Bewertung und Kritik zu

LES MISÉRABLES 
nach Victor Hugo
Regie: Frank Castorf
Premiere: 1. Dezember 2017 
Berliner Ensemble                             

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Zum Inhalt: Victor Hugo erzählt in diesem Monumentalroman des 19. Jahrhunderts die Geschichte des Sträflings Jean Valjean und seines Gegenspielers des Polizei-Inspektor Javert. Ihr Jahrzehnte währender Kampf findet seinen Höhepunkt im Kontext der Barrikadenkämpfe des Juniaufstands 1832 in Paris. Jean Valjean hat nach einer eindrücklichen Begegnung mit dem greisen Bischof von Digne beschlossen, fortan – komme was wolle – dem Guten zu dienen. Während ihm der unbeugsame Inspektor Javert auf den Fersen ist, dem das Gesetz die Grundlage der Zivilisation schlechthin ist, legt sich dieser Anarch dabei immer neue Decknamen zu und wechselt immer wieder seinen Aufenthaltsort. Im Spannungsfeld ihres Ringens zieht Jean Valjean zudem sein Mündel Cosette groß, die sich schließlich zur jungen Frau herangewachsen in den Revolutionär Marius verliebt.

Mit Stefanie Reinsperger, Abdoul Kader Traoré, Valery Tscheplanowa, Andreas Döhler, Patrick Güldenberg, Jürgen Holtz, Gerrit Jansen, Oliver Kraushaar, Sina Martens, Wolfgang Michael, Aljoscha Stadelmann, Thelma Buabeng

Regie/Bearbeitung: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Dramaturgie: Frank Raddatz


Bewertung und Theaterkritik Schreibe eine Kritik
3.5/5 Insgesamt 4 Bewertungen (3 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Collage aus Hugo-Wälzer und Fremdtexten
  · 02.12.17
Castorf bediente sich bei Motiven seines 1500-Seiten-Wälzers „Les Misérables/Die Elenden“, die er selbstverständlich mit Fremdtexten verschnitt. Naheliegend war, Hugos Plädoyer für die „Vereinigten Staaten von Europa“, das er bei einem Pariser Friedenskongress hielt, zu verwenden. Weniger bekannt ist, dass sich Hugo auch intensiv mit Kolonialismus und Befreiungskampf beschäftigte: dies führte Castorf zu Heiner Müllers „Der Auftrag“, zum Spanisch-Amerikanischen Bürgerkrieg und dem anschließenden Pachtvertrag über Guantánamo Bay und zu Guillermo Cabrera Infantes „Drei traurige Tiger“ (1959) über die kubanische Revolution.
Im besten Fall entstehen aus solchen Überschreibungen bei Castorf „oszilliernde Metamorphosen“, die „Doppel- und Mehrfachcodierungen“ einladen, wie Frank Raddatz im Programmheft schwärmte. Diesmal wurde daraus leider ein zäher Brei. Erst nach Mitternacht und deutlich über sechs Stunden wurde das Publikum entlassen.

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Frisch und frech, politisch unkorrekt
  · 04.12.17
''Castorf benutzt den Roman als Steinbruch, vermischt die literarischen Fundstücke zu einem Textbrei aus brachialem Alltagsjargon und politischer Tirade, konterkariert das Ganze mit "Drei traurige Tiger", einem karibischen Sittengemälde von Guillermo Cabrera, sowie mit Heiner Müllers "Der Auftrag", einem Abgesang auf den im Verrat endenden Versuch, die Französische Revolution in die Karibik zu tragen. (...)

Die BE-Mimen spielen sich aufmüpfig frei, stopfen die Durchhänger und Leerläufe mit herrlichen Solo-Auftritten, zeigen, wie frisch und frech, politisch unkorrekt und theatralisch innovativ ein siebenstündiger Castorf-Wahn immer noch sein kann. Ja, der Abend könnte kürzer sein, und, ja, auf die karibischen Abenteuer hätte man gern verzichtet. Aber Castorf wäre nicht Castorf, wenn er sich selbst, seine Schauspieler und die Zuschauer nicht bis zur Erschöpfung quälen könnte. Vielleicht können nur so Erkenntnisse sich Bahn brechen und das Theater seine verlorene geglaubte Dringlichkeit unter Beweis stellen.'' schreibt Frank Dietschreit auf kulturradio.de
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Cuba Libre
  · 02.12.17
''Seit Herr Puntila und sein Knecht Matti (durch/mit Einar Schleef) sowie Der Auftrag (durch Frank Castorf), den zwei vielleicht wesentlichsten Inszenierungen aus der kurzlebigen Vor-Peymann-Ära des BE, schien es im nunmehr 125 Jahre alten Berliner Theater am Schiffbauerdamm nicht so ein allumfassendes Theater-Spektakel mehr gegeben zu haben wie die gestern Nacht nach einer ausufernden Mitverweildauer von siebeneinhalb Stunden (7 h 30 min) abgefeierte Le Misérables-Premiere - - doppelbedeutig v.a. für den Regisseur, der hierdurch a) seinen Berliner Wiederaufschlag nach dem ihn als Theaterleiter durch den Senat diskreditiert habenden Volksbühne-Skandal zelebrieren und b) an sein BE-Debüt vor reichlich 20 Jahren "kurz" erinnern konnte. (...)

Angepasste, auffällige, aufreizende Garderoben von Kostümdesignerin Adriana Braga Peretzki! 

Geniales Zusammenspiel der film- wie tontechnischen Crews (Jens Crull, Andreas Deinert, Mathias Klütz, Maryvonne Riedelsheimer); auch Castorfs Star-Souffleuse Elisabeth Zumpe steht auf dem Besetzungszettel. 

Die insgesamte Kurzweil dieser doch recht langen Aufführung verblüfft. Fluktuation? fast keine. 

Alles stimmt. '' schreibt Andre Sokolowski am 2. Dezember 2017 auf KULTURA-EXTRA

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Kritiken: 82
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