Die Kronprätendenten

Bewertung und Kritik zu

DIE KRONPRÄTENDENTEN 
frei nach Henrik Ibsen
Regie: Sarah Kurze 
Premiere: 29. Oktober 2022 
Deutsches Theater Berlin 

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Zum Inhalt: Königskämpfe im mittelalterlichen Norwegen, höchst überbordend erzählt, mit zahllosen Figuren und verwinkelten Nebenhandlungen: Zwar waren Die Kronprätendenten bei ihrer Uraufführung 1864 ein großer Erfolg, doch ist es wahrscheinlich kein Zufall, dass Ibsens frühes Historiendrama heute nur noch Eingeweihten bekannt ist. Zu Unrecht, fanden Sarah Kurze, Elias Arens, Lorena Handschin und Natali Seelig. In gemeinsamer Arbeit haben sie die diversen Szenen eingedampft und aus dem Material eine klug-knackige und zugleich vergnügliche Herrscher-Typologie herausdestilliert.

Mit Elias Arens, Lorena Handschin, Natali Seelig

Regie und Bühne: Sarah Kurze
Kostüme: Janja Valjarević
Musik: Marcel Braun
Dramaturgie: Claus Caesar


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Trotz aller Einwände: eine lohnende Wieder-Entdeckung
  · 31.10.22
''In „Die Kronprätendenten“ werden zeitlos aktuelle Probleme seziert: der Einfluss von Gefühlen auf politisches Handeln, der Konflikt der Generationen, die Rolle zwielichtiger Interessen und gezielter Lügen bei der Willensbildung, die egozentrische Sucht nach Machtfülle, die über Leichen geht. Ein bisschen weniger Klamauk und Tumult wäre angemessener gewesen: Ibsens Sprache und Denken zielt nicht auf billigen Humor, sondern auf analytische Schärfe, war im historischen Kontext der Entstehung des Dramas politisch gewagt und provokativ: Denn Norwegen stand lange unter dänischer Herrschaft, die Hauptstadt hatte den dänischen Namen Christiania, nicht Oslo.

Die Rückbesinnung Ibsens auf eine Zeit, in der die norwegischen Stämme ihre Streitigkeiten überwanden und zu einer Nation zusammenwuchsen, konnte den dänischen Herrschern nicht gefallen. Das Stück war damals beim norwegischen Publikum ein großer Erfolg, denn auf der Bühne wurde im Kostüm historischer Ereignisse die aktuelle Sehnsucht nach einem geeinten und freien Norwegen formuliert. Diese rebellische Dimension des Dramas kommt in der Aufführung der „Limited Edition“ leider viel zu kurz. Aber vielleicht will Theater heute auch nur noch unterhalten und ist nicht mehr der Ort sein, an dem Geschichte rekonstruiert und Utopie entworfen wird. Eigentlich schade.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
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