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Bewertung und Kritik zu

ERSTE TODE
There Will Never Be Another You
Premiere: 25. Januar 2019 
Regie: Martin Jurk 
Brotfabrik Berlin 

Zum Inhalt: Erste Tode – There Will Never Be Another You erzählt von einer Gesellschaft, die ganz in Agonie begriffen ist. Die Protagonist_innen sind Bauernopfer des Weltgeschehens. Voller Lebensangst durchleiden sie retrospektivisch ihr Schaffen und Scheitern: Ererbtes Leid und Reproduktion des zu einer anderen Zeit Gedachten machen sie lauthals stumm und blind für Neues. Im schonungslosen Mit- und Gegeneinander schlagen sich Die Spalter ihre Ideengebilde aus Leib und Hirn.

Das Berliner Theaterkollektiv Die Spalter sind Martin Jurk (Autor & Regie), Özgün Güner Künier (Schauspiel & Musik) Lukas Hanus (Schauspiel & Pressearbeit), und Lisa-Sophia Schlüter (Schauspiel & Dramaturgie). Ihre Theaterarbeit ist körperlich fordernd, dem Angriff verschrieben und in der Utopie verhangen.

Martin Jurk (Autor & Regie)
Özgün Güner Künier (Schauspiel & Musik)
Lukas Hanus (Schauspiel & Pressearbeit)
Lisa-Sophia Schlüter (Schauspiel & Dramaturgie)


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4.3/5 Insgesamt 3 Bewertungen (2 mit Rezension)
5 von 5 Personen fanden die Kritik hilfreich
Erste Tode Danke für diesen Abend
  · 30.01.19
„Das einzige, was Kinder noch fertiger macht als Fernsehen oder Eltern, sind Religion und Drogen“ Frank Zappa in I am the American Dream
Ich gehe nicht gern ins Theater. Zu oft werden Gefälligkeiten im Denken und Sein bedient. Oder es wird kryptisch verquast behauptet – wen interessierts. Zu oft bin ich gelangweilt, da mir inspirative, somit auch quälende Momente verweigert werden.
„Erste Tode“ ist eine Allegorie auf das Schicksal von Generationen. Humorvoll und in fast leichtfertiger Leichtigkeit wird der Schmerz einer jeden vom Leben gequälten oder gelangweilten Seele aufgenommen und in eben jenem Schmerz mir erzählt.
Seien es Menschen, die im Korsett von Anstand, Familie und Religion und dadurch beschnittener Lebensentwürfe verzweifeln.
Seien es durch seelische und körperliche Übergriffigkeit vergewaltigte Menschen, die auf Grund dessen ihres Vertrauens, ihrer Fähigkeit zu lieben und sich mitteilen zu können enthoben wurden. Die Wut dieser Menschen ist nicht mehr nur Wut, sondern ungebändigt tötender Hass, gegen andere, aber vor allem gegen sich selbst.
Seien es Menschen, die vom Überfluss und dem Gefühl gesellschaftlicher Überflüssigkeit und geforderten individuellen Seins in gefühlter Nutzlosigkeit vereinsamen. Jahrhundertealte Wiederholung, diese Risse und Verständnislosigkeiten gehen auch durch Generationen meiner Familie.
Ich schäme mich. Dies ist ein zentraler Satz des Stückes. Dies ist mein Gefühl während dessen und danach.
Der Deutsche geht selbst während der Revolution nicht über den gepflegten Rasen, sondern wird die angelegten Wege nutzen. Verdeutlicht wird mir dies durch den deutschen Michel auf der Bühne, karikiert durch die Zipfelmützen die die Darsteller punktuell tragen – hallo Gartenzwergin zum Ersten.
Ich teile den Schmerz des auf der Bühne Erlebten – entstanden durch Ignoranz, Unbarmherzigkeit, Machtausübung in allen Lebensbereichen.
Nichts Erlebtes und Dagewesenes funktionierte – Sozialismus, Kapitalismus, Femininsmus, Faschismus, Machoismus, Demokratismus, Vegetarismus und die anderen tausen -ismen. All diese -ismen begegnen mir während des Stückes und zugegebenermaßen überfordert mich das Begreifen, Erfassen und Übertragen auf mein Jetzt. Aber das ist mir lieber, als angeblich vorgegebenes Wissen und gefälliges vorgeschriebenes Denken und Handeln sollen.

