Submit to FacebookSubmit to Twitter

Bewertung und Kritik zu

DER ZWERG
von Alexander von Zemlinsky
Choreographie: Tobias Kratzer 
Premiere: 24. März 2019 
Deutsche Oper Berlin 

eventimTICKETS ONLINE KAUFEN
Buch jetzt bestellen

Zum Inhalt: Prinzessin Donna Clara wird 18 und die ganze Welt überhäuft sie mit Geschenken. Ein ganz besonderes Geschenk schickt ihr jedoch der türkische Sultan: Es ist ein lebender Zwerg! Diesem missgestalteten Mann gilt zwischen all der Pracht und Schönheit ihre besondere Aufmerksamkeit. Er verzaubert sie mit seinem Gesang und fasziniert umso mehr, als er nicht um sein Äußeres weiß. Der Zwerg verliebt sich unsterblich in die Prinzessin und durchschaut dabei nicht das kokette Spiel, das diese mit ihm treibt. Doch dann sieht er sich, erstmals in seinem Leben, mit seinem Spiegelbild konfrontiert. Er erkennt die Realität und bricht tot zusammen. Alexander Zemlinskys DER ZWERG basiert auf Oscar Wildes Kunstmärchen „Der Geburtstag der Infantin“ und wurde 1922 uraufgeführt. Nach Zemlinskys Tod 1942 im amerikanischen Exil geriet das Werk schnell in Vergessenheit. Erst Ende der 70er Jahre wurde es wiederentdeckt und begeistert seither als subtiles, klangsinnlich schillerndes Seismogramm einer hochkomplexen psychologischen Konstellation. 

Es inszeniert Tobias Kratzer, der als einer der interessantesten jungen deutschen Opernregisseure gilt, der zuletzt an Häusern wie dem Theater Bremen, den Staatstheatern in Karlsruhe und Nürnberg, dem Theater Basel, dem Théâtre de la Monnaie Brüssel und der Oper Frankfurt arbeitete. Für das Holland Festival entsteht im Sommer 2018 seine Inszenierung von LES CONTES D’HOFFMANN, 2019 wird er in Bayreuth TANNHÄUSER herausbringen. In Berlin war 2017 seine Version von Rameaus ZOROASTRE an der Komischen Oper Berlin zu erleben. Mit DER ZWERG gibt Tobias Kratzer sein Debüt an der Deutschen Oper Berlin.

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung: Tobias Kratzer
Bühne, Kostüme: Rainer Sellmaier
Chöre: Jeremy Bines
Licht: Stefan Woinke
Dramaturgie: Sebastian Hanusa

TRAILER


 
Meinung der Presse zu „Der Zwerg“

Deutsche Oper Berlin
 


Die Welt

★★★★☆

FAZ
★★★★☆


Süddeutsche Zeitung
★★★★☆

Zitty
★★★★☆

tip
★★☆☆☆

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Ein gnadenloser Spiegel
  · 25.03.19
Am Beginn dieser Opernhandlung steht ein Kunstmärchen vom englischen Autor Oscar Wilde unter dem Titel "Der Geburtstag der Infantin", 1891 in der Sammlung "Ein Granatapfelhaus" veröffentlicht. Oscar Wilde schildert in seiner überaus fantasievollen, an Gedanken und Farben reichen Sprache den Ablauf des Geburtstages der spanischen Infantin, die an diesem Tage mit gleichaltrigen Gefährten in spielerischer Oberflächlichkeit die verschiedensten Zerstreuungen erlebt. Eine davon liefert ein Zwerg, “eine Mißgeburt”, der für die Infantin tanzt und von ihr zum Dank eine weiße Rose erhält, die er als Zeichen ihrer Liebe deutet. Am Nachmittag soll der Zwerg erneut für die Infantin tanzen und gerät auf dem Weg durch den Palast vor einen Spiegel, in dem er zum ersten Mal die eigene Häßlichkeit grausam deutlich wahrnimmt. Als er erneut vor der Infantin steht, bricht ihm das Herz, und alle Träume vergehen, die er sich von einer gemeinsamen Zukunft gemacht hatte.

