Madre®

Bewertung und Kritik zu

MADRE®
von Marta Barceló
 
Regie: Réka Kincses 
Premiere: 29. April 2022 
Heimathafen Neukölln, Berlin

Zum Inhalt: Suche Tocher, biete Mutter. MADRE® ist ein Stück über Liebe und Sehnsucht, über Verabredung und Verbindlichkeit, aber auch über deren käuflichen Wert. 

Das Stück erzählt von einer ganz besonderen Beziehung zwischen einer Mutter und einer Tochter.
Die Tochter hat im Leben alles erreicht. Sie ist stark und erfolgreich und ein Profi im Erschaffen von Bildern eines glücklichen Lebens. Sie leitet eine riesige Werbeagentur. Nur eines fehlt ihr: eine Mutter. 

Die Mutter dagegen lebt in engen Verhältnissen. Seit sie verwitwet ist, hat sie mehr Zeit denn je. Für eine Tochter sowieso. Und ihre kleine Rente könnte auch eine Aufbesserung vertragen. Die Mutter wendet sich also an die Tochter mit einem Angebot, welches diese nicht ausschlagen kann. Die beiden bilden entgegen aller Widrigkeiten eine atypische Familie, in der die eine jeweils das verkörpert, was der anderen fehlt.

Mit: Wera Herzberg und Inka Löwendorf

Regie: Réka Kincses
Musik und Regieassistenz: Daniel Baumann
Bühne: Julia von Schacky
Kostüm: Helene Moeller

Produktionsleitung: Carolin Walter
Technische Leitung: Peter Rachel

Ton- und Lichttechnik: Tobi Bischoff
Bühnentechnik: Chris Baxter, Phillip Hahn, Peter Horn, Werner Leidig, Karsten Lemke, Christian Polovitzer


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
„Die höchste und tiefste Liebe ist die Mutterliebe."
(Ludwig Feuerbach)

Die Beziehung zwischen einer Mutter und ihrer Tochter besteht aus einer reiner und selbstloser Liebe und ist unglaublich stark. Das ist auch der Grund, warum das Theaterstück MADRE der Regisseurin 
Réka Kincses sofort mein Interesse geweckt hat. So besuchte ich am Freitag, den 29. April 2022, die Inszenierung der mallorquinischen Dramatikerin Marta Barceló (übersetzt von Birgit Kirberg), die mich sehr stark berührt hat.

Doch wovon handelt das Theaterstück MADRE?
Eine Rentnerin lebt alleine in ihrer Wohnung und fühlt sich einsam, da sie keinen hat. Sie gibt eine Anzeige auf, in der sie angibt, dass sie eine Tochter sucht, für die sie die Rolle einer Mutter übernehmen würde. Auf diese Anzeige hin meldet sich eine junge Frau. Gemeinsam einigen sie sich auf einen Vertrag, der ihre außergewöhnliche Mutter-Tochter-Beziehung regelt. Selbst die Zahl der Besuche und der gemeinsamen Mittagessen wird detailliert bestimmt. Hat so eine Beziehungsform Erfolg oder ist es ein reines Geschäftsmodell ohne Gefühle?

Wera Herzberg spielt auf eine authentische und herzzereißende Art und Weise Felicitas, eine Witwe, die für die Aufbesserung ihrer kleinen Rente ihre Dienste als Mutter anbietet. Seit dem Tod ihres Mannes fühlt sie sich einsam und will wieder einen Sinn im Leben haben. Ihre Rolle als sorgende und liebende Mutter nimmt sie daher sehr ernst und erfüllt ihre Aufgabe sehr gewissenhaft. Sehr überzeugend und emotional von Wera Herzberg dargeboten.

Inka Löwendorf überzeugt auf ganzer Linie in ihrer Rolle als Anna. Anna hat alles in ihrem Leben erreicht. Sie ist eine toughe und erfolgreiche Karrierefrau. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los. Als Waise musste sie schon in ihrer Kindheit das Gefühl der Einsamkeit und des Zurückgestossenseins erfahren. Das hat sie bis heute geprägt. So kann sie auch als Erwachsene keine Bindungen eingehen und ist unnahbar. In ihren bisherigen Beziehungen hat sie sich als schwierig gezeigt. Es kommt ihr daher gelegen, dass sie die Beziehung zu ihrer neuen Mutter durch einen geschäftlichen Vertrag definieren kann. Wie die erfolgreiche Frau Glück inszenieren kann, weiß sie, schließlich führt sie eine erfolgreiche Werbeagentur. Sehr ehrlich und bewegend von Inka Löwendorf gespielt.

MADRE ist ein Stück über Liebe zwischen Mutter und Tochter, über Einsamkeit in einer anonymen Welt und über Sehnsucht nach einer glücklichen Familie. Und was bedeutet überhaupt Familie? Kann man die Liebe einer Mutter und die familiäre Idylle kaufen? Die Musik des Regieassistenten Daniel Baumann sorgt dafür, dass die Emotionalität des Theaterstücks unterstrichen wird und man noch mehr ergriffen wird.

Mein Fazit: Das Theaterstück MADRE ist sehr berührend und ruft verschiedene Gefühle beim Zuschauer hervor. Am Anfang habe ich sehr viel gelacht, da man auf eine humorvolle Art und Weise mit den typischen Merkmalen einer Mutter-Tochter-Beziehung konfrontiert wird. Und am Ende habe ich viele Tränen vergossen. Dadurch, dass nur zwei Darstellerinnen auf der Bühne stehen, ist das Stück sehr intensiv. Die beiden Darstellerinnen spielen sich mitten ins Herz des Publikums und man fühlt und lacht mit ihnen. Eine außergewöhnliche, herzliche und sehenswerte Geschichte auf der Bühne des Heimathafen Neukölln!

Parktische Hinweise: Das Theaterstück MADRE dauert 90 min. (ohne Pause) und ist zum Teil mit Übertiteln in Englisch und Spanisch. Mütter und Töchter bekommen ein gemeinsames Ticket zum Preis von 13,00 Euro pro Person.

Text © E. Günther (Blogseite "Mein Event-Tipp")
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