Premiere: 30. April 2026 Konzept, Regie & Bühne: Philippe Quesne Künstlerische Mitarbeit: Élodie Dauguet Kostüme: Tabea Braun Licht: Florian Brückner Dramaturgie: Lili Hering, Johanna Höhmann Mit: Kathrin Angerer, Jean-Charles Dumay, Sébastien Jacobs, Rosa Lembeck, Sir Henry, Marie Rosa Tietjen, Martin Wuttke
Über die Inszenierung
Philippe Quesne entwirft mit „Spooky Paradise“ eine poetisch-surrealistische Welt, in der Alltagsrituale, Fantasiefiguren und theatrale Miniaturen ineinander übergehen. Die Inszenierung arbeitet mit Quesnes charakteristischer Mischung aus Langsamkeit, Humor, Melancholie und präziser Bildkomposition. Figuren erscheinen, verschwinden, beobachten einander und bewegen sich durch eine Landschaft, die zugleich künstlich, märchenhaft und leicht unheimlich wirkt.
Die Bühne wird zum Labor eines sanften, verspielten Weltenbaus: ein Ort, an dem Naturfragmente, Requisiten und theatrale Apparaturen miteinander verschmelzen. Tabea Brauns Kostüme verstärken den hybriden Charakter der Figuren, während das Lichtdesign von Florian Brückner die Szenen zwischen Traum, Nachtstück und skurrilem Alltag moduliert. Quesne schafft ein Theater, das Atmosphäre vor Handlung setzt und das Publikum in eine fragile, zugleich humorvolle Parallelwelt führt.
Ensemble
Kathrin Angerer
Jean-Charles Dumay
Sébastien Jacobs
Rosa Lembeck
Sir Henry
Marie Rosa Tietjen
Martin Wuttke
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
eine poetisch-surrealistische Welt, typisch für Quesnes Theaterästhetik
ein langsamer, atmosphärischer Erzählfluss statt klassischer Dramaturgie
eine Bühne als lebendiger Organismus zwischen Naturfragment und Kunstobjekt
ein Ensemble, das präzise zwischen Komik, Melancholie und Absurdität balanciert
eine Inszenierung, die das Publikum in eine sanft unheimliche Parallelwelt versetzt
Die Produktion untersucht, wie sich Realität und Fantasie überlagern – und wie aus kleinen Beobachtungen, skurrilen Gesten und atmosphärischen Bildern ein ganz eigener Kosmos entsteht.
An der Volksbühne schickt Philippe Quesne eine Schar nicht totzukriegender Musik-Clowns in die staubige Manege
18 Tage her.
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Kritik
''Als alternder Musik-Rock-Clown wird Martin Wuttke an die Rampe geschoben, bekommt eine Zigarette in den Mund und gesteckt und eine Gitarre umgehängt. Es erklingt ein wenig Tex-Mex-Rock und anderer Sound. Hier glänzt vor allem Volksbühnenurgestein Sir Henry an den Tasteninstrumenten. Die Truppe ist aber auch eine Filmcrew, die, mit Kamera und Tonangel bewaffnet, wie Fellini einen Film über die illustre Zirkusfamilie drehen will, was etwas ungelenk immer wieder für komische Momente sorgt. Die Geschichten der einzelnen Familienmitglieder entpuppen sich u.a. als poetische Reflexion von Jean Genet über den Seiltanz oder Franz Kafkas Zirkuserzählung Auf der Galerie. Ein wenig „Zaubergesang“ von Goethe wird rezitiert und ellenlang Antonin Artauds Abhandlungen über das Übersinnliche über die Rampe geschoben. Das ermüdet zuweilen doch etwas.
Wirklich metaphysisch wird es an diesem etwas zu langgeratenen Abend im Nebel allerdings auch nicht. Dafür erleben wir einen B-Movie-Dreh mit einer riesigen aufblasbaren schwarzen Tarantel, bei dem sich Rosa Lembeck mehrfach fressen lasen muss. Später will sie zum Kings-Klassiker Death of a Clown das erschlaffende Monster mit Herzdruckmassage wiederbeleben. Dass sich so auch dieser Abend kaum wirklich zum Leben erwecken lässt, ist wohl auch Teil des Konzepts. Etwas traurig erklingt noch Daniel Johnstons Circus Man. Ein wenig Fernweh zum Abschied. Aber der Tod ist ein erfundener Zustand, weiß Martin Wuttke mit den Worten Artauds. Im Juni darf er zusammen mit Lilith Stangenberg und Kunst-Clown Jonathan Meese als Jack Londons Alaska Kid auf Goldsuche gehen. Ab Herbst muss dann Matthias Lilienthal die Zukunft der nicht tot zu kriegenden Volksbühne gestalten.'' schreibt Stefan Bock am 6. Mai 2026 auf KULTURA-EXTRA
Riesen-Tarantel und skurril-verworrener Abschied der Volksbühnen-Garde
23 Tage her.
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Kritik
Eine skurril-alberne Atmosphäre baut sich auf: die Figuren werden als Clowns-Familie erkennbar, die um einen Toten trauern und ihre beste Zeit hinter sich haben. Das ist der lose Rahmen für sehr viel Slapstick, sehr viele raunende Sentenzen und Andeutungen und ein paar schöne Bilder. Highlight ist der Kampf der tapferen Recken gegen eine aufblasbare Riesentarantel, der im Horror-B-Movie-Stil live mitgefilmt wird.
Zwei Welten kommen hier zusammen, die sich offensichtlich gar nicht fremd sind: die Stammspieler Jean-Charles Dumay und Sébastien Jacobs aus Quesnes Vivarium Studio und der harte Kern der Pollesch-Volksbühne mit den Urgesteinen Kathrin Angerer, Sir Henry und Martin Wuttke sowie den beiden jüngeren Spielerinnen Marie Rosa Tietjen und Rosa Lembeck.
Dramaturgisch ist das mit heißer Nadel gestrickt und wirkt an vielen Stellen noch mitten im Probenprozess. Das angekündigte Ende wurde um fast eine halbe Stunde gerissen. Ist die erste Hälfte vor allem Selbstzitat, verliert sich die zweite Hälfte in prätentiösen Spielereien. Es gibt kaum noch Ideen, aber darf doch noch nicht Schluss sein.