Bewertung und Kritik zu
LEAR – Komische Oper im Schillertheater Berlin (Flughafen Tempelhof, Hangar 4)
von: Aribert Reimann
Premiere: 16. September 2026, Komische Oper im Schillertheater Berlin / Hangar 4
Künstlerisches Team
Musikalische Leitung: Nicholas Carter
Inszenierung:Barrie Kosky
Bühnenbild: Rebecca Ringst
Kostüme: Klaus Bruns
Dramaturgie: Sophie Jira
Chöre: David Cavelius
Licht: Olaf Freese
Sounddesign: Holger Schwark
Besetzung
König Lear: Scott Hendricks
König von Frankreich: Dimitry Ivashchenko
Herzog von Albany: Philipp Meierhöfer
Herzog von Cornwall: Johannes Dunz
Graf von Kent: Ivan Tursić
Graf von Gloster: Günter Papendell
Edgar: Aryeh Nussbaum Cohen
Edmund: Brenton Ryan
Goneril: Rosie Aldridge
Regan: Nicole Chevalier
Cordelia: Penny Sofroniadou
Narr: Dagmar Manzel
Bedienter: Philipp Schreyer
Komparserie
Vocalconsort Berlin
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
Orchester der Komischen Oper Berlin
Über die Inszenierung
Barrie Koskys „Lear“ im Hangar 4 des Flughafens Tempelhof ist ein monumentaler, atmosphärisch überwältigender Opernabend, der die Klanggewalt von Reimanns Partitur mit einer radikal reduzierten, architektonisch beeindruckenden Raumästhetik verbindet. Die Weite des Hangars wird zum Resonanzraum für Macht, Zerfall und menschliche Verzweiflung.
Rebecca Ringsts Bühne nutzt die industrielle Dimension des Hangars als metaphorischen Raum für Isolation, Gewalt und innere Leere. Klaus Bruns’ Kostüme setzen klare psychologische und soziale Akzente, die die Zerbrechlichkeit der Figuren sichtbar machen.
Nicholas Carter formt mit dem Orchester der Komischen Oper Berlin eine präzise, scharf konturierte Interpretation der komplexen Partitur. Die Chorarbeit unter David Cavelius verstärkt die dramatische Wucht des Abends.
Olaf Freeses Licht und Holger Schwarks Sounddesign schaffen eine atmosphärische Verdichtung, die die emotionale und musikalische Extremität der Oper unterstreicht. Sophie Jiras dramaturgische Arbeit hält die Balance zwischen musikalischer Struktur und psychologischer Erzählung.
Das Ensemble überzeugt mit großer stimmlicher und darstellerischer Intensität. Scott Hendricks’ Lear bildet das Zentrum eines Abends, der zwischen brutaler Direktheit und poetischer Verlorenheit oszilliert.
Besondere Aspekte dieser Produktion
– monumentale Raumwirkung im Hangar 4
– radikal reduzierte, industrielle Bühnenästhetik
– hochpräzise musikalische Interpretation
– starke Ensembleleistung
– atmosphärische Licht- und Soundgestaltung
„Lear“ wird zu einem intensiven, überwältigenden Opernerlebnis, das Reimanns Musik und Shakespeares Tragödie in eine kraftvolle, zeitgenössische Form überführt.





