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Castorf absolvierte von 1969 bis 1970 eine Ausbildung zum Facharbeiter bei der Deutschen Reichsbahn. Nach dem Wehrdienst bei den Grenztruppen der NVA studierte er von 1971 bis 1976 Theaterwissenschaft bei Ernst Schumacher, Rudolf Münz und Joachim Fiebach an der Humboldt-Universität zu Berlin. Das Thema seiner Diplomarbeit lautete: „Grundlinien der ‚Entwicklung‘ der weltanschaulich-ideologischen und künstlerisch-ästhetischen Positionen Ionescos zur Wirklichkeit“ und wurde mit der Note „sehr gut“ bewertet.

Von 1976 bis 1979 war er Dramaturg am Bergarbeitertheater Senftenberg und 1979–1981 Regisseur am Stadttheater Brandenburg (Havel). Von 1981 bis 1985 war Castorf Oberspielleiter am Theater Anklam. Dort wurde 1984 seine Inszenierung von Bertolt Brechts Trommeln in der Nacht auf Druck der SED-Kreisleitung abgesetzt. Es kam zu einem Disziplinarverfahren und er wurde fristlos entlassen. In der Folgezeit arbeitete Castorf unter anderem für das Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt, das Neue Theater Halle, die Volksbühne Berlin und das Deutsche Theater Berlin. Seine Inszenierung von Ein Volksfeind (Henrik Ibsen) wurde mit einer Einladung zum Theaterfestival der DDR bedacht.

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Bereits vor der Wende durfte er 1989 an westdeutschen Bühnen, unter anderem am Bayerischen Staatsschauspiel in München (Miss Sara Sampson von Gotthold Ephraim Lessing) und am Schauspiel Köln (Hamlet von William Shakespeare), inszenieren. 1990 wurde er Hausregisseur am Deutschen Theater Berlin. Seine dortige Inszenierung von Ibsens John Gabriel Borkman erhielt 1991 eine Einladung zum Berliner Theatertreffen. Kontroversen löste Castorf mit seiner Basler Version von Wilhelm Tell (Friedrich Schiller) zum Schweizer 700-Jahr-Nationaljubiläum aus, in der er mit dem Selbstverständnis der Schweiz abrechnete und Parallelen zwischen der Schweiz und der DDR zog. Seit 1992 wirkt Castorf als Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte; er verlängerte seinen Vertrag zuletzt 2012 bis zum Jahr 2016. Das Haus erhielt 1993 gleich im ersten Jahr seiner Intendanz den von der Zeitschrift „Theater heute“ ausgelobten Titel als „Theater des Jahres“. Seine Volksbühnen-Laufbahn beendet Castorf zum Ende der Spielzeit 2016/2017, unter anderem mit einer sechs- bis achtstündigen Faust-Inszenierung. Als letzte Castorf-Inszenierung im Haus steht am 1. Juli das Stück Baumeister Solness von Henrik Ibsen auf dem Spielplan. Castorfs Nachfolger ist der vom Berliner Senat berufene belgische Museumsmanager Chris Dercon, vormals Direktor der Londoner Galerie Tate Modern, dessen Pläne bezüglich der künftigen künstlerischen Ausrichtung des Hauses jedoch von vielen Volksbühnen-Angehörigen abgelehnt werden. 

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1994 wurde Castorf mit dem Fritz-Kortner-Preis ausgezeichnet. 1998 lieferte er in Basel mit Otello (Giuseppe Verdi) seine erste Operninszenierung ab. Im Jahr 2000 erhielt er gemeinsam mit dem Schauspieler Henry Hübchen den Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung und eine Nominierung für den Nestroy-Theaterpreis, 2002 den Schillerpreis der Stadt Mannheim; 2003 wurde er mit dem Preis des Internationalen Theaterinstituts (ITI) und dem Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichnet. Die Zeitschrift Theater heute wählte Castorf in den Jahren 2002 und 2003 zum „Regisseur des Jahres“.

Im Jahr 2004 war Castorf neben seiner Tätigkeit als Intendant an der Berliner Volksbühne auch kurzzeitig künstlerischer Leiter der Ruhrfestspiele Recklinghausen, als der er jedoch bereits einen Monat nach der Eröffnungspremiere Gier nach Gold (Frank Norris) aufgrund eines erheblichen Einbruchs der Zuschauerzahlen vom Aufsichtsrat vorzeitig entlassen wurde. Sein Scheitern wurde im Feuilleton breit diskutiert. Ein Rechtsstreit, den Castorf nach seiner Entlassung gegen die Ruhrfestspiele anstrengte, wurde Anfang 2005 nach einer Schlichtung eingestellt; es wurden zwei Kooperationen zwischen der Volksbühne und dem Festival vereinbart und die Träger der Ruhrfestspiele, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Stadt Recklinghausen, gestanden Castorf Fortzahlung eines Teils des Gehalts zu.

2013 inszenierte er zum 200. Geburtstag Richard Wagners bei den 102. Bayreuther Festspielen den Ring des Nibelungen (Premiere: 26. bis 31. Juli; musikalische Leitung: Kirill Petrenko).

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3.6
Durchschnittsnote aller Stücke
5 14
4 23
3 18
2 7
1 3
Kritiken: 16
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