, ihre Ängste und Sehnsüchte, all das kann man bei ihr hören und – sehen. Die Mühe, die es Katja kostet, in ihrem Ehegefängnis zu funktionieren, das erotische Verlangen, das sie zu unterdrücken versucht, und schließlich die Leidenschaft, als sie dem Mann ihrer Träume begegnet. Doch Jetske Mijnssen hat keine kitschige Liebesszene inszeniert. Man sieht wie Katjas Gefühle verrücktspielen. Sie will sich abwenden, doch das gelingt ihr nicht. Angst und Begehren ringen miteinander.

Die Inszenierung deutet Gefühle hochsensibel aus. Nur eines fehlt – das Gesellschaftspanorama. Janáčeks Oper beschreibt eine Kleinstadt mit vielen sozialen Zwängen, bei Jetske Mijnssen geht es um Individuen. Und genau das ist das Heutige. Katja glaubt an Normen und Werte, die vielleicht gar nicht existieren, doch sie kann nicht aus ihrer Haut. Sie empfindet ihren Ehebruch als Schuld und bringt sich am Ende um. Es ist hochbewegend – psychologisch dichtes Musiktheater, gut gesungen und gespielt, nicht nur von Starsopranistin Annette Dasch, sondern auch vom Rest des Ensembles. Sehenswert.'' schreibt Oliver Kranz auf rbbKultur
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Frauenpower
  · 28.11.21
''Sieben Frauen sorgten kraft ihrer künstlerischen Power dafür, dass die gestrige Premiere von Katja Kabanowa an der Komischen Oper Berlin zu einem unvergesslichen Triumph geriet: Allen voran Annete Dasch in der Titelrolle! Um den Weltstar war es in der letzten Zeit, so schien es jedenfalls, ein bisschen stiller als sonst geworden; ich selbst erlebte sie zuletzt bei ihrem sensationellen Elsa-Comeback bei den Bayreuther Festspielen 2019 - seither sah und hörte ich sie leider nicht mehr. Ihre Stimme ist noch mehr "gereift", hat in den Mittellagen kräftig zugewonnen; und auch darstellerisch verblüfft sie ungemein - bei ihrer Schüttelfrost-Szene vor Katjas Gifttod stockt einem der Atem. / Und auch Karolina Gumos (als Katjas jüngere Freundin) sowie Doris Lamprecht (als böse Schwiegermutter Kabanicha) fallen nicht bloß auf, nein, nein, sie singen, spielen auch ganz fulminant. Die erst 32jährige litauische Dirigentin Giedrė Šlekytė holt aus allen - und vor allem aus den Musikerinnen und Musikern des Orchesters der Komischen Oper Berlin - heraus, was irgendwie herauszuholen geht, und schnappt dabei nicht über; sie hält Maß, und sie behält die Übersicht - bei Janacek-Musik an sich nicht einfach zu bewerkstelligen.

Drei je nach dem szenischem Gebrauchtwerden geradlinig nach links und rechts fahrende überdimensionale Zimmer mit jeweils drei Riesenholztüren zu allen Seiten hin und jeweils einem Tisch sowie zwei, drei oder vier Stühlen (Bühnenbild: Julia Katharina Berndt) versinnbildlichen das geschlossene Familien-"Gefängnis" in dem Städtchen Kalinow am Wolga-Ufer - hier als ungeliebte Ehegattin und verhasste Schwiegertochter gehalten zu werden, macht natürlich derart depressiv und wirr, dass Selbsttötungsabsichten nur noch folgerichtig sein konnten. / Die Inszenierung von Jetske Mijnssen hebt von Anfang an in diese desparate Richtung ab. / Kostümdesignerin Dieuweke van Reij ließ saubere und ordentliche Kleinbürgerklamotten schneidern usw. usf.'' schreibt Andre Sokolowski am 28. November 2021 auf KULTURA-EXTRA
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