Das Libretto des Einakters nach diesem Märchen verfasste Georg C. Klaren. Der klein gewachsene Alexander von Zemlinsky verstand die Handlung als Chiffre für seine unerfüllte Neigung zu Alma Schindler, der späteren Alma Mahler/Gropius/Werfel. Die Uraufführung der Oper 1922 in Köln dirigierte Otto Klemperer. 

Aus der idyllischen Atmosphäre des Märchens hebt die Neuinszenierung von Tobias Kratzer die Handlung auf die Ebene der psychologischen Deutung einer Bewußtseinsspaltung, deren Auflösung tödlich endet. Mit beherztem Zugriff teilt er die Figur des Zwergs in zwei Personen, einen kleinwüchsigen Darsteller ( Mick Morris Mehnert) und den Träger der Gesangspartie des Zwergs (David Butt Philipp). Auf diese Weise wird die Vorführung von dessen Empfindungsskala sehr viel einleuchtender vermittelbar, und die szenische Präsenz des kleinwüchsigen Darstellers sorgt permanent dafür, dass die Dramatik des  Zuneigungskonflikts in jeder Minute augenfällig wird. 

Die etwas hochmütige, aber streckenweise auch hilfreiche Infantin Donna Clara verkörpert mit schönem, weit ausschwingenden Sopran Elena Tsallagova. Ihre mitfühlende Zofe Ghita singt Emily Magee mit kraftvollem Ausdruck. Ihr bleibt auch das versöhnliche Schlußwort, das die Häßlichkeit des Zwergs neutralisiert: " Gott hat ein armes Herz zerbrochen. Es war schön". 

Den Haushofmeister Don Esteban gestaltet, etwas farblos, Philipp Jekal. Der eigentliche Gewinner des Abends, der seinen Part mit Intensität und strahlender Stimmkraft vorträgt, ist David Butt Philipp. Sein Zusammenspiel mit dem Zwergendarsteller gelingt nahezu bruchlos, und wenn sich Donna Clara bald dem einen, bald dem anderen zuwendet, nimmt die dramaturgische Logik keinen Schaden. Der Augenblick der Wahrheit, wenn der Zwerg vor den Spiegel tritt und erstmals das Auseinanderklaffen von Eigen- und Fremdbild bemerkt, wird hier bewegende Realität. 

Die musikalische Qualität der Aufführung ist hoch zu loben. Als Prolog wird zur Musik von Arnold Schönbergs "Begleitungsmusik  zu einer Lichtspielscene" von 1930 eine Pantomime aufgeführt, die das Spannungsverhältnis zwischen Alma Schindler (Adelle Eslinger) und dem Komponisten Alexander von Zemlinsky (Evgeny Nikiforow) illustriert. Dann öffnet sich der Vorhang vor einem Bühnenbild von Rainer Sellmaier, das ein Orchesterpodium mit zunächst unbesetzten Notenpulten vor Augen führt, über dem ein monumentaler Orgelprospekt thront. 

Sehr zu loben ist auch der von Jeremy Bines sorgsam und sehr harmonisch klingend einstudierte Damenchor des Opernhauses. 

Die größte Leistung für die authentische Wiedergabe von Zemlinskys noch eben tonaler Partitur erbringt Donald Runnicles am Pult des bestens disponierten Orchesters der Deutschen Oper. Was hier an süssen, einschmeichelnden Passagen zu hören ist, gelegentlich an Orientalisches oder Spanisches gemahnend, hat eine geschlossene, fesselnde Faszination, die dem dargestellten Beziehungskonflikt den angemessenen Rahmen gibt. 

