Deutsches Theater Berlin
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    Woyzeck Interrupted



    Bewertung und Kritik zu

    WOYZECK INTERRUPTED
    nach Georg Büchner von Mahin Sadri und Amir Reza Koohestani
    Online-Premiere: 19. Dezember 2020 
    Bühnen-Premiere 17. September 2021 
    Deutsches Theater Berlin 

    Zum Inhalt: Zwei Dinge weiß man über Woyzeck, die Titelfigur des Fragments von Georg Büchner: Er stand ganz unten in der Gesellschaft. Und er ermordete Marie, seine Geliebte. Woyzeck ist unzählige Male inszeniert worden und hat seinen Protagonisten als Prototyp eines Opfer-Täters etabliert. Büchner lenkt den Blick auf ein strukturelles Moment und zeigt, wie Unterdrückung ihrerseits Gewalt hervorbringt. Doch der Fokus auf Woyzecks Schicksal verstellt: Büchners Stück ließe sich auch in dem Sinn erzählen, dass es die patriarchale Gewalt in Geschlechterverhältnissen fortschreibt. Alle drei Tage stirbt heutzutage in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner. Das ist der Punkt, an dem die Dramatikerin Mahin Sadri und der Regisseur Amir Reza Koohestani mit ihrer Weitererzählung ansetzen. Sie beginnt mit einer Unterbrechung. Ein Schauspielerpaar – er Woyzeck, sie Marie – sitzt zuhause fest, die weiteren Proben zu Büchners Woyzeck sind auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Ihre unterschiedlichen Haltungen zu den Figuren entwickeln sich zum Konflikt im Privaten. Der Stau der Aggressionen wächst in der Enge der gemeinsamen Hochhauswohnung, bis es zum Ausbruch kommt. Ist es möglich, den Teufelskreis von Unterdrückung und Gewalt zu unterbrechen?

    mit Lorena Handschin, Enno Trebs

    Regie: Amir Reza Koohestani
    Bühne: Mitra Nadjmabadi
    Kostüme: Lea Søvsø
    Video: Phillip Hohenwarter, Benjamin Krieg
    Musik: Matthias Peyker
    Dramaturgie: Sima Djabar Zadegan, John von Düffel


    WIR EMPFEHLEN

    3.0 von 5 Sterne
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    Eifersucht und Lockdown
    2 years ago
    Kritik
    ''Die progressive Zuspitzung - vom Haareschneiden bis zum Mord - erfolgt in sechs "3 Tage später"-Takten. Dazwischen immer wieder kurze Protokoll-Notizen aus der schon erwähnten Dokumentation über die hundertzwanzig Frauenmorde. Die Franz/Woyzeck-Wohnung (Arbeitszimmer, Küche, Bad und Schlafzimmer) baute die Bühnenbildnerin Mitra Nadjmabadi, und Guillaume Cailleau, Phillip Hohenwarter und Benjamin Krieg verfremdeten das Alles, v.a. bei den Protokollzitaten zwischendurch, durch visuelle Überblendungen. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein "alter" (guter!) Stücktext kaum durch einen "neueren" (weniger guten) je entkräftet werden könnte. Nein, nicht mal im Ansatz funktionierte so etwas. Aber man hatte sich aufs Redlichste bemüht.'' schreib Andre Sokolowski am 19. Dezember 2020 auf KULTURA-EXTRA
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    Woyzeck-Überschreibung als Drama einer toxisch-zerrütteten Beziehung
    2 years ago
    Kritik
    Erstaunlich viel O-Ton aus Büchners Fragment blieb in dieser „Woyzeck Interrupted“-Fassung erhalten. Das „Best of“ der berühmtesten Zitate über den „hirnwütigen“ Franz, der jeden Halt verliert, ist auch in dieser Fassung zu hören. Diese Original-Passagen sind eingebettet in eine radikale Fortschreibung des Büchner-Texts: Franz und Marie sind ein Paar in unserer Gegenwart. Sie haben sich bei den Proben kennengelernt: er ein berühmter Schauspieler, sie eine junge Hospitantin. Nach den ersten Schmetterlingen im Bauch hat sie das Kind abgetrieben, die Beziehung ist in die Brüche gegangen. Doch da wir mitten im Lockdown sind, können sie sich nicht so einfach trennen. Madri/Koohestani erzählen in den 90 Minuten vor allem, wie dieses Paar, das längst keines mehr ist, aber doch noch auf engstem Raum zusammen wohnt, miteinander ringt: Sie will ausziehen, er schlägt eine Paartherapie via Zoom vor, die er jedoch torpediert. Schnell wird klar, worum es ihm vor allem geht: die Kontrolle über sie zu behalten. Die Konflikte werden in heutiger Sprache ausgetragen, in die immer wieder die Original-Passagen eingebaut sind. Anders als bei Simon Stone, der es zu seinem Markenzeichen gemacht hat, klassische Stoffe zu übermalen und in die Gegenwart zu transferieren, wird „Woyzeck Interrupted“ aber nie soap-artig und platt. Der Abend ist ein betont düsteres Kammerspiel, oft agieren die beiden Spieler*innen Lorena Handschin und Enno Trebs im Halbschatten. Ihre Dialoge sind eine Abfolge kleiner Miniaturen. Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“, die ebenfalls vom Scheitern einer Beziehung erzählen, sind dieser „Woyzeck“-Aktualisierung näher als die populären Arbeiten von Stone. Weiterlesen
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