As You Fucking Like It

Bewertung und Kritik zu

AS YOU FUCKING LIKE IT 
nach William Shakespeare
Regie: Bastian Kraft 
Premiere: 18. November 2022 
Deutsches Theater Berlin 

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Zum Inhalt: "Die ganze Welt ist eine Bühne, und alle Männer und Frauen sind nur Spieler", beziehungsweise Spieler:innen, die hier zu viert auf der Bühne die Hauptfigur Rosalinde spielen. Oder spielen sie einen elisabethanischen Knabenschauspieler, der die Rolle der Rosalinde spielt? Oder eine postfeministische Schauspielerin, die einen elisabethanischen Schauspieler spielt, der die Rolle der Rosalinde spielt, die sich wiederum im Stück als Mann verkleidet, der dann spielerisch eine Frau darstellt?

Rosalinde jedenfalls ist das Zentrum des Verwirrspiels, das im Wald von Arden etlichen Figuren den Kopf verdreht. Doch wenn die Liebe sie auch alle zu Narren macht, so bleibt ihr Wortwitz dabei stets messerscharf und das letzte Mittel, sich in einer aberwitzig verdrehten Realität zu behaupten. Der Wald von Arden erscheint als Ort, an dem sämtliche Regeln vorübergehend außer Kraft gesetzt sind: ein Rückzugsort für die von der Gesellschaft Ausgestoßenen, ein utopischer Ort einer autonomen Gegengesellschaft mit ihren verlockendem Freiheitsversprechen, an dem all die Zufluchtsuchenden sich und die Liebe erst neu finden müssen. Im lustvoll-subversiven Aushebeln festgefügter Normen unterzieht Bastian Kraft Wie es euch gefällt einer queeren Lesart und zeigt eine Gender-Komödie, die als befreiendes und berührendes Verwirr- und Verwandlungsspiel den Klassiker neu befragt.

Regie: Bastian Kraft
Bühne: Peter Baur
Kostüme: Jelena Miletić
Musik: Pollyester
Video: Jonas Link
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie: Franziska Trinkaus


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Queeres Empowerment und dennoch erstaunlich nah an Shakespeare
  · 18.11.22
Großen Jubel gab es für das alternative Ende: statt wohlgefälliger Auflösung in tradierte Heteronormativität bieten Kraft und seine Mitstreiter*innen ein queeres Empowerment. Der von Hollywood weichgespülten Botschaft der mit sieben Oscars überhäuften Historien-Schnulze „Shakespeare in Love“ (1997) werfen sie vor, dass der über #metoo-Skandale gestolperte, damals als  Tausendsassa gefeierte Harvey Weinstein und seine Hauptdarstellerin Gwyneth Paltrow die Verhältnisse nur zementierten. Caner Sunar, der schon in Bastian Krafts Drag-Revue „ugly duckling“ ein zentraler Protagonist war, erinnerte sich zu Beginn der Show an seine Kindheit, als Paltrow für ihn eine Ikone war und er mit pinkem Handtuch heimlich vor dem Spiegel ihren Oscar-Auftritt imitierte. Doch heute, knapp 25 Jahre später, macht das DT-Ensemble deutlich: damals wurde vor allem das Bekenntnis zur Heterosexualität prämiert. Dem setzen die vier ein launig vorgetragenes, dennoch kraftvolles Plädoyer für queere Vielfalt entgegen.

Trotz mancher unterhaltsamer Momente bleibt nach knapp 100 Minuten der Eindruck, dass die Berliner „As you fucking like it“-Revue hinter Bastian Krafts letzten Münchner Drag-Inszenierungen zurück bleibt: sie surft nicht so elegant zwischen Vorlage und Meta-Ebenen wie seine „Lulu“ im Marstall und sie ist auch kein so rasantes Gag-Feuerwerk wie seine „Was der Butler sah“-Boulevard-Theater-Hommage/Persiflage, die vom Marstall auf die große Residenztheater-Bühne umziehen durfte.

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