Goodyear

Bewertung und Kritik zu

GOODYEAR 
von René Pollesch
Premiere: 26. Mai 2021 
Deutsches Theater Berlin 

J: Weißt du, zum Beispiel wenn ich rauche – ich weiß ja, dass das schädlich ist – das heißt nicht, dass ich mich umbringen will. Aber ich denke drüber nach. Ja. Und da sind wir auch schon beim Thema. Es wurde erzählt, dass die Rennfahrerinnengattinnen immer im Koffer ihre Witwenkleider mit sich trugen.

S: Darf ich was sagen? Ich muss das ganz kurz richtig erzählen, weil die ist noch hübscher die Geschichte. Die Witwe sagte: und wann immer wir irgendwo ein schwarzes, ein schickes schwarzes Kleid gesehen haben, haben wir’s gekauft, denn wir wussten wir werden es brauchen. Und das hat sie so – was einem jetzt so auffällt – so schön kalt... also jetzt würde das nie wieder so gesagt werden.

Mit: Christine Groß, Astrid Meyerfeldt, Jeremy Mockridge, Sophie Rois, Katrin Wichmann

Regie: René Pollesch
Bühne: Barbara Steiner
Kostüme: Tabea Braun
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: Bernd Isele


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Kleiner Warm-up in der Boxengasse
  · 28.05.21
''Was das frisch getestete, genesene oder bereits durchgeimpfte Berliner Testpublikum dann geboten bekommt, ist vor allem erstmal eine wie Daniel Düsenrieb aufgedrehte Sophie Rois, die nicht mehr aus ihrer Film-Rolle als Rennfahrer herauskommt, während der Rest des Reifen-Teams versucht, zumindest einen Fuß hineinzubekommen. Gerade, Kurve, Schleife, dem Text-Boliden von René Pollesch geht da leider fast der Sprit aus. Dafür fährt ein überdimensionaler hochhackiger Glitzerschuh mit Astrid Meyerfeldt über die Bühne. Ein „Stöckelschuh mit PS“ und kleiner Sidekick an Friedrichstadtpalast-Bühnenbilder und die große Geste, die hier schöner sein soll als ein Satz.

„Etwas ist schön, wenn es unmittelbar verständlich ist“, lautet dann auch eines der schönen Pollesch-Bonmots. Ansonsten übt man sich in Kostümwechseln, Slapstick und gefakten Filmprügeleien, bei denen mächtig Zähne gespuckt werden. Polleschs Liebeserklärung an das gute alte Kino. Ein Versprechen an die Unsterblichkeit, das doch irgendwann verblasst. Und auch wenn sich die Truppe mal als Fahrerwitwen in schwarz an der Rampe treffen und die alten Geister wie in einer Art Séance beschwören, ist das Theater nicht tot und Misserfolg kein Unrecht. Und nachdem Sophie Rois am Ende nochmal Musik, Liebe und Schönheit preist, entlädt sich erleichtert der Beifall im Saal.'' schreibt Stefan Bock am 28. Mai 2021 auf KULTURA-EXTRA
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Mit quietschenden Reifen aus dem Lockdown zur Sketchrevue auf die Bühne
  · 26.05.21
Der Zeitdruck, dass Pollesch und sein Team unbedingt noch die fünfte und letzte am DT verabredete Inszenierung zeigen wollten, bevor die Spielzeit in wenigen Wochen endet und sich der Regisseur seinen neuen Aufgaben widmen wird, drängt sich als Erklärung für diesen dürftigen Abend auf. „Goodyear“ wirkt wie eine beliebig aneinandergereihte Sketch-Revue. Thematisch kreist der 75 Minuten kurze, fast komplett im schmalen Programmheft abgedruckte Abend um die Formel 1.

Während die Vorgaben des Hygienekonzepts aus Klaus Lederers Pilotprojekt vom Deutschen Theater minutiös eingehalten werden und die DT-Maschinerie beim aufwändigen Kontroll- und Einlass-Prozess wie geschmiert läuft, ist das Bühnengeschehen nach acht harten Lockdown-Monaten eine Enttäuschung. Zu unfertig wirkt „Goodyear“.

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