LAB_WORKS COVID_19 (Staatsballett Berlin)

Bewertung und Kritik zu

LAB_WORKS COVID_19
Choreographien aus der Isolation
Premiere: 3. September 2020 
Staatsballett in der Komischen Oper Berlin 

Zum Inhalt: Die erste Bühnen-Neuproduktion des Staatsballetts Berlin nach dem Lockdown wird gestaltet von Choreographen aus dem Ensemble: In der Zeit der häuslichen Isolation haben Tänzer*innen des Staatsballetts Berlin für sich selbst und/oder die im Haushalt befindlichen Kolleg*innen Choreographien entwickelt. Unter dem Titel »LAB_WORKS COVID_19« werden diese Arbeiten zum ersten möglichen Spieltermin live auf der Bühne aufgeführt werden. Nicht nur im Zuschauerraum, auch auf der Bühne entsprechen die Verhaltensweisen an diesem Abend den Regeln des Robert-Koch-Instituts.

Die Uraufführungen, derzeit neun an der Zahl, reichen von Soli über Pas de deux bis hin zu einer Arbeit mit sechs Interpreten, deren räumliche Distanz Teil des choreographischen Denkens ist. Dabei wird ein weites Spektrum an Tanzsprachen dargeboten.

Teil des Konzepts ist, den Entstehungsprozess filmisch zu begleiten, von der häuslichen Ideen-Findung bis zu den Proben, die im Studio und auf der Bühne stattfinden, um dem Publikum die emotionale Seite des Tänzerberufs in der Pandemie deutlich machen zu können.


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beeindruckende Bandbreite der Choreographien aus der Isolation
  · 05.09.20
Diese „Choreographien aus der Isolation“ bieten eine erstaunliche Bandbreite: Ross Martinson erzählt in seinem komödiantischen Solo „The Zero“ vom Individuum, das ganz auf sich zurückgeworfen ist. In „LOve distaNT“ verhandeln Marco Arena und Vivian Assal Koohnavard mit Seilen, wie viel Nähe die Corona-Regeln zulassen und wie viel Abstand notwendig ist.

Für das Finale hat Johnny McMillan mit sechs Kolleg*innen „Parliament“ einstudiert: eine Masse wogender, ekstatisch zuckender Körper im Stil von Sharon Eyal, aber auf die Corona-Zeit übersetzt: Jede*r einzelne ist für sich, isoliert.

Ein Glücksfall für das Staatsballett Berlin ist, dass – genauso wie bei der Compagnie Toula Limnaios – einige Ensemble-Mitglieder im selben Haushalt zusammenleben. So waren in beiden Fällen einige mitreißende Passagen möglich, die ganz auf Corona-Abstand verzichten können. In „Waves of Flesh“ erzählen Dana Pajarillaga und Lukas Malkowski, wie sie gemeinsam als Paar die Zeit des Lockdowns durchlebten.

Als Momentaufnahme nach den ersten Premieren der Berliner Corona-Spielzeit bleibt folgender Eindruck: In den Sprechtheatern wurde spürbar, wie eng das Korsett der Corona-Regeln sein kann. Einigen Abenden war deutlich anzumerken, dass sie verzweifelt nach Auswegen suchten, wie die Pr-Corona-Plänte trotz der ungewohnten Abstandsregeln umgesetzt werden können. Das endete z.B. in vorproduzierten Videos, wirkte manchmal hölzern und leblos.

Zum Auftakt der Tanz-Saison war wesentlich mehr Lebendigkeit und Spielfreude zu spüren. Mit den Corona-Regeln gingen die Tänzer*innen entweder offensiv-ironisch um oder sie waren gar nicht relevant, da die Akteur*innen liiert sind oder in einer WG leben. In den besten Momenten dieser Tanz-Abende schien Corona plötzlich ganz weit weg und kein Thema mehr zu sein.

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