Ich danke der Kritik von Sokolowski. Mein so ganz anderes Empfinden hat mich nach dem Lesen seiner Kritik dazu inspiriert, mein Erleben während des Stückes zu formulieren.
Wir waren im selben Stück und haben offensichtlich so Unterschiedliches gesehen und auch gefühlt.
Ich bin gefüttert von Scham, Wut, Alleinsein, Hoffnungslosigkeit und Lust aufs Leben aus eben jenem Stück gegangen.
Die musikalischen Einlagen gaben mir Luft zum Verstehen, Lust aufs Tanzen.
„Ich bin eine Gartenzwergin“ war treu dem verstandenen Lebensmottos des Schreibers – Wiederholung Wiederholung Wiederholung.
Ich spreche dem genialen Schauspielerensemble nicht ab, dass es nicht nur gespielt hat, sondern in Konfrontation und Auseinandersetzung mit dem Autor und Regisseur seine eigenen Erfahrungen und eigenes Denken eingebracht haben muss.
Die erste Version von „Ich bin eine Gartenzwergin“ - eingebettet in einen tieftraurigen, lebensmüden Monolog von Lisa. Die einfache Wiederholung dessen darf nicht dazu dienen, diesen als genialen Satz zu vereinfachen und darauf runterzubrechen, dass er von dem einzigen Mann auf der Bühne am Ende wiederholt wird.
Die Menge des Textes, gerade auch in den chorischen Szenen stellen eine Nähe zum geneigten Zuschauer her. Dies hat Verbindung geschaffen. Diese als erfüllte Sehnsucht nach Gemeinsamkeit hinterlässt mich in Melancholie und der Lust auf das Eigentliche.
Die Wahrheit stört zuletzt.
Ich habe sicher nicht alles verstanden, ich fühle nicht in allem Identifikation, die vielen Texte haben mich situativ überfordert, aber das ist okay. Lieber überfordert werden, als ein weiteres Mal durch Langeweile innerlich zu verzweifeln. Übrigens, zumindest für mein Verständnis von Theater – ist dies auch ein Mittel.
Herr Sokolowski, zu Ihrer Theorie, dass dies eine junge Generation im Zweifel ist, derer Sie nicht nahe sind. Frank Zappa wäre heute 68 Jahre alt, er wird übrigens auch während des Stückes zitiert… Zappa hat sich bis an sein Lebensende mit allem auseinandergesetzt, was Gesellschaft, Generation, Erfahrung, Lebensmüdigkeit, Kampf, Alleinsein betrifft, genau dies hat an diesem Abend stattgefunden.
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0 von 6 Personen fanden die Kritik hilfreich
Die Gartenzwergin
  · 26.01.19
''Was ich auf der Suche nach 'nem roten Faden (einem Plot von mir aus) irgendwie herausbekommen zu meinen glaubte, war und ist die leise weinende Vermutung, dass die 3 viel, viel, viel Text Aufsagenden - neben dem schon erwähnten Lukas waren/sind das auch noch Güner Künier, Lisa-Sophia Schlüter oder auch DIE SPALTER (wie sich das SchauspielerInnen-Trio nennt) - 3 deprimierte, desillusionierte, desperate Jugendliche als Bestandteil unserer Gesellschaft spielen, welche "ganz in Agonie begriffen ist". 

Mag sein, dass das die Jugend heutzutage derart sieht - ein etwas älteres (womöglich reiferes) Semester kann das leider nicht/nicht mehr so richtig nachvollziehen. 

Sicherlich: Am Leichtesten und Lustigsten gestaltet sich die Chose, wenn der Lukas und die Güner und die Lisa dann zusammen tanzen oder singen, oder wenn die Güner beispielsweise zur Gitarre greift. Ansonsten, so vom Text her, ziemlich anstrengend und arg bemüht.'' schreibt Andre Sokolowski am 26. Januar 2019 auf KULTURA-EXTRA
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3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
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2 674+
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