Die Pest

Bewertung und Kritik zu

DIE PEST
nach dem Roman von Albert Camus
Regie: András Dömötör 
Premiere: 15. November 2019 
Deutsches Theater Berlin 

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Zum Inhalt: In der algerischen Küstenstadt Oran bricht eine seltsame Seuche aus. Doktor Bernard Rieux ahnt, was alle anderen für unmöglich halten: Es ist die Pest. Der Ausnahmezustand wird ausgerufen, die Stadt hermetisch abgeriegelt, alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Bald fordert die Krankheit mehr und mehr Opfer, gigantische Krankenstationen entstehen, später Massengräber. Der Arzt weiß, dass sein Kampf gegen die Seuche aussichtslos ist. Der Bazillus bleibt unbesiegbar, auch wenn die Pest Oran nach neun Monaten so unvermittelt wieder verlässt, wie sie gekommen ist. Albert Camus’ weltberühmter Roman fragt nach der Möglichkeit menschlichen Handelns im Angesicht der Katastrophe. Während des Zweiten Weltkriegs geschrieben, gilt er als Bild für den Kampf der Résistance gegen die Besetzung Frankreichs ebenso wie als zeitlose Auseinandersetzung mit dem metaphysischen Problem des Bösen.

Mit Božidar Kocevski, Nina Philipp, Ray Reimann

Regie: András Dömötör
Bühne und Kostüme: Sigi Colpe
Musik: László Bakk-Dávid
Licht: Peter Grahn
Dramaturgie: Claus Caesar, Meike Schmitz

Weitere Inszenierungen des Regisseurs:


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Einfaches, wirkungsvolles Bühnenbild
  · 18.11.19
''Dömötör und seine Bühnenbildnerin Sigi Colpe arbeiten mit einfachen, aber wirksamen Mitteln. Der Raum ist leer, nur schwarze Stühle und ein Ventilator stehen herum. Mit den Händen verteilt Kocevski schwarze Schnipsel, Ascheflocken, die Pest, die der Mensch selbst mit seinen Händen von hier nach dort trägt und sich ausbreiten lässt. Später rieselt die Asche vom Himmel, wird durch die Luft geblasen, fällt auf die Stühle. Und immer, wenn Kocevski einen Stuhl kippen lässt, ist wieder ein Mensch gestorben. (...)

Beeindruckend, wie Dömötör in diesem nur 80-minütigen Monolog die existenziellen Fragen des Romans sinnlich, bedrohlich, glasklar auf die Bühne stellt. Und welche unterschiedlichen Stimmungen Kocevski anklingen lässt – Ratlosigkeit, Resignation, Zorn, Trauer, Verzweiflung. Spannend wie in einem Thriller ist das, ohne Angst vor dem großen Gefühl. Dömötör zeigt, wie man ganz ohne flache Aktualisierung mit einem moralphilosophischen Text eine politische Botschaft vermitteln kann: Haltung zeigen, solidarisch sein, ein Mensch bleiben – darum geht es hier.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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Minimalistisches Solo
  · 16.11.19
Der Abend ist szenisch äußerst karg angelegt. Kocevski tritt nicht nur als der Arzt Bernard Rieux auf, aus dessen Sicht der parabelartige Roman über die Stadt Oran im Pest-Ausnahmezustand und die brüchige Solidarität geschrieben ist, sondern verkörpert auch alle Nebenfiguren: die Patient*innen, den Concierge und schließlich den Pastor, mit dem der Arzt das Theodizee-Problem diskutiert, wie ein gütiger Gott diese Epidemie zulassen kann.

Wenn Solo-Performer Kocevski nicht gerade lange Reflexions-Monologe deklamiert, muss er im Zwiegespräch mit sich selbst Dialoge aus dem Roman sprechen. „Die Pest“ nach Camus ist ein betont untheatralischer Abend, erinnert eher an ein Live-Hörspiel oder eine szenische Lesung und ist äußerst spröde.

Auch ein so vielseitiger, charismatischer Schauspieler wie Kocevski tut sich schwer, diesen textlastigen Abend, der so wenig Spielfreude ausstrahlt, allein zu stemmen. Er wirkt vom Regisseur András Dömötör ziemlich alleingelassen. Für Szenenapplaus und Lacher sorgte der wortlose Mini-Auftritt eines Statisten, der während der letzten Szene mit einem Laubbläser auf die Bühne kommt und sich daran macht, die schwarzen Schnipsel aufzusaugen.

Die Inszenierung „Die Pest“ macht wenig Lust auf Theater und ist sehr funktional vor allem darauf angelegt, dem Publikum den Roman nahezubringen. Das kompakte Solo spart die Lektüre, bringt aber kaum ästhetischen oder sinnlichen Genuss. Das Verdienst des Abends ist es immerhin, dass er den lesenswerten Camus-Text in Erinnerung ruft, dessen Titel-Metapher vom überraschenden Ausbruch einer für besiegt gehaltenen tödlichen Krankheit so vielfältige Deutungen zulässt und zum Weiterdenken anregt.

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