Fidelio

Bewertung und Kritik zu

FIDELIO 
von Ludwig van Beethoven
Regie: David Hermann 
Premiere: 25. November 2022 
Deutsche Oper Berlin 

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Zum Inhalt: Ludwig van Beethovens einzige Oper – die ihn über 10 Jahre seines Lebens beschäftigte und die er mehrmals umarbeitete – ist ein Monolith in vielfacher Weise: Zunächst gilt sie bis heute als die Freiheitsoper schlechthin. Die weibliche Hauptfigur Leonore, die sich, als Mann verkleidet, Zugang zu einem Staatsgefängnis verschafft, um ihren zu Unrecht eingekerkerten Mann Florestan zu befreien, ist eine der heroischsten Figuren des Opernkanons. Und trotz der immer wieder stattgefundenen politischen Vereinnahmung der Oper und ihrer Figuren sperrt sich das Werk bis heute gegen einseitige Zuschreibungen: Der humanistisch-idealistische Aufruf der Musik Beethovens ist stärker und universeller als alle Eindeutigkeiten.

Zudem gelang es Beethoven, hier erstmals eine spezifisch deutsche Oper zu komponieren. In der Kombination aus bürgerlichem Rührstück, Rettungsoper und oratorischem Menschheitsappell entstand ein Amalgam, das Vorbildcharakter für die deutsche romantische Oper hatte.

Musikalische Leitung: Sir Donald Runnicles
Inszenierung: David Hermann
Bühne, Kostüme: Johannes Schütz
Licht: Ulrich Niepel
Chöre: Jeremy Bines
Chor der Deutschen Oper Berlin
Dramaturgie: Carolin Müller-Dohle


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Fidelio und das Dilemma der Deutschen Oper Berlin
  · 26.11.22
''Donald Runnicles und das Orchester der Deutschen Oper Berlin verpassen leider den richten Beginn. Die zarte aber innerlich dynamische Ouvertüre kommt unmotiviert daher. Handwerklich stören die Kiekser im Blech. Leider hat der Spruch „Du hast keine Chance für einen zweiten ersten Eindruck“ viel Wahrheit. Das Orchester arbeitet sich nur mühsam aus dem selbst geschaffenen Tal heraus. Sua Jo als Marzelline überstrahlt die Qualität der Musik und kann gemeinsam mit Albert Pesendorfer als Rocco viel Licht in die Inszenierung bringen. Das Bühnenbild und die Ausstattung von Johannes Schütz ist zurückhaltend und schlicht und arbeitet mit der ständigen Präsenz des Kerkers schon im ersten Teil. Ingela Brimberg als Fidelio und Leonore spielt und singt kraftvoll, ganz im Sinn einer todesmutigen und unerschrockenen Frau. So weit so gut, bis ihr Ehemann Florestan, gesungen Robert Watson, auftaucht. Spielerisch erträglich scheitert er leider an der musikalischen Aufgabe und kann mit seiner dünnen kraftvollen Stimme nicht den Ansatz eines mutigen Freiheitskämpfers erwecken. Der von Jeremy Bines sehr gut einstudierte Chor der Deutschen Oper Berlin bringt Lichtblicke, wird allerdings im symphonischen Schluss von Donald Runnicles allzu gejagt. Transparenz, Schattierungen gehen so verloren - und ja, man fühlt sich wirklich um den Abend gebracht.'' schreibt Steffen Kühn am 26. November 2022 auf KULTURA-EXTRA
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