Das gespannt und aufmerksam lauschende Premierenpublikum spendet dem gesamten Ensemble reichen, anerkennenden Applaus, garniert mit Bravorufen. Wann erlebt man schon einmal, dass sich die Bravorufe verstärken, wenn das Regieteam die Bühne betritt ?
Hier, vermerkt der Chronist, war es der Fall. 

Horst Rödiger
http://roedigeronline.de
War die Kritik hilfreich?
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Wohin damit?
  · 25.03.19
''Die vorgeschaltete "Begleitmusik zu einer Lichtspielszene" von Arnold Schönberg – klangtrüb und eher ungeschliffen dirigiert von Donald Runnicles – rekurriert auf die bekannten biografischen Umstände, dass Zemlinsky, hier am Klavier in einem Gründerzeitsalon zu sehen, der späteren Alma Mahler-Werfel Klavierunterricht gab. Was eine Affäre nach sich zog (wie immer bei Alma). Damit wird die – naheliegende, zugleich reichlich triviale – Behauptung aufgestellt, Zemlinsky habe sich mit dem Zwerg selbst gemeint.

Als Statement bleibt die Aufführung weit hinter dem zurück, was dieses Stück enthält. Wenn es ein Auftakt zu einem Zyklus wäre, würde ich es mir noch gefallen lassen; das ist aber (wenn man die gerade veröffentlichten Pläne des Hauses ansieht) nicht der Fall. So wie er ist, macht sich der Abend so klein, dass ich nicht weiß wohin damit.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
War die Kritik hilfreich?
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Privat vor Katastrophe
  · 25.03.19
''Regisseur Tobias Kratzer kombinierte nun sowohl den Lebens- wie den Kunstteil jener zwerg-thematischen Geschichte auf schier Untrennbares miteinander: 

Vor Beginn der eigentlichen Oper lässt er Alma/Alexander angelegentlich einer fast biedermeierisch anmutenden Schülerin/Lehrer-Szene auftreten; die beiden PianistInnen Adelle Eslinger / Evgeny Nikiforov füllen ihre Doppelrolle schauspielernd UND musizierend aus - Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielscene für Orchester op. 34 dient hierzu als musikalisch einrahmender Hintergrund. Am Schluss des ca. 9 Minuten andauernden Bildes weist die Schülerin den Lehrer, dessen Sexualdrang sie auf ihrem Nacken spürt, zurecht; kippt ihn schnurstracks vom Schemel, "groß & klein" harmonisiert nach ihrer dominanten Ansicht einfach nicht... 

David Butt Philip & Mick Morris Mehnert teilen sich die Titelrolle - und während der Eine größtenteils "nur" singt (seine von ihm gemeisterte Partie: halsbrecherisch und heikel), führt ihn justament der Andere "rein" körperlicher Maßen vor; das funktioniert besonders glaubwürdig während der großen Spiegelszene, wo der Zwerg sich seines Zwergseins erstmals überhaupt bewusst wird und woran er letztlich stirbt.'' schreibt Andre Sokolowski am 25. März 2019 auf KULTURA-EXTRA
War die Kritik hilfreich?
Um eine Kritik zu schreiben musst du dich einloggen.

 

Preis: €14,95 €11,95

UNSERE BÜCHER
ALS PDF-DATEI

AUSWAHL

 

Preis: €14,95 €11,95

 

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN





AUF DER BÜHNE © 2020


PDF-Datei: 11,95 € 8,95 €
Weitere Formate
auf Amazon:
Kindle Ebook
Taschenbuch

WEITERE BÜCHER


ANZEIGE

Deutsche Oper Berlin
www.deutscheoperberlin.de
Bismarckstraße 35 - 10627 Berlin
Telefon: 030 34384343
SPIELPLAN & KARTEN

eventim

PDF-Datei: 22,60 € 16,95 €

Weitere Formate auf Amazon:
Kindle Ebook - Taschenbuch


UNSERE BÜCHER ALS PDF-DATEI

AUSWAHL


ANZEIGEN

BUCH ALS PDF-DATEI
Toggle Bar
X

Right Click

No right click