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Bewertung und Kritik zu

WEST SIDE STORY
von Leonard Bernstein
Regie: Barrie Kosky, Otto Pichler 
Premiere: 24. November 2013 
Komische Oper Berlin 

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Zum Inhalt: Mit dem Musical, das auf Shakespeares zeitloser Liebesgeschichte von Romeo und Julia basiert, haben Leonard Bernstein und Jerome Robbins Musiktheatergeschichte geschrieben. In der Berliner Inszenierung konzentrieren sich Regisseur Barrie Kosky und Co-Regisseur und Choreograph Otto Pichler ganz auf das Wesentliche und versetzen die Liebestragödie ins Hier und Jetzt: Mit elf Solisten und neunzehn Tänzern spüren sie in einem offenen Bühnenraum den Emotionen der Figuren nach. Leonard Bernsteins Partitur erklingt in großer Original­besetzung mit dem Orchester der Komischen Oper Berlin – eine Seltenheit im normalen Musicalbetrieb. Sie vereint treibende Rhythmen und ergreifend schöne Songs.

Musikalische Leitung: Koen Schoots
Inszenierung: Barrie Kosky, Otto Pichler

Choreographie: Otto Pichler
Bühnenbild Konzept: Barrie Kosky
Bühnenbild und Kostüme: Esther Bialas
Dramaturgie: Johanna Wall
Chöre: David Cavelius
Licht: Franck Evin

TRAILER


 
Meinung der Presse zu 

„West Side Story“

Komische Oper Berlin


Die Welt

★★★★☆

Tagesspiegel
★★★★★

Süddeutsche Zeitung
★★★★☆
 


Berliner Zeitung
★★★★★

Zitty
★★★★☆

tip
★★★★★

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Mitreißender Publikumsmagnet
  · 27.02.19
Passend zu den tropischen Hochsommer-Temperaturen prallten an der Komischen Oper die beiden verfeindeten Gangs, die alteingesessenen Jets und die neuzugezogenen Sharks, in hitzigen Gefechten aufeinander. Leonard Bernsteins West Side Story, die im November 2013 von Barrie Kosky neu inszeniert wurde, ist mit ihrem Temporeichtum, ihren Ohrwürmer-Songs (Maria oder America) und ihrem Mix aus jüdischen, Latino- und Jazz-Einflüssen einer der Publikumsmagneten des Hauses.

Die Handlung wurde aus der New Yorker Bronx der 1950er Jahre in eine nicht näher bezeichnete Metropole der Gegenwart verlegt. Von Vorurteilen und Rassismus geprägte Gruppen versuchen zwanghaft, sich von einander abzugrenzen. Dabei sind die feindlichen Lager, die sich auf der fast leeren Bühne duellieren, optisch kaum zu unterscheiden. Was sie wirklich trennt, sind die Barrieren im Kopf.

Testosterongeladen gehen die durchtrainierten Tänzer in den beeindruckenden Choreographien von Otto Pichler aufeinanderlos. Die Berliner Morgenpost fühlte sich an Streetdance und David Finchers Fight Club erinnert: roh, ungeschliffen, viril. Für die Liebe von Maria zu ihrem Tony ist hier kein Platz, ebensowenig wie es für Julia ein Happy-end mit ihrem Romeo, deren Geschichte bei der West Side Story bekanntlich Pate stand.

Absehbar, dass diese Zusammenballung von Hass und aus Unsicherheit über die eigene Identität resultierender Aggressivität tödlich enden muss. Für das oft süßlich endende Musical-Genre ist diese pessimistische Botschaft nicht selbstverständlich.

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Tragische Liebe, grandios gesungen und getanzt!
  · 27.02.19
Gestern Abend durfte ich endlich, endlich auch die grandiose Barrie Kosky Variante von West Side Story sehen. Für mich das erste Mal, dass ich die Story live sehe anstatt den Musicalfilm von 1961. Und es war einfach großartig! Zur Story selbst muss man ja eigentlich nichts mehr sagen, ich glaube, die ist hinlänglich bekannt, beziehungsweise zumindest die Geschichte auf der sie beruht. Statt Verona geht es hier um New York und statt zweier Familien, die im Clinch liegen, sind hier zwei Jugendgangs im ständigen Kampf: die amerikanischen Jets und die Sharks, die aus Einwandererkindern aus Puerto Rico bestehen. Tony, der früher zu den Jets gehörte, hat mittlerweile einen Job und versucht etwas Besseres aus sich zu machen. Maria, die Schwester des Sharks-Anführers Bernardo, ist gerade erst aus Puerto Rico angekommen und träumt ebenfalls von einem besseren Leben. Als die beiden jungen Leute aufeinander treffen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Sie versuchen, ihre jeweilige Herkunft zu vergessen und einen Weg für sich zu finden, aber ihre Liebe ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Obwohl die Gangkämpfe männerdominiert sind und Frauen dort nichts verloren haben, ist Barrie Koskys West Side Story voller starker Frauen. Zuallererst natürlich Maria, die von Alma Sadé gespielt wird. Die durfte ich in der letzten Zeit bereits als zauberhafte Dorothy in Der Zauberer von Oz sehen und als willensstarke Hodel, eine der drei Töchter in Anatevka. Beide Male war sie wunderbar und auch als fröhliche Maria, die sich so unsterblichen in den schönen Tony verliebt und die in dem für sie ganz neuen Land nur glücklich werden will, ist sie wieder absolut überzeugend. Aber Anita, gespielt von der grandiosen Sigalit Feig, ist nochmal  ein ganz anderer Kaliber!  Im Gegensatz zu der süßen Maria ist sie wild und rassig, mutig und entschlossen, sexy, aber auch verletzlich. Ihre Version von „America“, in der sie zusammen mit den Shark Girls über die Vorteile und Nachteile des neuen Lebens in den USA spricht, ist unbestreitbar das absolute Highlight des Musicals!
Aber natürlich sind auch die Jet-Jungs und die rebellischen und tätowierten Sharks nicht zu verachten, die in eindrucksvollen Tanz-Kampfszenen aufeinander treffen. Tolle Musik, großartige Stimmen, Tony (Johannes Dunz) und Maria (Alma Sadé) passen wunderbar zueinander, sowohl vom Aussehen her als auch von den Stimmen, sie harmonieren wunderbar und am Ende, hach, am Ende leidet man so sehr mit den beiden unglücklich Liebenden mit. Tragische Liebe vom Allerfeinsten, nicht verpassen, Barrie Koskys wunderbare West Side Story in der Komischen Oper Berlin.
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